Vier Nashörner verendet: Umsiedlung in den Tschad wird zum Fehlschlag

    6. November 2018, 14:06
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    Erneuter Rückschlag im Bemühen um Rettung der vom Aussterben bedrohten Tierart

    N'Djamena/Johannesburg – In ganz Afrika leben heute nur mehr rund 5.000 Spitzmaulnashörner (Diceros bicornis) in freier Wildnis, in einigen Regionen sind sie bereits völlig verschwunden. So wurde etwa im Tschad das letzte wild lebende Spitzmaulnashorn 1972 gesichtet. Eine Umsiedlungsaktion sollte kürzlich diese alten Bestände wieder zum Leben erwecken, doch das Projekt geriet zu einem Fehlschlag: Vier von sechs Nashörnern, die im Mai aus Südafrika in den Zakouma-Nationalpark im Tschad gebracht worden waren, seien tot, teilte die Umweltschutzorganisation African Parks am Dienstag mit.

    Keines der Tiere sei von Wilderern getötet worden. Die Spitzmaulnashörner waren im Mai 4.800 Kilometer weit von Südafrika in den Tschad geflogen worden. Während des Flugs wurden sie von einem Team von Tierärzten betreut. Bereits vergangenen Monat waren die Kadaver von zwei der Tiere entdeckt worden, nun wurden zwei weitere Exemplare tot gefunden.

    Todesursache unklar

    Zur Untersuchung der Todesfälle wurden Blut-, Gewebe- und Stuhlproben an ein Labor in Südafrika geschickt, wie African Parks mitteilte. Bisher gebe es keine Hinweise, dass die Nashörner an einer Infektion oder giftigen Pflanzen gestorben seien. In den Blutproben wurden Trypanosomen, von der Tsetsefliege übertragene Parasiten, nachgewiesen. Diese werden aber nicht als Todesursache angenommen.

    Vielmehr legten die geringen Fettreserven der verendeten Nashörner nahe, dass diese nicht gut an ihren neuen Lebensraum angepasst gewesen seien, hieß es weiter in der Erklärung der Organisation, die in Afrika zahlreiche Tierparks betreibt und die Umsiedlung zusammen mit den Behörden von Südafrika und dem Tschad geplant hatte. Weitere Untersuchungen des Hirns und der Rückenmarksflüssigkeit könnten womöglich neue Erkenntnisse über die Todesumstände der Tiere bringen.

    Früherer Fehlschlag

    Im Sommer waren in Kenia alle elf Spitzmaulnashörner verendet, die kurz zuvor aus dem Nairobi-Nationalpark und dem Nakuru-See-Nationalpark in den Ost-Tsavo-Nationalpark gebracht worden waren. Als Todesursache wurde in einem vorläufigen Bericht ein überhöhter Salzgehalt in der Wasserquelle ihres neuen Lebensraums festgestellt. Die Umsiedlung war erfolgt, obwohl es Bedenken hinsichtlich der Eignung des neuen Lebensraums gegeben hatte. (red, APA, 6.11.2018)

    • Eines der kenianischen Spitzmaulnashörner nach der Ankunft im Zakouma-Nationalpark im Tschad. Vier der sechs übersiedelten Tiere sind mittlerweile gestorben.
      foto: apa/afp/stefan heunis

      Eines der kenianischen Spitzmaulnashörner nach der Ankunft im Zakouma-Nationalpark im Tschad. Vier der sechs übersiedelten Tiere sind mittlerweile gestorben.

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