Wien-Tourismus versteckt Klimts "Kuss" hinter dem Hashtag-Gitter

    Ansichtssache6. November 2018, 07:39
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    "Wien sehen. Nicht #Wien" ist das Motto der neuen Kampagne von Wien Nord

    Wien – Drei Tage lang – von 6. bis 8. November – verdeckt ein roter Hashtag Gustav Klimts "Kuss" im Wiener Belvedere. Diese Aktion nach dem Motto "Weniger fotografieren, mehr erleben" ist Teil der neuen Wien-Tourismus-Kampagne "Wien sehen. Nicht #Wien", die zum genussvollen Reisen abseits der Selfie-Inflation aufrufen will. Idee und Umsetzung kommt wieder von Wien Nord, deren Wien-Tourismus-Kampagne vergangenes Jahr vom Creativ Club Austria mit einer Venus in Gold ausgezeichnet wurde.

    foto: wientourismus, paul bauer

    "Mit allen Sinnen genießen"

    "Wien bietet die Erlebnisse einer Metropole ohne die Stressfaktoren einer Metropole, das zeichnet uns im Vergleich zu unseren Mitbewerbern aus. Daher regen wir unser Publikum aktiv an, Augenblicke und Attraktionen wieder bewusster, mit allen Sinnen zu genießen – Selfies & Co gerne weiterhin, doch etwas weniger oft und souveräner zu gebrauchen", sagt dazu Tourismusdirektor Norbert Kettner.

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    foto: wientourismus, paul bauer

    "Unsere Kampagne soll wohlgemerkt kein Fingerzeig und erst recht kein Plädoyer gegen die sozialen Medien sein. Wir nutzen sie im Tourismusmarketing ja selber sehr intensiv für unsere Botschaften, selbst im Rahmen dieser Aktion", so Kettner, "vielmehr streichen wir mit einer Portion Humor Wiens Zugang zur Digitalisierung heraus, bei der wir nach wie vor den Menschen, seine Erlebnisse und Genussmomente in der Destination in den Mittelpunkt stellen."

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    foto: rainer fehringer

    Einer Enttäuschung des Publikums, das Klimts Gemälde nicht sehen zu können, wurde vorgebaut: das Originalwerk ist einen Raum weiter unverdeckt zu betrachten.

    "Wir machen bei dieser Aktion mit, weil wir uns als Museum genau im angesprochenen Spannungsfeld zwischen digitaler Kommunikation und Kunstgenuss bewegen. Wir ermöglichen das Fotografieren in unseren Ausstellungsräumen und freuen uns über Social Media Beiträge, gleichzeitig ist uns wichtig, dass unsere BesucherInnen die Kunstwerke in Ruhe erleben können. Hier eine Balance zu finden, ist eine tägliche Herausforderung", erklärt Stella Rollig, Generaldirektorin des Wiener Belvedere.

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    foto: wientourismus, paul bauer

    See Vienna. Not #Vienna: Enjoy the city behind your pics!

    Die Kampagne läuft auch in Deutschland und Großbritannien. Sujets zeigen Reisende, die mehr mit ihrem Smartphone als mit der eigentlichen Attraktion beschäftigt sind. Im Hintergrund der Sujets sind klassische Wien-Attraktionen zu sehen, ins Bild gesetzt wird aber die Situation des Fotografierens, hier zum Beispiel das Klimt-Sujet am Checkpoint Charlie in Berlin:

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    foto: sebastian woithe

    In die Kampagne wurden Influencer wie Uwa Scholz aus Deutschland oder Claire und Laura von "Twins that Travel" eingebunden, nach Wien eingeladen und mit einer analogen Sofortbildkamera ausgerüstet. Auch Touristen werden aufgefordert, sich bei der Tourist-Info am Wiener Albertinaplatz im November kostenlos Sofortbildkameras (mit nur zehn möglichen Aufnahmen) auszuborgen. (red, 6.11.2018)

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