Kollektivvertragsstreit: Metaller wollen es heuer wieder wissen

    5. November 2018, 11:05
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    Aktuell finden hunderte Betriebsversammlungen statt. Laut Gewerkschaft könnten diese in Streiks übergehen

    Wien – Vor der Verhandlungsrunde am Donnerstag heizen Metaller- und Privatangestelltengewerkschaft die Stimmung noch einmal kräftig an. 392 Betriebsversammlungen werden in den kommenden drei Tagen österreichweit abgehalten, um die Beschäftigten möglichst vieler Unternehmen der fünf Metallindustrie-Fachverbände zu mobilisieren.

    Kommt es bei der fünften Verhandlungsrunde am Donnerstag wieder nicht zu einer substanziellen Annäherung, will Produktionsgewerkschaftschef Rainer Wimmer auf stur schalten. "Die Metaller sind motiviert, werden den Schwanz sicher nicht einziehen", kündigte Wimmer im Ö1-Morgenjournal an. Er schließt einen Arbeitskampf wie 2011 nicht aus. Die unterbrochenen Betriebsversammlungen könnten wieder aufgenommen werden und in (Warn-)Streiks übergehen.

    Fünf Prozent

    Von ihrer Forderung nach fünf Prozent mehr Lohn- bzw. Gehalt oder mindestens 100 Euro mehr für die rund 192.000 Metallarbeiter und Industrieangestellten in der gesamten Metallindustrie wollen Wimmer und sein Verhandlungspartner Karl Dürtscher von der GPA keinesfalls abrücken. Ein Abschluss sei immer ein Gesamtpaket und bestehe nicht nur aus Prozenten, sondern auch rahmenrechtlichen Anpassungen, sagt Dürtscher.

    Verbesserungen hinsichtlich der neuen, im September eingeführten Verschlechterungen durch Zwölfstundentag und des neuen Arbeitszeitgesetzes "lassen sich sicher nicht gegenrechnen. Wir wollen klare Regelungen ohne Zwang zum Zwölfstundentag, stellte der GPA-Chefverhandler im Gespräch mit dem STANDARD klar. "Für besondere Zeiten braucht es eine besondere Vergütung."

    Provokativ ungerührt

    Die Arbeitgeber des größten Metallfachverbands, der Metalltechnischen Industrie mit rund 133.000 Beschäftigten (inklusive Gießereien), geben sich angesichts des Säbelrasselns provokativ ungerührt. Sie wollen es auf Arbeitsniederlegungen ankommen lassen und bieten ungerührt zwei Prozent mehr Lohn, also die Inflationsabdeckung zuzüglich der für heuer erwarteten Produktivitätssteigerung von 0,7 Prozent.

    Zufall oder nicht: Das entspricht exakt einer Erhöhung nach der sogenannten Benya-Formel – dem klassischen Richtwert für die Lohnverhandler, der sich traditionell aus Teuerung und dem halben gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsfortschritt errechnet. Unter Verweis auf die starke Konjunktur und für drei Jahre gefüllte Auftragsbücher ist das den Arbeitnehmern aber zu wenig. Sie verweisen auf die Wertschöpfung pro Kopf, die in der Metallindustrie mit 6,4 Prozent deutlich stärker gestiegen ist als der Personalaufwand (ohne Abfertigungen und Pensionen: plus 2,7 Prozent).

    "Standortschädlicher Abschluss"

    Für einen "standortschädlichen Abschluss" stehe man nicht zur Verfügung, so der Sprecher der Maschinenbau- und Metallverarbeitungsbetriebe, Christian Knill. Alle Forderungen zusammen würden plus 20 Prozent ergeben, warnt man in der Industriesparte der Wirtschaftskammer.

    Ein Blick auf die Aufwandsstruktur der Metallindustrie relativiert die prognostizierten negativen Auswirkungen: Der Personalaufwand betrug 2017 weniger als zwanzig Prozent des Gesamtaufwands, von dem mehr als 60 Prozent Material und bezogene Leistungen ausmachen. Ein weiteres Fünftel verteilt sich auf Abschreibungen, Gewinn und sonstigen Betriebsaufwand, rechnet die AK in ihrer Branchenanalyse vor.

    Wie lang die Metallverarbeiter die Front aufrechterhalten, bleibt abzuwarten. Aus Fachverbänden wie Auto und Stahl verlautet bereits Unmut, weil sich die Metallverarbeiter querlegen. (ung, 6.11.2018)

    • Am Donnerstag gehen die Kollektivvertragsverhandlungen in die fünfte Runde.
      foto: apa/philip stotter

      Am Donnerstag gehen die Kollektivvertragsverhandlungen in die fünfte Runde.

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