Oberösterreich: Wanderung am Attersee

    2. November 2018, 15:00
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    Unterwegs auf einem Lehrpfad mit Gipfeloption am Attersee erfährt man unter anderem, warum hier Maroni wachsen.

    Badespaß und Gustav Klimt. Das verbindet man möglicherweise mit Unterach am Attersee. Edelkastanien dagegen weniger. Dass hier in Oberösterreich überhaupt "Maronibäume" wachsen, ist eine botanische Anomalie. Denn ihre angestammte Heimat ist der Mittelmeerraum. Zwar tasten sich die wärmeliebenden Bäume vereinzelt in Richtung Alpensüd- und -ostrand vor. Aber nördlich der Alpen? Dort ist das Mikroklima nur an einer einzigen Stelle dermaßen günstig, dass Edelkastanien ihre volle Reife erlangen und sogar Wein gedeiht: auf den Sonnenhängen oberhalb von Unterach. Das behaupten zumindest die Einheimischen. Sie feiern jedes Jahr im Herbst ein Kastanienfest mit kulinarischen Köstlichkeiten aus den begehrten Früchten, den Maroni.

    Die Bäume im Edelkastanienwald sind jedenfalls keine kümmerlichen Mängelexemplare, sondern stattliche Baumpersönlichkeiten – manche mehr als 30 Meter hoch und bis zu 300 Jahre alt. Diese holzigen Raritäten kann man auf einem Waldlehrpfad erleben, dessen Schilder noch den Geist vergangener Jahrzehnte atmen – als "Lehrpfad" noch von "belehrend" kam (textlastig, trocken, nicht interaktiv). Dafür ist der Wald rundum umso hübscher, besonders im Herbstkleid.

    Sinne für das Schöne

    Wer damit nicht ausgelastet ist, kann von diesem Pfad aus noch einen Abstecher auf den Hochplettspitz (1.134 m) unternehmen. Dieser verlängert die Wanderung beträchtlich: Aus einer Stunde Gesamtgehzeit werden dann dreieinhalb, aus 100 Metern An- und Abstieg immerhin 660. Auch gut zu wissen: Der Wald vereitelt über weite Strecken die Aussicht.

    Dennoch zahlt sich der Hochplettspitz-Weg aus, weil er sich umso mehr eignet, um die Sinne für das Schöne im Detail zu schärfen. Für die kleinen Wunder am Wegrand, an denen man sonst achtlos verbeiwandert. Das funktioniert ohne Aussicht, die "ablenkt", am besten. Selbst nebelgraues Novemberwetter stört dabei überhaupt nicht. (Uwe Grinzinger, 2.11.2018)

    Weitere Outdoor-Tipps:

    Google Maps: Wandern, Radfahren, Schneeschuh- und Skitouren in Österreich

    Service & Anreise

    karte: der standard

    Gemeinsamer Zustieg von Unterach

    Vom Friedhofsparkplatz in Unterach (gelber Wegweiser "Wanderweg") gehen wir auf der Asphaltstraße bergauf. Nach dem Kindergarten biegen wir rechts ab auf einen Steig (Wegweiser "Waldlehrpfad, Edelkastanienwald"). Auf ihm erreichen wir die Umfahrungsstraße von Unterach, folgen ihr ca. 50 m nach rechts und überqueren sie dann (Wegweiser). Jenseits auf einer Straße bergauf und im Rechtsbogen zu einer Wegkreuzung am Waldrand (auf ca. 540 m; mit Waldlehrpfad-Übersichtstafel). Eilige können hier gleich geradeaus weitergehen Richtung Hochplettspitz, versäumen dann aber einen Großteil des Lehrpfades.

    Waldlehrpfad – Edelkastanienwald

    Der Waldlehrpfad führt von der Wegkreuzung nach rechts und ist mit eigenen Wegweisern "Waldlehrpfad – Edelkastanienwald" beschildert. Zuerst am Waldrand, dann einige Zeit im Wald den Hang entlang. Schließlich biegen wir bei einer Bank links ab (Lehrpfad-Wegweiser), steigen kurz auf einem Wanderweg bergauf (rote Markierungspunkte) und erreichen im Linksbogen einen Karrenweg. Ihm folgen wir leicht bergab, an einem Haus vorbei, bis zu einer Kreuzung. Dort halten wir uns rechts (Wegweiser "Hochplettspitze") und passieren einen Rastplatz mit Ausblick auf Unterach und Attersee. Wenig später, auf ca. 600 m Seehöhe, zweigt der Steig zum Hochplettspitz endgültig nach rechts ab (Beschreibung siehe unten). Wer diesen Gipfel auslässt, wandert gleich links am Waldlehrpfad weiter. Bald darauf geht es scharf nach links hinunter (Wegweiser "Waldlehrpfad") und zurück zur Wegkreuzung mit der Waldlehrpfad-Übersichtstafel (540 m). Von ihr am bekannten Weg zurück zum Ausgangspunkt.

    Verlängerung: Hochplettspitz

    Von der Abzweigung des Hochplettspitz-Weges vom Waldlehrpfad (auf ca. 600 m) längere Zeit durch Wald hinauf. Zwischendurch führt vom Hauptweg ein zweiminütiger Abstecher nach rechts auf eine Wiese zum "Jubiläumsbaum" – einer Edelkastanie, die 1908 zum 60-jährigen Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph gepflanzt wurde. Zurück am Hauptweg, folgen wir der Punktmarkierung und den gelben Wegweisern (Aufschrift "Hochplettspitze" oder schlicht "Wanderwege").

    Zwei Schotterstraßen werden gequert, dann geht es nach rechts aus dem Wald hinaus, über eine ehemalige Schlagfläche hinauf, rechtshaltend durch ein kleines Waldstück und über eine weitere Aufforstungsfläche bis zu einer Schotterstraße. Auf ihr ca. 20 Meter nach rechts, dann links auf einen Steig (Wegweiser "Hochplettspitze 45 min"). Kurz durch Wald, links hinaus auf die Schlagfläche (bester Atterseeblick am Hochplettspitz-Weg!), dann wieder durch Wald zu einer Forststraße. Ihr folgen wir nach rechts bergauf, wandern später ca. 5 – 10 min ohne Höhengewinn um den Hochgupf herum und biegen schließlich rechts auf einen Steig ab (Tafel "Hochplettspitze 20 min"). Auf ihm auf den Kamm zwischen Hochplettspitz und Hollerberg, nach links auf einen Karrenweg und zum Hochplettspitz-Gipfel (1.134 m, Rastbank, Gipfelkreuz, Gipfelbuch). Abstieg vom Gipfel am gleichen Weg bis zur Kreuzung mit dem Waldlehrpfad (auf ca. 600 m).

    Ausgangspunkt: Unterach am Attersee, Parkplatz beim Friedhof (480 m).

    Anreise: Mit dem PKW: Von der A1 (Abfahrten Mondsee od. St. Georgen im Attergau) nach Unterach. Dort ins Ortszentrum. Am Klimt-Platz (beim Spar) abbiegen (Schilder "Schule", "Kirche") und gut 100 m bergauf zum Parkplatz neben Friedhof und Kirche.

    Mit Öffis (u. a.): a) Westbahn bis Attnang-Puchheim – Postbus Nr. 561 nach Unterach; b) Postbus Nr. 596 von Mondsee nach Unterach. Fahrpläne >>

    Anforderungen: Waldlehrpfad: einfacher, gemütlicher Spaziergang. Hochplettspitz: einfacher Wanderweg, aber deutlich länger (660 Höhenmeter). Beide markiert und beschildert.

    Einkehr: Ortszentrum: Restaurant El Barril od. Café-Konditorei Central. Außerhalb: Seegasthof Stadler (am Attersee, ca. 5 km nach Norden, Ortsteil Stockwinkl) od. Gasthof See (am Ostende des Mondsees, ca. 4 km nach Westen).

    Karte: freytag & berndt-Wanderkarte WK 282 od. WK 5282

    • Wir starten beim Friedhof von Unterach.
      foto: uwe grinzinger

      Wir starten beim Friedhof von Unterach.

    • Herbstlicht fällt durch Edelkastanienblätter.
      foto: uwe grinzinger

      Herbstlicht fällt durch Edelkastanienblätter.

    • Die Einheimischen sind recht flink beim Maroni-Einsammeln.
      foto: uwe grinzinger

      Die Einheimischen sind recht flink beim Maroni-Einsammeln.

    • Die Edelkastanien wachsen auf den Unteracher Sonnenhängen.
      foto: uwe grinzinger

      Die Edelkastanien wachsen auf den Unteracher Sonnenhängen.

    • Kein Schwächling: ein ziemlich stattlicher Edelkastanien-Baum.
      foto: uwe grinzinger

      Kein Schwächling: ein ziemlich stattlicher Edelkastanien-Baum.

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