Radikale Proteste nach Freispruch von Christin legen Pakistan lahm

    2. November 2018, 10:34
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    Gespräche zwischen Regierung und radikalislamischen Gruppen scheiterten

    Islamabad – Einen Tag nach dem Freispruch einer Christin in Pakistan ist es in dem vorwiegend muslimischen Land wieder zu Straßenprotesten radikalislamischer Gruppen gekommen. "Wir werden unser Leben opfern, aber wir werden niemals weichen", sagte der radikalislamische Prediger und Anführer der Gruppe Tehreek-e-Labaik Pakistan (TLP), Khadim Rizvi, am Donnerstag in Lahore. Gespräche der Regierung mit der TLP zur Entschärfung der Lage seien in der Nacht auf Freitag gescheitert, sagte der Rizvi. "Wir werden uns nicht zurückziehen, bis die Richter, die das Todesurteil aufgehoben haben, entlassen sind und Bibi gehängt wird", warnte der Prediger.

    Ausgebrochen waren die Proteste am Mittwoch, nachdem die wegen Blasphemie verurteilte Christin Asia Bibi nach acht Jahren in der Todeszelle vom Obersten Gerichtshof in Islamabad freigesprochen worden war. Tausende blockierten wichtige Gleisverbindungen und Straßen, darunter auch eine der Hauptzufahrten in die Hauptstadt Islamabad, wie die Polizei mitteilte. Aus Angst vor heftigen Ausschreitungen blieben im ganzen Land am Donnerstag und Freitag Schulen geschlossen und Straßen menschenleer. Landesweit kündigten Anhänger der radikalen Gruppe an, die Proteste fortzuführen.

    Acht Jahre in der Todeszelle

    Bibi war vorgeworfen worden, sich bei einem Streit mit muslimischen Frauen in ihrem Dorf abfällig über den Propheten Mohammed geäußert zu haben. Die fünffache Mutter war 2009 festgenommen und im Jahr darauf nach einem umstrittenen Blasphemiegesetz zum Tode verurteilt worden. Die Richter befanden nun, die Vorwürfe gegen die 51-Jährige seien juristisch schwach begründet.

    Radikalislamische Anführer forderten daraufhin den Tod der Richter. Pakistans Regierung entsandte Soldaten zum Schutz von Amtsgebäuden in mehrere Großstädte des Landes. Regierungschef Imran Khan rief am Mittwochabend in einer Fernsehansprache zur Ruhe auf und warnte Demonstranten davor, den pakistanischen Staat anzugreifen.

    Zum derzeitigen Aufenthaltsort Bibis gab es zunächst keine offiziellen Angaben. Örtliche Medienberichte deuteten aber an, sie sei möglicherweise wegen Sicherheitsbedenken aus Pakistan geflohen. (APA, 2.11.2018)

    • Islamisten protestieren gegen den Freispruch für Asia Bibi.
      foto: ap photo/fareed khan

      Islamisten protestieren gegen den Freispruch für Asia Bibi.

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