HRW: Nordkoreas Frauen sind Beamten ausgeliefert

    1. November 2018, 13:38
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    Nordkoreas Führung toleriere Gewalt gegen Frauen durch Funktionäre, so die Menschenrechtsorganisation

    Pjöngjang – Frauen in Nordkorea sind nach einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hilflos sexueller Gewalt durch Staatsbeamte und Parteifunktionäre ausgeliefert. Die Organisation wirft der Führung von Machthaber Kim Jong-un in dem am Donnerstag in Seoul veröffentlichten Bericht vor, nichts gegen weitverbreiteten Missbrauch von Frauen zu unternehmen und die Opfer mundtot zu machen.

    "Unfreiwilliger sexueller Kontakt und Gewalt sind so normal in Nordkorea, dass sie als Teil des alltäglichen Lebens akzeptiert werden", hieß es in einer Mitteilung von Human Rights Watch, das sich auf Interviews mit Flüchtlingen aus dem abgeschotteten Land beruft.

    Keine Wahl

    Nordkoreanerinnen hätten erzählt, eine Frau habe keine andere Wahl, als die Forderungen eines Beamten in Machtposition zu erfüllen, sobald sie "ausgesucht" worden sei. Dabei sei egal, ob es um Forderungen nach "Sex, Geld oder andere Gefälligkeiten" gehe. Zu den Tätern gehörten hochrangige Parteikader, Gefängniswärter, Polizeibeamte, Geheimdienstler, Staatsanwälte und Soldaten.

    "Die Nordkoreanerinnen würden vermutlich 'Me Too' sagen, wenn ihnen Gerechtigkeit zuteil wird", sagte der Exekutivdirektor der Organisation, Kenneth Roth, in Anspielung auf die in sozialen Netzen losgetretene #MeToo-Bewegung.

    Human Rights Watch rief die Regierung in Pjöngjang auf, das Problem der sexuellen Gewalt anzuerkennen und sicherzustellen, dass dies durch die Behörden als Verbrechen behandelt wird. Nach eigenen Angaben befragte die Organisation für den Bericht 54 Frauen und acht frühere Beamte, die seit der Machtübernahme durch Kim Jong-un 2011 ihr Land verlassen hätten.

    Insbesondere inhaftierte Frauen werden demnach zu Opfern von Vergewaltigungen. "Jede Nacht wurden einige Frauen gezwungen, mit einem Wärter zu gehen und wurden vergewaltigt", berichtete laut HRW eine Frau, die in einem nordkoreanischen Gefangenenlager in Grenznähe inhaftiert war. "Jede Nacht öffnete ein Gefängniswärter die Zellentür. Ich blieb still stehen und tat, als ob ich nichts bemerkte. Ich hoffte, dass es nicht ich sein würde."

    Bestechungsgelder

    Frauen, die Güter zum Verkauf auf den nordkoreanischen Märkten über die chinesische Grenze schmuggeln, müssen dem Bericht zufolge "Bestechungsgelder" in Form von Sex bezahlen. Unter den Tätern sind demnach Wachen vor den Märkten und den umliegenden Straßen sowie Grenzbeamte. Auch Polizisten, Staatsanwälte, Soldaten und Eisenbahnbeamte seien unter den Tätern.

    Eine ehemalige Textilhändlerin berichtete, sie sei den Männern ausgeliefert gewesen. "An den Tagen, an denen sie sich danach fühlten, konnten mich Marktwächter oder Polizisten bitten, ihnen in einen leeren Raum außerhalb des Markts zu folgen oder zu einem anderen Ort, den sie auswählten", erzählte die Frau demnach. An den entlegenen Orten seien die Frauen dann vergewaltigt worden.

    "Es passiert so oft, dass niemand denkt, dass es eine große Sache ist. Wir merken es nicht einmal, wenn wir erschüttert sind", sagte die Frau laut dem Bericht. "Aber wir sind menschlich, und wir fühlen es. So weinst du manchmal nachts wie aus dem nichts und du weißt nicht warum."

    Laut HRW ist sexuelle Gewalt in Nordkorea mit seiner streng hierarchischen und paternalistischen Gesellschaft ein Tabuthema. Die Regierung von Machthaber Kim Jong-un weist entsprechende Vorwürfe entschieden zurück und betont, Menschenrechte zu schützen. (APA, 1.11.2018)

    • Sexuelle Gewalt  ist laut Human Rights Watch in Nordkorea mit seiner streng hierarchischen und paternalistischen Gesellschaft ein Tabuthema.
      foto: imago/nature picture library

      Sexuelle Gewalt ist laut Human Rights Watch in Nordkorea mit seiner streng hierarchischen und paternalistischen Gesellschaft ein Tabuthema.

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