Skepsis im Vatikan zu Spekulationen nach Skelettfund

    1. November 2018, 13:16
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    Ergebnisse der DNA-Untersuchung sollen Ende nächster Woche bekanntgegeben werden

    Vatikanstadt – Im Vatikan glaubt man nicht an Spekulationen, wonach die Kochen, die am Freitag auf dem Gelände der vatikanischen Botschaft in Rom entdeckt worden waren, menschliche Überreste der vor 35 Jahren plötzlich verschwundenen Vatikan-Bürgerin Emanuela Orlandi sind. Die Ergebnisse der DNA-Untersuchung sollen erst Ende nächster Woche bekanntgegeben werden.

    "Im Vatikan glaubt jeder, dass die gefundenen Knochen nichts mit Emanuela Orlandi zu tun haben", sagte der pensionierte Kurienerzbischof Gianfranco Girotti im Gespräch mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica". Es sei nicht unüblich, unter Kirchen oder am Gelände außerhalb des Vatikans Knochenreste zu finden. Der Sitz der Vatikan-Botschaft in Rom, wo die Knochen entdeckt wurden, sei vor 1949 eine einfache Wohnung gewesen. "Die Knochen könnten jedem gehören", meinte der Bischof.

    Gebeine bei Renovierungsarbeiten entdeckt

    Laut Medienberichten ergaben erste Untersuchungen, dass die Gebeine, die bei Renovierungsarbeiten in einem Nebengebäude auf dem Gelände der Botschaft entdeckt wurden, einer Frau gehörten. Wie der Vatikan am Dienstabend mitteilte, informierten vatikanische Stellen nach dem Fund die römischen Behörden, die seitdem ermitteln.

    Orlandis Bruder Pietro will den im Fall ermittelnden Staatsanwalt treffen. Eine Anwältin der Familie, Laura Sgro, forderte von der Staatsanwaltschaft und dem Vatikan Auskunft darüber, unter welchen genauen Umständen die Knochen gefunden wurden.

    Orlandi 1983 verschwunden

    Nicht ausgeschlossen wird, dass die Knochen zu zwei verschiedenen Personen gehören könnten. Gefunden wurden ein fast vollständig erhaltenes Skelett und weitere Knochen. Emanuela Orlandi, 15-jährige Tochter eines Vatikan-Beamten, war am 22. Juni 1983 in Rom nicht mehr nach Hause gekommen. Seitdem ist sie spurlos verschwunden. 40 Tage vor Orlandi war ein weiteres Mädchen, Mirella Gregori, in Rom verschwunden. Die Ermittler schlossen damals einen Zusammenhang der beiden Fälle nicht aus.

    In den vergangenen Jahren hatte es teilweise abenteuerliche Spekulationen über die Hintergründe des Falles gegeben. So wurde vermutet, dass Orlandi von der rechtsextremen türkischen Gruppe "Graue Wölfe" entführt worden sei, um die Befreiung des Papst-Attentäters Mehmet Ali Agca zu erreichen, der 1981 festgenommen worden war. Emanuelas Bruder Pietro wirft dem Vatikan Vertuschungsversuche vor. Offiziell liegen keine konkreten Erkenntnisse über das Schicksal Orlandis vor. (APA, 1.11.2018)

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