Erstmals seit 133 Jahren brüteten Kraniche wieder in Österreich

    2. November 2018, 17:40
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    Derzeit ziehen wieder Kranichscharen über Österreich gen Süden. Zum ersten Mal seit 1885 ist auch ein heimisches Brutpaar dabei

    Zum ersten Mal seit 133 Jahren brüten wieder Kraniche (Grus grus) in Österreich. Das berichtet die Vogelschutzorganisation Bird Life Austria. Der letzte Brutnachweis stamme aus dem Jahr 1885, seither wurde hierzulande kein Nachwuchs registriert. Derzeit ziehen die majestätischen Vögel aus Europa in ihre südlichen Wintergebiete – und können in weiten Teilen Österreichs beobachtet werden.

    foto: otto samwald
    Ein Kranichzug auf dem Weg in den Süden.

    Groß und laut

    Der Kranich ist kein unauffälliger Zeitgenosse. Mit einer Körperhöhe von bis zu 1,30 Meter und einer Flügelspannweite von 220 bis 245 Zentimeter ist der Kranich kaum zu übersehen. Seine trompetenähnlichen Rufe sind zudem kilometerweit hörbar – gerade jetzt, wenn große Kranich-Gruppen entlang der baltisch-ungarischen Zugroute von ihren Brutplätzen in Finnland, Mittel- und Ost-Estland über den Osten Österreichs nach Nordafrika, Südfrankreich und Spanien ziehen.

    "Heuer sind die Kraniche früher aus ihren Brutgebieten aufgebrochen", erklärt Norbert Teufelbauer von Bird Life Österreich. Ihre Lebensräume – Feuchtgebiete, Moore, verlandende Seen und Teiche – waren aufgrund des heißen Sommers trockengefallen. "Gute Plätze zur Beobachtung des Kranichzugs sind der Neusiedler-See und der Hansag", sagt der Ornithologe. Bei idealen Bedingungen sind mehrere Tausend Vögel zu sehen und zu hören.

    foto: christoph bosch
    Imposanter Schreitvogel: Kraniche werden bis zu 1,30 Meter groß.

    Waldviertler Paar

    In diesem Jahr wird sich auch ein Kranichbrutpaar aus dem Waldviertel Richtung Süden aufmachen. Zuletzt brüteten Kraniche 1885 im Ibmer Moos in Oberösterreich. Dieser Brutplatz wurde nach Entsumpfungsarbeiten verlassen und nicht wieder aufgesucht. Seither galt der Kranich in Österreich als ausgestorben.

    In Nordeuropa nehmen die Kranichbestände hingegen zu. "Die südliche Verbreitungsgrenze dürfte sich nach unten verschieben", berichtet Teufelbauer. "Es ist nicht auszuschließen, dass sich der Kranich als Brutvogel in Österreich wieder etabliert." Eine Voraussetzung dafür sei aber der Schutz verlandender Seen und Teiche sowie größerer Moore, die als Brutgebiete in Frage kommen. (red, 2.11.2018)

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