Sportler des Jahres: Nominierte müssen Karten kaufen

    30. Oktober 2018, 17:08
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    Die Sporthilfe lädt maximal ein Quartett zur Gala am Mittwoch ein, das stellt Verbände mit größeren Teams vor Probleme

    Dietrich Mateschitz hätte kaum mit der Wimper gezuckt. Muss er auch nicht. Denn Red Bull Salzburg ist verhindert, wenn am Mittwochabend in der Marx-Halle Wien die "Lotterien Sporthilfe Gala" über die Bühne geht, bei der Österreichs Sportler, Sportlerin, Behindertensportler, Behindertensportlerin und Mannschaft des Jahres präsentiert werden (20.15 Uhr, ORF 1). Österreichs Fußballmeister, der 2017/18 ins Europa-League-Semifinale kam, hat es klarerweise in die Top 5 der Mannschaftswertung geschafft. Zur Gala kommt dennoch nur eine kleine, von Geschäftsführer Stephan Reiter angeführte Delegation, schließlich hat Salzburg am selben Abend im Cup anzutreten, in Lustenau. Eine größere Entfernung ist kaum möglich in diesem Land.

    RB Salzburg wird also locker das Auslangen finden mit jenen vier Tickets, die nominierten Teams von der Sporthilfe zur Verfügung gestellt werden. Andere tun sich da schwerer. Im österreichischen Hockeyverband ist man, wie es auf Anfrage des STANDARD heißt, durchaus "vor einer gewissen Problematik gestanden". Auch die Nationalmannschaft der Herren hat es – verdientermaßen als Welt- und Europameister in der Halle – unter die Top 5 geschafft. Doch ein Hallenhockeyteam ist fast so groß wie eine Fußballmannschaft, und der Verband wollte die Gala keinem Spieler oder Trainer vorenthalten. Der Verband fragte beim Veranstalter nach und bekam das Angebot, zusätzliche Karten zu erwerben.

    Kosten

    Fabian Ringler, Vizepräsident des Verbands, sah Kosten von mehreren Tausend Euro auf sich zukommen. Schließlich beträgt der Preis für einen Zehnertisch bei der Gala offiziell 4.900 Euro (Bronze-Package) bis 10.900 Euro (Platin), wobei ab der Kategorie "Silber" etwa auch Logo-Präsenz vor Ort und ein Inserat im Programmheft enthalten sind. Plan B des Hockeyverbands wäre also gewesen, die vier angebotenen Plätze (im Gold-Bereich) zu besetzen und dazu zehn sogenannte Fanzonentickets à 129 Euro zu kaufen. "Wir müssen jeden Tausender zweimal umdrehen", sagt Ringler und gibt eine gewisse Verwunderung darüber zu, dass ein nominiertes Team nicht geschlossen eingeladen werden kann.

    Seitens der Sporthilfe wird auf STANDARD-Anfrage der Benefizcharakter herausgestrichen. Schließlich komme der Reinerlös der Förderung des heimischen Sports zugute. In der Sporthilfe hat man sich "darauf geeinigt, von größeren nominierten Mannschaften Vertreter einzuladen", eben vier an der Zahl. Schließlich könne man die guten Plätze in der Marx-Halle auch am besten verkaufen. Und irgendwo müsse man eine Grenze ziehen. Schließlich gebe es, etwa im Eishockey oder im Football, noch größere Teams als im Fußball oder Hockey.

    Kein Renner

    Die Sporthilfe rechnet mit 1.400 Gala-Gästen (und 150 Medienvertretern). An den Tischen sind keine Plätze mehr zu haben, die Fanzonentickets waren im Vorverkauf hingegen kein wirklicher Renner. Auch für den Hockeyverband ist es letztlich Plan A geworden. Alle 14 sitzen nun beisammen, nämlich im Silber-Bereich, und die zehn zusätzlichen Plätze kosten nun 3.540 Euro plus Mehrwertsteuer. Einerseits ist dem ÖHV also die Sporthilfe entgegengekommen, andererseits konnte er noch eigens Sponsoren (Skoda, Raiffeisen) gewinnen. Von Sportlern für Sportler, so könnte dennoch das Motto lauten.

    Neben RB Salzburg und dem Hockeyteam sind die Rodler Penz/Fischler, das Tischtennisdoppel Gardos/Habesohn und das Daviscupteam in die engere Auswahl gekommen. Von ihnen wird, auch angesichts der Tatsache, dass etliche Tennisspieler im Turniereinsatz sind, in puncto Kartenverkauf kaum etwas zu holen sein. Große Favoriten auf Siege in den Solo-Kategorien sind Marcel Hirscher und Anna Gasser, die beiden Titelverteidiger. Eingeladen sind sie sowieso, gerne mit Begleitung. (Fritz Neumann, 30.10.2018)

    • Am 11. Februar bejubelte Österreichs Hallenhockeyteam den WM-Titel. Im Finale in Berlin wurde Deutschland geschlagen.
      foto: imago/matthias koch

      Am 11. Februar bejubelte Österreichs Hallenhockeyteam den WM-Titel. Im Finale in Berlin wurde Deutschland geschlagen.

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