Brasilien: Bolsonaro will Korruptionsermittler Moro als Justizminister

    30. Oktober 2018, 07:35
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    Im ersten Interview nach seinem Wahlsieg verteidigte der künftige Präsident auch die geplante Liberalisierung des Waffenrechts

    Brasilia – Der neu gewählte brasilianische Präsident Jair Bolsonaro will den prominentesten Korruptionsermittler des Landes zu seinem Justizminister machen. Er werde Richter Sergio Moro den Posten in seinem Kabinett anbieten, sagte der rechtsextreme Populist am Montag im ersten Fernsehinterview seit seinem Wahlsieg.

    Moro hat als Untersuchungsrichter die Ermittlungen zu "Lava Jato" (Autowäscherei) – dem größten Korruptionsskandal Lateinamerikas – maßgeblich vorangetrieben. Im vergangenen Jahr verurteilte er Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva in erster Instanz wegen Bestechlichkeit zu einer Freiheitsstrafe.

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    "Tropen-Trump" wird der neugewählte Präsident von Brasilien genannt. Dabei ist das vermutlich noch untertrieben. Jair Bolsonaro gilt als offen homophob, rassistisch und sexistisch.

    Am Sonntag war Bolsonaro zum Präsidenten gewählt worden. Sein erstes Interview gab Bolsonaro dem Fernsehsender Record TV, der der evangelikalen Universalkirche des Reichs Gottes gehört. Die erzkonservativen Freikirchen hatten Bolsonaro im Wahlkampf massiv unterstützt.

    Bürger bewaffnen

    In dem Interview verteidigte Bolsonaro auch seine Pläne, das Waffenrecht zu liberalisieren. "Wenn in diesem Fernsehstudio drei oder vier bewaffnete Personen wären, würde kein Verrückter hereinkommen, um böse Dinge zu tun", sagte er. "Mehr noch als das eigene Leben schützen Waffen die Freiheit des Volkes."

    Als der Interviewer ihn fragte, ob mehr Waffen nicht auch zu mehr Gewalt führen würden, blaffte Bolsonaro ihn an: "Dann können wir auch Autofahren verbieten." Brasilien leidet unter einer Welle der Gewalt: Im vergangenen Jahr wurden über 63.000 Menschen getötet. Zum Vergleich: In Deutschland mit knapp halb so vielen Einwohnern gab es im vergangenen Jahr etwa 730 Tötungsdelikte.

    Gefahr für Demokratie

    Gerade in den Favelas sind viele Waffen im Umlauf. Halbstarke mit Schnellfeuergewehren bewachen dort die Reviere der Drogenbanden. "Wenn jemand Böses tun will, kann er sich leicht eine Waffe auf dem Schwarzmarkt besorgen", sagte Bolsonaro. "Wir sollten uns von dem politisch Korrekten verabschieden."

    Bolsonaro hatte zuletzt immer wieder mit rassistischen Kommentaren, extremistischen Parolen und seiner Bewunderung für die Militärdiktatur provoziert. Kritiker halten ihn für eine Gefahr für die noch junge Demokratie in Brasilien. Seit seinem Wahlsieg gibt er sich zurückhaltend. "Die Opposition ist immer willkommen und die freie Meinungsäußerung ist heilig", sagte er nun in dem Interview. (APA, red, 30.10.2018)

    • Unterstützer Bolsonaros feiern seinen Wahlsieg, seine Gegner befürchten das Ende der Demokratie.
      foto: reuters/sergio moraes

      Unterstützer Bolsonaros feiern seinen Wahlsieg, seine Gegner befürchten das Ende der Demokratie.

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