Rechte "Bürgerwehr" organisiert sich wie ein Motorradclub

    30. Oktober 2018, 07:11
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    Von der Führungsebene abwärts – Verfassungsschutz beobachtet die "Vikings Security Austria"

    Wien/Linz – Die neu in Erscheinung getretene Gruppe "Vikings Security Austria", die in Linz als selbsternannte Bürgerwehr "Patrouillen" plant, versucht sich offensichtlich nach der Art und Weise von unpolitischen Motorradclubs zu organisieren. Das beginnt bei der Kleidung und geht mit der Organisationsweise von der Führungsebene abwärts weiter, wie Einträge der Gruppe auf Facebook zeigen.

    Die Polizei Wien erinnerte via Twitter dazu an das staatliche Gewaltmonopol:

    Die oberste, "nationale" Ebene bilden ein Präsident und dessen Vize sowie ein "Sergeant at Arms", der für die innere Disziplin und Ausrüstung verantwortlich ist. Dazu kommt ein sogenannter Secretary, also Schriftführer. Alle Begriffe stammen aus der Motorradclubszene. Unter dieser Führungsebene will die Gruppe "Divisionen" in Bundesländern aufbauen, die wiederum – ebenso nach dem Vorbild von Motorradclubs – aus einzelnen "Chaptern", also Ortsgruppen, bestehen sollen.

    Mitglied kann man bei den selbsternannten Ordnungshütern nur nach einer "Prospect"-Phase werden. Auch das ist bei Motorradclubs der Fall. "Prospect wird man durch 2–3 Mal Streife laufen mit einem 'Leader' (Chapter-Chef, Anm.)", heißt es in einem Online-Eintrag der Gruppe. Wenn der Prospect nach dem Geschmack der Mitglieder ist und "derjenige bezüglich Verhalten und Charakter zur Truppe passte", kann er nach Vorschlag seines Chapter-Chefs nach dem Okay des Divisionsleaders zum Vollmitglied werden. Erst dann "darf" ein Mitglied das dreiteilige Rückenemblem samt Logo tragen. Auch das haben sich die "Vikings" von der Motorradszene abgeschaut. Prospects dürfen zuvor nur den Schriftzug, nicht aber das Logo der Gruppe tragen. Unterstützer dürfen nur "Supporter"-Kleidung tragen.

    Vom Verfassungsschutz beobachtet

    Online ist die Gruppe, die martialisch auftritt und vom Verfassungsschutz beobachtet wird, in Österreich erstmals im August aufgetaucht. Unklar ist die Mitgliederzahl, die aber nicht allzu hoch sein dürfte. Auf Facebook-Bildern sind nur wenige Personen von hinten zu sehen. Facebook-Profilbild der vier bisher auf Facebook in Erscheinung getretenen Ableger in Wien, Linz, Graz und Salzburg ist ein abstrakter Adler. Die Flügel deuten farblich die alte deutsche Reichsflagge (schwarz-weiß-rot) an. In sozialen Medien wirbt man um Mitglieder, das Vorhaben wird als "guter Zweck" beworben.

    Laut Medienberichten rekrutiert sich das Personal aus dem Umfeld der rechtsextremen Identitären Bewegung. In Bayern gibt es seit März Aktivitäten der Gruppe. Der bayerische Verfassungsschutz stuft die "Vikings" als rechtsextremistisch orientierte Gruppe ein. Es gehe ihr darum, Ängste vor Migranten zu schüren und den Eindruck zu erzeugen, der Staat könne die Sicherheit der Bevölkerung nicht mehr gewährleisten. Die neuen Bürgerwehrgruppen würden diese angebliche Lücke schließen, die der Staat gelassen habe, und vermeintlich für den Schutz der Bevölkerung sorgen. (APA, 30.10.2018)

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