Gab-Gründer Andrew Torba: Reueloser Gründer des "Twitters für Rassisten"

    Kopf des Tages29. Oktober 2018, 17:50
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    Der 27-jährige konservative Christ bot mit seinem Kurznachrichtendienst auch dem antisemitischen Pittsburgh-Attentäter eine Plattform

    Wer in den Tiefen des Internets nach Andrew Torba sucht, um möglicherweise frühe Anzeichen für dessen Toleranz rassistischer und antisemitischer Hassnachrichten auf dem von ihm 2016 mitgegründeten sozialen Medium Gab (englisch für "quatschen") zu finden, wird enttäuscht. Der 27-jährige konservative Christ und CEO des oft als "Twitter für Rassisten" bezeichneten Kurznachrichtendienstes präsentierte sich dort lange Zeit vor allem als engagierter Unternehmer, der versucht, seine Firma zur Optimierung von Onlinewerbung zu promoten.

    Spätestens seit vergangenem Wochenende gilt Torba jedoch als jener Mann, der dem Who’s who amerikanischer Neonazis, Antisemiten und Rassisten eine Plattform bot, um sich über die angeblichen Fehlentwicklungen der US-Gesellschaft auszukotzen. Auch der Attentäter des antisemitisch motivierten Massakers in einer Synagoge in Pittsburgh, bei dem am Samstag elf Menschen starben, hatte jahrelang auf Gab.ai Hassbotschaften verbreitet und sogar die Tat dort angekündigt. Hassbotschaften waren dort im Gegensatz zu Gewaltaufrufen nie verboten.

    Torba glaubt weiterhin fest an den Fortbestand Gabs.

    Gedichte und Detox

    Torba selbst teilte mit seinen Fans lange Zeit lediglich selbstgeschriebene Gedichte oder Lifestyle-Tipps. Er erzählte von seiner Detox-Dezember-Diät, warum er sich am No-Shave-November beteiligt – einen Vollbart dem Schnauzer aber vorzieht – und wie er beim Kauf einer Matratze auf Raten realisierte, dass er nun ein wahrer Erwachsener sei. Auch dass sich der 16-jährige Torba in seiner Highschool-Zeit in den Lehrercomputer "einhackte", erfährt man auf seinem Blog. Hacken interpretierte er stets eher unkonventionell mit dem Mantra: "Bewege dich schnell und zerstöre Dinge." Nur wer Dinge wage und Fehler mache, würde im Leben vorankommen. Erst in den vergangenen Jahren wurden Torbas Botschaften radikaler.

    Keine Reue

    Die Zukunft der Plattform, die sich als Vorkämpferin für "freie Meinungsäußerung" entgegen dem Medien-Mainstream sieht, ist indes ungewiss. Nachdem Google im Vorjahr die App aufgrund fehlender Moderation hasserfüllter Nachrichten aus dem Play Store warf – Apple hatte den Store-Zutritt stets verwehrt –, entzogen nun auch Webhosting- und Domainnamenprovider sowie sämtliche Bezahldienste Gab deren Unterstützung. Das Netzwerk wird daher vorerst für einige Zeit offline bleiben. Ob Torba deshalb gedenke, die Richtlinien für Gab zu ändern? "Keinesfalls." (Fabian Sommavilla, 29.10.2018)

    • Torbas Spuren im Internet zeigen die Geschichte einer verwandelten Person.
      foto: torba/privat

      Torbas Spuren im Internet zeigen die Geschichte einer verwandelten Person.

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