Molly Solverson aus "Fargo": Mut zur Durchschnittlichkeit

    Blog30. Oktober 2018, 07:00
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    In "Fargo" findet das Böse seinen Weg in die verschneite Provinz. Polizeibeamtin Molly Solverson trotzt gewieften Gaunern und inkompetenten Vorgesetzten

    Nicht nur Romane taugen zur Serienvorlage. So hat US-Produzent und Autor Noah Hawley aus dem 1990er-Jahre-Klassiker "Fargo" (Ethan und Joel Coen) eine bemerkenswerte Serie gebastelt, die 2014 auf dem US-Sender FX startete. Wie schon das filmische Original, ist auch die TV-Serie in einer gottverlassenen Kleinstadt im Mittleren Westen der USA angesiedelt, wo Mafiaclans üblicherweise äußerst selten die BeamtInnen der lokalen Polizeistation beschäftigen.

    In Staffel eins sorgen ein leicht bekleideter Erfrorener im Wald und gleich mehrere Morde in Bemidji für Aufregung bei den ErmittlerInnen. Als Polizeichef Vern Thurman zum falschen Zeitpunkt bei einem Verdächtigen auftaucht, muss Jungpolizistin Molly Solverson nicht nur ohne ihren einstigen Mentor auskommen, sondern sich auch noch mit dem neuen Chef herumschlagen: Was ihrem Vorgesetzten Bill Oswalt (Bob Odenkirk) an kriminalistischem Gespür und Cleverness fehlt, gleicht er mit überbordendem Selbstbewusstsein aus – ein echter Kerl eben. Schnell wird klar, dass es allein an Solverson liegt, das mysteriöse Geflecht an Gewalt, Vertuschung und krummen Geschäften zu entwirren.

    Vernunft und langer Atem

    Molly Solverson (Allison Cara Tolman) ist dabei weder abgebrühter Cop noch hochintelligente Analystin, die pflichtbewusste Polizistin macht einfach ihren Job: Unermüdlich folgt sie dem Versicherungsbeamten und vermeintlichen Verbrechensopfer Lester Nygaard und stemmt sich vorsichtig, aber mit Nachdruck gegen den schulterklopfenden Männerbund in ihrer Dienststelle. Mit Solverson hat Macher Hawley der Fernsehwelt eine im besten Sinne durchschnittliche Heldin geschenkt. Während Serienhits wie "Homeland", "The Killing" oder "Die Brücke" mit starken, aber stets verhaltensauffälligen und vom Schicksal gebeutelten Kriminalistinnen aufwarten, darf Molly Solverson erfrischend unaufgeregt agieren.

    foto: ap/chris large

    Molly liebt ihre Arbeit, trinkt nach Dienstschluss gerne eine Tasse Kaffee mit ihrem Vater – einst selbst Cop in Bemidji – und glänzt mit Geduld und Feingefühl. Auch wenn das nach Langeweile riecht: Der Faszination für ihre Figur tut das keinen Abbruch. Selbst neben unverschämt attraktiven Bösewichten wie Billy Bob Thornton als Auftragskiller Lorne Malvo geht Solverson nicht im Gewirr der schrägen "Fargo"-Charaktere unter. Und weil Hollywood glücklicherweise nicht den Logiken der echten (Arbeits-)welt folgen muss, wird die Gesetzeshüterin schlussendlich für ihren Einsatz belohnt. Eine Polizeichefin kann dem eisigen Bemidji nur guttun. (Brigitte Theißl, 30.10.2018)

    Info

    Die Reihe "Idealbesetzung" stellt neue, alte oder zeitlose Figuren aus der Popkultur vor, die unkonventionell, emanzipatorische Role-Models oder aus anderen Gründen besonderer Beachtung wert sind.

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    • Durchschnittlich? Vielleicht, aber deshalb noch lange nicht langweilig: Allison Cara Tolman als Molly Solverson.
      foto: ap/chris large

      Durchschnittlich? Vielleicht, aber deshalb noch lange nicht langweilig: Allison Cara Tolman als Molly Solverson.

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