Sonnleitner hebt Rapid mit Doppelpack aus dem Schatten

28. Oktober 2018, 16:25
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Der Verteidiger trifft gegen die Admira doppelt und sichert nach den schwierigen Wochen den 2:0-Sieg

Wien – Vor Spielen von Rapid stellen sich seit Monaten wiederkehrende Fragen. Eine kleine Auswahl muss sein, nach dem 0:3 in Hartberg und dem 0:5 in der Europa League bei Villarreal sind sie brennender als heiß. Gelingt die Rückkehr aus dem fußballerischen Jenseits ins Diesseits? Wie schreibt man Befreiungsschlag? Zerfällt die Mannschaft nach dem ersten Gegentor oder davor? Scheitert man daran, die taktischen Vorgaben des Trainers auch nur am Rande umzusetzen? Können sie nicht? Wollen sie nicht? Wie reagieren die Fans? Wer hinterfragt sich diesmal (der Platzwart fehlt noch)? Sollten die Spieler miteinander saufen gehen, um klar im Kopf zu werden? Geht nicht, der Terminplan ist zu dicht, zu nüchtern sind die Aufgaben.

Präsident Michael Krammer, der die Sinnlosigkeit der Schönrederei erkannt hat, nahm vor der Partie gegen die Admira die Kicker in die Pflicht: "Manche glauben, dass sie besser sind, als sie wirklich sind." Er stellte sich demonstrativ hinter oder vor Sportgeschäftsführer Fredy Bickel und Trainer Dietmar Kühbauer. Speziell Kühbauer sitzt fest im Sattel, er ist seit 2016 der fünfte Coach in Hütteldorf. Rapid kann also gar kein Trainerproblem haben. Kühbauer nahm im Vergleich zur Villarreal-Pein fünf Änderungen vor. Obwohl er "kein Populist" ist. Deni Alar, Mert Müldür, Mateao Barac und Dejan Ljubicic mussten raus, Veton Berisha fehlte verletzt. Admira ist das Schlusslicht, das reicht momentan, um im Allianz Stadion Schrecken zu verbreiten.

Sonnleitner sticht

Wobei Coach Ernst Baumeister eine Befürchtung äußerte: "Solche Teams können schnell wieder einen Lauf bekommen." Lauf mag eine Übertreibung sein, aber Rapid erzeugte vor 14.600 positiv gestimmten Zuschauern von Beginn an Druck. Die biederen Gäste wurden eingeschnürt, Boli Bolingoli wirbelte über die linke Seite, die Gefahr, in der Defensive zu patzen, bestand diesmal nicht. Das Tor hing in der Luft, um in der 31. Minute runterzufallen: Eckball Christoph Knasmüllner, Andrija Pavlovic verlängert, Innenverteidiger Mario Sonnleitner trifft aus kurzer Distanz zum 1:0.

Nach der Pause änderte sich an der Charakteristik wenig. 62. Minute: Der 32-jährige Sonnleitner wiederholt sich selbst, macht im Fallen das 2:0. Rapid hatte letztendlich 63 Prozent Ballbesitz, das Schussverhältnis lautete 21:3 Kapitän Stefan Schwab sagte: "Ein wichtiger Schritt, das tut gut."Natürlich sind die Fragen nicht beantwortet, aber der Schmerz ist vorerst gelindert. Sie wollen ja eh, sind Siebenter. Am Mittwoch steigt in Wolfsberg das Cup-Achtelfinale, am Sonntag ist Rapid in Altach zu Gast. (Christian Hackl, 28.10.2018)

Fußball-Bundesliga – 12. Runde:

SK Rapid Wien – FC Admira 2:0 (1:0).
Wien, Allianz Stadion, 14.600 (richtig), SR Harkam.

Tore: 1:0 (31.) Sonnleitner

2:0 (62.) Sonnleitner

Rapid: Strebinger – Potzmann, Sonnleitner, Dibon, Bolingoli – Martic, Schwab (72. D. Ljubicic) – Murg, Knasmüllner, Ivan (89. Guillemenot) – Pavlovic (77. Alar)

Admira: Leitner – Zwierschitz, Thoelke, Bauer, L. Malicsek – Vorsager, Toth (79. Kalajdzic), Hjulmand – Sahanek (48. Soiri), Jakolis – Paintsil (68. Bakis)

Gelbe Karten: Paintsil, L. Malicsek, Soiri

Stimmen:

Dietmar Kühbauer (Rapid-Trainer): "Es war alles in allem ein gutes Spiel meiner Mannschaft. In der ersten Hälfte waren wir sehr aggressiv. Der letzte Ball ist oft nicht gut genug gespielt worden, sonst hätten wir auch höher gewinnen können, trotzdem bin ich mit der Leistung zufrieden. Der Sieg war enorm wichtig. Wenn wir unentschieden gespielt oder verloren hätten, hätten wir ab morgen unter dem Rasen trainieren müssen. Die Spieler haben gezeigt, dass sie unbedingt gewinnen wollten. Wir haben jetzt eine etwas bessere Position. Sonnleitner ist ein cleverer und williger Spieler."

Ernst Baumeister (Admira-Trainer): "Es war ein verdienter Sieg von Rapid, sie waren über 90 Minuten die klar bessere Mannschaft. Bitter ist, dass wir die Tore durch Standardsituationen bekommen haben. Aus dem Spiel heraus haben wir nicht allzu viel zugelassen. Nach vorne haben wir keine Entlastung geschafft. Die einzige tausendprozentige Chance haben wir nicht verwertet. Man kann den Clubs, die im Moment Probleme haben, nur empfehlen, gegen die Admira zu spielen, weil wir ein dankbarer Gegner sind. Aber im Vergleich zur jüngeren Vergangenheit sind wir auf einem besseren Weg und agieren in der Defensive konstanter. An der Offensive müssen wir arbeiten."

Mario Sonnleitner (Rapid-Doppeltorschütze): "Wir sind vor dem Spiel vor einer schwierigen Situation gestanden, ein Sieg war Pflicht. Den haben wir dann auch trocken runtergespielt. Bis auf einen Konter vor der Pause haben wir nichts zugelassen. Der Trainer hat das mit uns sehr gut gemacht, er hat der Mannschaft Druck genommen. Dass ich die Tore gemacht habe, freut mich in erster Linie für die Mannschaft und für mich natürlich auch. Ich werde heute gut einschlafen. Bei Cornersituationen spekuliere ich immer auf die zweite Stange."

  • Sonnleitner ist Rapids Goalgetter.
    foto: apa/georg hochmuth

    Sonnleitner ist Rapids Goalgetter.

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