Dann funktioniert Demokratie nicht

    Kommentar der anderen28. Oktober 2018, 17:09
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    Barack Obama rechnet im Wahlkampf mit seinem Nachfolger ab

    Ungewöhnlich scharf hat der ehemalige US-Präsident Barack Obama seinen Nachfolger Donald Trump kritisiert. Bei einem Wahlkampfauftritt in Milwaukee, Wisconsin, warf er ihm und den Republikanern unter anderem vor, schamlos zu lügen:

    Einfach Dinge erfinden

    "In der gesamten Geschichte der Menschheit, jedenfalls in der ganzen Geschichte der USA, haben Politiker übertrieben, Versprechen gemacht, die sie vielleicht versuchten zu erfüllen. Aber dann stellte sich heraus, dass es schwieriger ist als gedacht. Sie spielten die Dinge hoch, die sie gut gemacht haben, und jene herunter, die nicht so gut geklappt haben. Sie versuchten, den Dingen einen positiven Spin zu geben. Und übrigens, bevor ihr zu hart zu den Politikern seid: Wir alle tun das. Manchmal sage ich zu Michelle: 'Schatz, hast du gesehen? Ich habe den ganzen Abwasch gemacht!' Und dann sagt sie: 'Ja, aber das war das erste Mal in der ganzen Woche!' (...) Wir machen das alle bis zu einem gewissen Grad. Das liegt in der menschlichen Natur. Aber was wir noch nicht gesehen haben, zumindest in unserem jüngsten öffentlichen Leben, sind Politiker, die so unverfroren, wiederholt, unverblümt, schamlos lügen. Einfach Dinge erfinden. Die oben unten nennen, schwarz weiß, das ist das, was die Regierung mit diesen Werbespots macht, sie erfinden einfach Dinge. Was ihr seht, ist nicht wahr. Und übrigens, das tun Republikaner im Kongress im ganzen Land. (…) Der Präsident sagte, dass er eine Mittelstandssteuersenkung vor der nächsten Wahl verabschiedet hat. Der Kongress tagt nicht einmal! Er denkt es sich einfach aus! (...)

    milwaukee journal sentinel

    Vor Wahlen Angst machen

    Sie versuchen auch, die Leute vor jeder Wahl zu erschrecken. Es ist immer ein bisschen etwas anderes. Und dann kommt plötzlich die Wahl, und das Problem, weswegen sie euch Angst gemacht haben, ist wie durch Magie verschwunden. Man hört nie wieder davon. (...)

    Jetzt versuchen sie, alle davon zu überzeugen, Angst vor einem Haufen verarmter, unterernährter Flüchtlinge in tausend Meilen Entfernung zu haben. Das ist die Sache, die das Wichtigste bei dieser Wahl ist. Nicht das Gesundheitswesen, ob Leute in Rente gehen können oder nicht, oder etwas für höhere Löhne zu tun, unsere Straßen und Brücken wieder aufzubauen, Menschen in Arbeit zu bringen. Plötzlich ist es diese Gruppe von Menschen, von denen wir gar nicht wissen, wo sie sind. Das ist die größte Sache! Und ihr wisst, sobald die Wahl vorbei ist, fragen sich wieder alle: 'Was ist passiert? Es gab doch eine Invasion! Wo ist die hin?' (...) Und zu oft funktioniert das. Damit müssen wir wirklich aufhören. (...) Wenn Worte aufhören, etwas zu bedeuten, wenn Leute einfach irgendetwas erfinden können, dann funktioniert Demokratie nicht. Die Gesellschaft kann nicht funktionieren. Wenn du etwas sagen kannst und es keine Konsequenzen gibt, wenn sich herausstellt, dass das, was du sagst, nicht wahr ist, wie sollen wir dann Rechenschaft ablegen? Und offen gesagt, das Problem ist, dass wir uns daran gewöhnt haben. Wir erwarten, dass Leute sich einfach etwas ausdenken." (28.10.2018)

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