US-Wahlkampf mit antisemitischem Subtext

    28. Oktober 2018, 16:20
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    Der rechtsextreme Attentäter nahm vor dem Terroranschlag auf die Synagoge online auf die "Migrantenkarawane" Bezug

    Washington/Wien – Robert Bowers, jener rechtsextreme Antisemit, der nach allem Dafürhalten am Samstag den Terroranschlag auf die Pittsburgher Tree-of-Life-Synagoge verübt hat, war von US-Präsident Donald Trump enttäuscht: Dieser sei trotz seiner zahlreichen Beteuerungen bei jüngsten Wahlveranstaltungen kein echter Nationalist, sondern ein "Globalist", schrieb er via Social Media wenige Tage vor dem Anschlag, Trump spreche, aber handle nicht.

    Und doch: Was man bisher über Bowers' Aussagen weiß, legt nahe, dass er ebenso wie der Paketbomben-Verdächtige von Florida, Cesar Sayoc, vieles wörtlich genommen hat, mit dem Trump und die Republikaner in den vergangenen Wochen Wahlkampf betrieben haben. Besonders scheint ihn zuletzt die "Migrantenkarawane" beeinflusst zu haben, jene rund 4000 großteils honduranischen Migranten, die sich derzeit im Süden Mexikos befinden und in die USA wollen. Zwei Stunden vor dem Anschlag warf er der jüdischen Migrationsgruppe HIAS vor, "Invasoren" in die USA zu bringen. Aber: "Es reicht, ich greife ein."

    foto: ap

    Trump selbst hatte die Karawane in den letzten Wochen zu einem Hauptmotiv seines Midterm-Wahlkampfes gemacht. Er hatte Militär an die Grenze geschickt und ohne Beweise angedeutet, es könnten sich unter den Migranten "Unbekannte aus dem Nahen Osten" befinden. Alle würden für ihre Reise bezahlt. Damit nahm er Anschluss an Theorien von Fans, der Milliardär George Soros habe Migranten bezahlt, um die USA zu überfluten. Diese und ähnliche indizienlose Ideen waren – ebenso wie Trumps Verweise auf "Globalisten" – schon lange als antisemitisches "dogwhistling" kritisiert worden: als Außenstehenden unklare Botschaften, die auf jene zielen, die wissen, was gemeint ist.

    "Nicht mein Anhänger"

    Zu ihnen zählte der Briefbomber Sayoc, der seine explosiven Päckchen vor allem an Trump-Gegner schickte, die der Präsident gern in Reden ins Visier nimmt: die Clintons, die Obamas, aber auch die eher unbekannte Abgeordnete Maxine Waters. Sayoc fuhr seit Monaten einen Van, der mit Trump-Werbepickerln beklebt war – was den Präsidenten am Samstag nicht hinderte zu sagen, Sayoc sei "nicht mein Anhänger".

    Solche Aussagen hat Ex-Präsident Barack Obama wohl gemeint, als er am Freitag in einer Rede in Milwaukee Republikaner und Trump der Lügen bezichtigte: "Sie nennen oben unten, schwarz weiß, oder sie erfinden einfach Dinge." (Manuel Escher, 29.10.2018)

    • Der Briefbomber von Florida, Cesar Sayoc, fuhr einen üppig mit Trump-Werbematerial beklebten Van.
      foto: reuters

      Der Briefbomber von Florida, Cesar Sayoc, fuhr einen üppig mit Trump-Werbematerial beklebten Van.

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