Patriotisches aus der Schneekugel

27. Oktober 2018, 12:00
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"Die Presse" salbt zum Nationalfeiertag, Frank Stronach bangt in der "Krone" um sein Erbe. Was tun? "Heute" hat die Antwort: "Furzen und Rülpsen halten sie gesund"

Der Nationalfeiertag war noch nicht ausgebrochen, da übten sich schon einige Medien in vorauseilender Einstimmung auf die nationale Lage. "der STANDARD" servierte, in unpatriotischer Verunreinigung des türkis-blau bebrüteten Nestes, eine Doppelseite Österreichs Image im rechten Licht, auf der er aus gegebenem Anlass Meinungen des Auslandes zur Arbeit heimischer Brückenbauer einholte. Das konnte die Feierstimmung nicht heben. Diese zu retten trat der Chefredakteur der "Presse" auf den Plan, der auf Seite eins ein Rezept für ein gutes Österreich ausstellte, für dessen Einlösung er sein Blatt als Hausapotheke empfahl.

"Die rot-weiß-rot Komfortzone verlassen"

Zum Nationalfeiertag gibt es von allen Seiten gern viel Salbungsvolles zu hören, nahm er den Bundeskanzler vorweg und ging mit gutem Beispiel voran, galt es doch, die von der "Presse" veranstaltete Gala Austria '18 durch die Nähe zum Nationalfeiertag zu adeln, was angesichts der dort Geadelten gar nicht nötig gewesen wäre, wollen die doch die rot-weiß-rote Komfortzone verlassen, neugierig sein und sich dann mit den Besten messen. Nicht alle natürlich. Was sie laut Autor dennoch auszeichnet wäre als Erstes der Blick – nein, nicht über den Tellerrand, weil Österreich kein Teller ist, auch wenn uns die Kulinarik angeblich so nahe ist, sondern aus der Schneekugel, die Österreich viel besser beschreibt: irgendwie heimelig, die Geräusche der Welt hört man drinnen nur gedämpft, und so lässt es sich ziemlich gemütlich in der guten Stube einrichten.

Umso lauter dringen die Geräusche aus der Welt herein. Die Erkenntnis, dass Österreich kein Teller ist, ist den bei der Gala der "Presse" Geehrten ohne Weiteres zuzutrauen. Ob sie der Schneekugel-Metaphorik des Chefredakteurs etwas abgewinnen konnten, ging im patriotischen Getrommel unter. Eine Art kleiner Staatsakt ist der "Presse" da unterlaufen, knapp vor dem Nationalfeiertag. Klar, Gernot Blümel war auch da.

Frank Stronach "bangt um sein Lebenswerk"

Lange bevor Österreich eine Schneekugel, sondern noch der Teller war, über dessen Rand man nach Verlassen der rot-weiß-roten Komfortzone blicken konnte, zog es einen Landsmann hinaus aus der guten Stube, dessen wirtschaftliche Weisheiten ihn der "Kronen Zeitung" zum Retter des Vaterlandes werden ließen. Wollte das Vaterland auch nichts von seinen Weisheiten wissen, hält ihm die "Krone" unverbrüchlich die Treue und einen Platz auf der Titelseite bereit, auf dass der Kummer aufbereitet werde, den ihm nach undankbaren Wählern nun seine Tochter zufügt.

Mit 86 bangt Frank Stronach um sein Lebenswerk, doch jetzt springt Dichand ein. Betroffen erzählt er im Gespräch mit der "Krone", wie es so weit kam. Und wie so oft ist es eine Frage von schlechter Erziehung. Der Umsatz sinke, seitdem Tochter Belinda sie leite. Sie habe "Hunderttausende Dollar für persönliche Ausgaben genommen für Partys, Urlaube mit ihren Kindern, Limousinenfahrten und teure Restaurantbesuche. Nichts davon hatte einen geschäftlichen Anlass.

"Er wirkt sehr betroffen"

Hätte Belinda die Kolumnen in der "Krone" aufmerksam studiert, in denen ihr Vater die Österreicher in Ökonomie belehrte, statt sich Partys und Limousinenfahrten hinzugeben, wäre es niemals so weit gekommen. Jetzt erreichte das Blatt den 86-Jährigen in New York und ist laut seinen Angaben das einzige Medium, mit dem er über die unangenehme Angelegenheit spricht. Er wirkt sehr betroffen. Man würde ihm aber gewaltig unrecht tun, die aktuelle Causa auf das zu verkürzen, was medial davon übrig bleibt. Denn Frank Stronach ist ein Familienmensch. Er war stolz auf seine Tochter Belinda, die er seinerzeit sogar ins Board von Magna hievte. Wie kann man sich nur so irren?

Traditionell zum Nationalfeiertag sind Aufrufe an die Staatsbürger zu körperlicher Betätigung. Aber nur ein Blatt hat sich diesen angeschlossen. Furzen und Rülpsen halten Sie gesund titelte "Heute" am Vorabend, und dazu musste Hademar Bankhofer 77 Jahre alt werden. Gähnen gibt neue Lebenskraft und Furzen schützt vor Herz- sowie Rückenschmerzen. Aber nicht in Gegenwart anderer, sondern allein im stillen Kämmerlein.

"Österreich" feiert türkis-blaue Ehe

Die Nation ist in Erwartung. "Österreich" berichtete: Im Dezember wollen der türkise Kanzler und sein blauer Vizekanzler ein Jahr VP-FP-Koalition gemeinsam feiern. Endlich! Die türkis-blaue Ehe soll in der Vorweihnachtszeit erneut als Dauer-Honeymoon inszeniert werden. Die genaue Location und der Rahmen sind noch geheim. Es wird schon kein stilles Kämmerlein werden. (Günter Traxler, 27.10.2018)

  • Furzen und Rülpsen sind gesund, wusste"Heute" zu berichten. Gesagt, getan.
    foto: imago/mcphoto

    Furzen und Rülpsen sind gesund, wusste"Heute" zu berichten. Gesagt, getan.

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