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30. Oktober 2018, 12:22

"Architekten, Bildhauer, Maler, wir alle müssen zum Handwerk zurück! Der Künstler ist eine Steigerung des Handwerkers." Diese Worte stammen von Walter Gropius, er verewigte sie im "Bauhaus-Manifest". Was der Architekt und Vater des Bauhauses vor 100 Jahren benannte, war revolutionär. Und ist heute aktueller denn je. Im 21. Jahrhundert suchen Kreative Wege ihre Arbeit von der Schnelllebigkeit und Überstimulation der Jetztzeit zu befreien – "back to basics" ist das Motto, in Form, Produktion und Planung. 2019 feiert Thüringen Geschichte und Moderne zugleich und gibt dem Bauhaus den Raum den es benötigt, um sich auch in Zukunft weiter entwickeln zu können.

Trendiges Bauhaus

Aber was bedeutet Bauhaus eigentlich? Klar ist: Was 1919 mit Walter Gropius in Weimar als Hochschule für Gestaltung entstand und gerade einmal 14 Jahre lang bestand, hat moderne Architektur und das Ästhetikverständnis in Kunst und Design weltweit und grundlegend geprägt. Mut, Experimente mit neuen Materialien, einfache, klare Formen – all das war neu und interessant. Plötzlich baute man würfelförmig. Geometrische Häuser mit Flachdach entstanden, die Elemente Glas und Stahlbeton wurden prominent integriert. Ebenso änderte sich das Interiordesign: Lampen aus Chrom und Aluminium waren nun gefragt, man setzte auf Metall statt auf Holz.

foto: andreas weise / thüringer tourismus gmbh
Schon gewusst? Einige der größten Künstler und Designer des 20. Jahrhunderts studierten oder lehrten am Bauhaus. Darunter Wassily Kandinsky, Paul Klee, Marcel Breuer oder Marianne Brandt.
foto: samuel zuder / cmr
Haus Am Horn: Das erste Musterhaus in Weimar wird 2019 wiedereröffnet.

Heute lebt Bauhaus immer noch als Stilmittel der Architektur. Aber auch in der Reduktion skandinavischer Designs oder im Minimalismus der Mode auf den Laufstegen der Welt. Die Formensprache jener Bauhausbauten, die in der Vergangenheit oft als "kalt" oder "karg" bezeichnet wurden erlebt auch darin eine Renaissance. Es steht also fest, dass die Schule als solche zwar tot, Bauhaus aber eine gegenwärtige Philosophie ist. Eine Haltung, die in den Köpfen von Architekten, Studenten, Künstlern und Kreativen von heute mehr als präsent ist.

Thüringen bietet eine inspirierende Entdeckungsreise in die wechselvolle Geschichte des Bauhauses. Hier trifft man aber nicht nur auf die Überlieferungen der internationalen Kunstavantgarde von damals, sondern auch auf inspirierende Gestalter von heute und morgen.

Das neue bauhaus museum weimar

In manifestierter Form ist Bauhaus ab dem 6. April 2019 dann auch in den Räumen eines neuen Museums erlebbar, das gerade in Weimar entsteht. Ganz im Bauhaus-Spirit – minimalistisch und klar – ist das bauhaus museum weimar als geometrischer Kubus konzipiert, der auf einem Betonsockel ruht. Im Inneren verbergen sich fünf Ebenen, die auf einer 2250 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche die gesamte Sammlung der Klassik Stiftung Weimar präsentieren.

klassik stiftung weimar

Bauhaus-Universität in Weimar

Studenten der Bauhaus-Universität führen Neugierige auf den so genannten "Bauhaus-Spaziergängen" zu Orten, die für die Entwicklung der Schule wesentlich waren. Die angehenden Architekten, Bauingenieure und Künstler vermitteln die Schlüsselgedanken der Schule und führen die gesamte Tour als interaktive Reise. Zur Auswahl stehen zwei unterschiedlich lange Routen: Der Kleine Spaziergang führt durch das von Henry van de Velde entworfene Hauptgebäude der Universität. Man wandelt durch dieselben Gänge, wie einst die Bauhäusler. Durchs Vestibül, das geschwungene Treppenhaus hinab und zum Gropius-Zimmer. Ein Blick in die Ateliers der Studenten zeigt den gelebten Uni-Alltag. Auf dem längeren Großen Spaziergang führen die Guides außerdem zum Tempelherrenhaus im Ilmpark, das früher als Atelier und als Parkett für die legendären Bauhaus-Feste verwendet wurde. Ab 18. Mai 2019 ist auch wieder ein Abstecher ins "Muster-Wohnhaus" des Bauhaus, dem Haus Am Horn möglich, das im Zuge des Jubiläums gerade renoviert wird.

thüringer tourismus gmbh

Kreativ-Hub im Eiermannbau in Apolda

Die Reise beginnt in Apolda. Hier, im Zentrum Thüringens, steht ein Paradebeispiel für Industriebaukultur: Der Eiermannbau. 1906 errichtet und 1938 von Architekt Egon Eiermann umgestaltet, war das Gelände ursprünglich Standort des Feuerlöscherwerks der "Total AG Foerstner & Co". Bis zu seiner Stilllegung Mitte der 1990er Jahre wurden hier Löschanlagen und -geräte erzeugt. Danach war das Nutzungskonzept des rot-weißen Fabrikshauses, das seit 1992 unter Denkmalschutz steht, lange Zeit unklar. Seit 2016 ist der Eiermannbau Teil der Internationalen Bauausstellung Thüringen, kurz IBA. Sie hat nicht nur ihre Geschäftsstelle in die alten Fabrikshallen verlegt, hier entwickelt sich gerade ein Ort für junges Handwerk und Produktion. In die Räume der "Open Factory" mieten sich Künstler und junge Creatives ein. Sie können sich untereinander austauschen und gemeinsam oder solo in den Werkstätten und Ateliers kreativ sein. Zum 100-jährigen Bauhausjubiläum wird im Eiermannbau eine zentrale IBA Ausstellung zu sehen sein.

iba thüringen

Eine Nacht im Kulturdenkmal

foto: foto: dieter nagel, bildeigner: haus des volkes gmbh & co kg
Der Café-Pavillon im einzigen Bauhaus-Hotel der Welt in Thüringen.

Es ist das größte Bauhausdenkmal-Ensemble in ganz Thüringen und das einzige Bauhaus-Hotel der Welt: Das "Haus des Volkes" in Probstzella. 1925 vom Architekten Alfred Arndt erbaut, zählt es zu den wenigen tatsächlich realisierten Bauhausprojekten in ganz Thüringen. Zur Zeit seiner Errichtung waren Hannes Meyers und Mies van der Rohe Direktoren des Dessauer Bauhaus. Schon damals wurde der Bau als stilvolle Unterkunft und kulturelles Zentrum gedacht – die Gestaltung des Interieurs übernahmen die Künstler des Bauhauses Dessau. Massive Treppen, die Fußböden, die Türen, alles ist auch heute noch so, wie vor 100 Jahren. Wie damals wohnt man in schlicht eingerichteten Zimmern, im Restaurant "Blauer Saal" – umgeben von hellblauen Wänden und kantigen Formen – speist man mit den anderen Gästen gut bürgerliche Thüringer Küche und verliert schnell das Zeitgefühl.

Leben im Haus Auerbach

foto: frank müller; bildeigner: jenakultur
Das Haus Auerbach in Jena ist das erste Wohnhaus, das Walter Gropius nach dem "Baukasten-Prinzip" entwarf.

Nicht ganz so groß wie das Haus des Volkes aber mindestens genauso interessant: das Haus Auerbach in Jena. Das erste Wohnhaus, das Walter Gropius nach dem "Baukasten-Prinzip" entwarf und im Jahre 1924 gemeinsam mit dem Architekten Adolf Meyer errichtete, ist eine weiße Villa und eines der wichtigsten Zeugnisse des Neuen Bauens in Deutschland. Das Haus liegt in leichter Hanglage, durch die Neigung und die besonderen mineralischen Glimmer-Elemente, die in den Putz der Fassade eingearbeitet wurden, glitzert das Gebäude sobald die Sonne darauf scheint. Seit 1995 bewohnen der Zoologie-Professor Martin Fischer und seine Frau, die freiberufliche Kunsthistorikerin Dr. Barbara Happe das Haus Auerbach. Sie wissen das Gebäude-Juwel zu schätzen und leben auch im Inneren ganz im Stil des Bauhaus. Kunst- und Architekturinteressierte sind bei ihnen – allerdings nur mit Voranmeldung – immer willkommen.

Bauhaus Werkstatt-Museum Dornburg

Es ist schon interessant, dass sich die einzige Werkstatt des Staatlichen Bauhauses außerhalb von Weimar befand. Max Krehan hieß der Töpfermeister, der es Walter Gropius mit seiner Keramischen Werkstatt in Dornburg angetan hat. Es waren die klaren, schlichten Formen, die auf der Scheibe gedrehten Waren und das Zweckhafte, das die Keramiken auszeichnete und was den Architekten faszinierte. Er zögerte nicht: Ab 1920 sollten seinen Studenten hier, in dem ehemaligen Marstall, die gesamte traditionelle Grundausbildung gelehrt werden, geleitet vom Bildhauer Gerhard Marcks. Man analysierte Formenprobleme, tauschte sich über Dekor und Proportionen aus. Man experimentierte an neuen Arten mit Keramik umzugehen, entwarf Prototypen.

mrtomitube
Schon gewusst? Gropius sah keinen wesentlichen Unterschied zwischen dem Künstler und dem Handwerker. Der Name Bauhaus ist eine Anlehnung an die mittelalterlichen "Bauhütten" der Kathedralen in denen Künstler und Handwerker neben- und miteinander arbeiteten.
foto: fotostudio bartsch, karen bartsch, bildeigner: bauhaus-archiv
Schon gewusst? Auch Steve Jobs ließ sich von der Bauhaus-Philosophie "form follows function" inspirieren. "Design ist nicht einfach das, wonach es aussieht oder sich anfühlt. Design ist wie es funktioniert", so der Apple-Gründer.

1925, als das Bauhaus aus Thüringen vertrieben wurde und nach Dessau wanderte, wurde auch die Werkstatt eingestellt. 1930 pachtete Otto Lindig, einer der wichtigsten Keramiker des Bauhauses, die Räumlichkeiten. 1949 übernahm die Familie Körting, deren Sohn Ulrich heute noch als Töpfermeister in der Werkstatt arbeitet. Ihm sei Dank, entsteht hier heute immer noch Handwerkskunst. Das Setting hat sich seit 1920 kaum verändert. Große Teile der Ausstattung aus den verschiedenen Nutzungsperioden sind bis heute im Einsatz. Zum Bauhaus-Jubiläum eröffnet am 21. April 2019 das Bauhaus Werkstatt-Museum und bietet ein besonders authentisches Bauhaus-Erlebnis am Originalschauplatz. Zu sehen sind dann nicht nur seltene Stücke von Krehan und Bogler sowie Lindigs sogenannte Grand-Prix-Vase, die auf der Weltausstellung 1937 in Paris ausgezeichnet wurde. Anhand von originalem Inventar werden auch die Werkstatt-Atmosphäre und der Experimentiergeist von einst wieder lebendig.