Neue Studierende der Central European University ab 2019 in Wien

    25. Oktober 2018, 14:42
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    Die ungarische Regierung verweigerte offenbar die Unterzeichnung eines notwendigen Abkommens. Sie könnte es sich noch bis 1. Dezember anders überlegen. Schon eingeschriebene Studenten sollen in Budapest bleiben

    Die in Budapest beheimatete Central European University (CEU) gab bekannt, dass alle neuen Studenten der US-akkreditierten Master- und Doktoratsstudiengänge ab dem Studienjahr 2019/20 an einem Campus in Wien studieren werden. Die Universität bietet keine Bachelor-Studiengänge an. Bereits in Budapest eingeschriebene Studenten sollen in der ungarischen Hauptstadt bleiben und dort ihre Studien beenden, heißt es in einer Presseerklärung der Uni, die dem STANDARD vorliegt.

    Bereits vor einigen Monaten haben die Stadt Wien und die CEU die Vereinbarung getroffen, dass diese in Wien einen Standort eröffnen soll. Dieser soll sich ab 2022/23 auf dem Areal des Otto-Wagner-Spitals befinden – das Gebäude soll öffentlich zugänglich bleiben. Wo die Uni davor ihr Zelt in Wien aufschlagen wird sei noch unklar, sagte eine Sprecherin der Wirtschaftsagentur Wien, die die Ansiedelung der CEU in der Bundeshauptstadt koordiniert, zum STANDARD.

    Dritter Standort

    Wien wird damit – neben Budapest und New York – zum dritten Standort der CEU werden. Nun sieht es so aus, als ob Wien sich auf längere Sicht zum Hauptstandort der CEU entwickeln könnte. Wo Belegschaft und Lehrkörper residieren sollen, blieb vorerst noch unklar. Das werde noch "in der CEU-Gemeinschaft" entschieden, hieß es. "Wir freuen uns darauf, Studenten aus über 90 Ländern die Möglichkeit zu bieten, in einer weiteren großartigen Stadt Zentraleuropas zu studieren", sagte Leon Botstein, Vorsitzender des CEU-Vorstands.

    CEU-Rektor Michael Ignatieff teilte Studenten und Mitarbeitern mit, dass die ungarische Regierung vor drei Wochen signalisierte habe, der CEU einen Verbleib in Budapest unmöglich zu machen. Sie werde sich weigern, eine entsprechende Vereinbarung mit dem Bundesstaat New York zu unterzeichnen, die für den Fortbestand der CEU elementar wäre. Man sei von der ungarischen Regierung "gezwungen worden, diese Entscheidung zu treffen", sagte Ignatieff. Sollte die ungarische Regierung sich doch noch umentscheiden, hätte sie noch etwa einen Monat Zeit. Die Entscheidung, neue Studenten für die US-akkreditierten Programme in Wien aufzunehmen, wird vom Vorstand der CEU per 1. Dezember autorisiert.

    "Lex CEU"

    Die Problematik baut darauf auf, dass der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán im März 2017 ein Gesetz veranlasst hat, das internationalen, in Ungarn ansässigen Universitäten vorschreibt, einen Lehrbetrieb in ihrem Heimatland zu unterhalten. Nur eine Hochschule im Land erfüllt diese Bedingung nicht: die vom US-Milliardär George Soros finanzierte CEU. Das Gesetz wurde als "Lex CEU" bekannt. Zwar erfüllte die CEU die Bedingungen bis zum Frühjahr 2018, dennoch hat die Regierung auch seitdem das entsprechende Abkommen nicht unterschrieben.

    Die CEU fühle sich nach wie vor der Stadt Budapest verbunden und werde weiterhin das intellektuelle und kulturelle Leben der Stadt verbessern, so Ignatieff weiter. Man werde versuchen, einen größtmöglichen Teil an Forschung und Lehre in Budapest zu halten. Die Universität bietet auch Studien an, die in Ungarn akkreditiert sind.

    Die CEU steht seit geraumer Zeit unter Druck der ungarischen Regierung. Soros ist einer der Hauptfeinde der ungarischen Regierung, über Monate hinweg wurden in Ungarn etwa diffamierende Plakate mit einem Soros-Motiv affichiert. (van, 25.10.2108)

    • Die Central European University an ihrem Standort in Budapest.
      foto: reuters/bernadett szabo

      Die Central European University an ihrem Standort in Budapest.

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