Zwölfstundentag: Steigt der Druck auf Sie als Arbeitnehmer?

    User-Diskussion mit Video5. November 2018, 07:53
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    Ist der Zwölfstundentag in Ihrem Unternehmen Realität? Und wie hoch ist der Druck auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer? Berichten Sie aus Ihrem Berufsalltag!

    Die Ausdehnung der Arbeitszeit auf zwölf Stunden ist seit 1. September leichter möglich. Seither fallen manche Anforderungen, um die maximale Arbeitszeit auf zwölf Stunden ausdehnen zu können, weg. So musste davor in Betrieben mit Betriebsrat eine Vereinbarung geschlossen werden. Nun kann zwar eine Vereinbarung abgeschlossen werden, ein Zwang besteht aber nicht. Auch in Unternehmen ohne Betriebsrat waren Zwölfstundentage möglich, allerdings musste das ein Arbeitsmediziner absegnen. Auch diese Regelung ist gefallen.

    Freiwilligkeit nur zum Schein?

    Am hitzigsten wurde diskutiert, wann Arbeitnehmer die elfte und zwölfte Arbeitsstunde ablehnen können. In dem von ÖVP und FPÖ ursprünglich im Nationalrat eingebrachten Gesetzesantrag war ein Ablehnungsrecht gar nicht vorgesehen. Nach heftiger Kritik wurde das geändert. Arbeitnehmer sollen nach der zehnten Arbeitsstunde weitere Überstunden "ohne Angabe von Gründen" ablehnen dürfen. Doch wie weit ist das in der Realität möglich? Treffen die schlimmsten Befürchtungen zu, dass auf Arbeitnehmer damit zum Teil Druck ausgeübt wird und die Freiwilligkeit nichts als schöner Schein ist?

    Eine Hilfsköchin eines Wiener Restaurants wurde gekündigt, weil sie es ablehnte, regelmäßig zwölf Stunden zu arbeiten. Laut "Krone" habe der Geschäftsführer die Mitarbeiterin so lange unter Druck gesetzt, bis sie eine einvernehmliche Auflösung des Arbeitsverhältnisses unterschrieben hat. Daher fordert die Arbeiterkammer die Regierung auf, Änderungen im Arbeitszeitgesetz und Ergänzungen beim Kündigungsschutz vorzunehmen, um die Freiwilligkeit gesetzlich abzusichern.

    der standard
    DER STANDARD hörte sich im September bei Bauarbeitern um, was sie vom Zwölfstundentag halten

    Erfahrungsberichte aus der STANDARD-Community

    Gerade in der Gastronomie sind lange Arbeitstage und kaum Pausen Alltag, so Poster "Tyson9.11.2017":

    User "zu kreativ, um kreativ zu sein" hat in seiner Studienzeit gekellnert. Für ihn hatte der Job ein Ablaufdatum und war aus diesem Grund zu ertragen:

    Bei der Polizei gab es bereits vor der neuen Arbeitszeitregelung den Zwölfstundentag – jetzt kommen möglicherweise noch weniger Ruhetage und mehr Zwölfstundentage hinzu, wie User "glühender Europäer" befürchtet:

    Gegen ihren Willen werden Verkäuferinnen den ganzen Tag eingeteilt, berichtet Poster "verleihnixx":

    Lange Arbeitstage gehören in der Firma von User "Edi Didger" zwar dazu – nur jetzt fallen weniger Überstunden an:

    Nicht jedes Unternehmen und nicht jeder Arbeitgeber wird den Zwölfstundentag umsetzen. Für Poster "0815 Typ" ist er nicht zielführend, nicht notwendig und auch vermeidbar durch Planung:

    Für den Arbeitgeber "Immanuel Cunt" ist der Zwölfstundentag ein Irrsinn:

    Wie ist die Situation in Ihrer Firma?

    Kommt es vermehrt zu Zwölfstundentagen, seit das Gesetz in Kraft ist? Wie wird mit dem Ablehnungsrecht umgegangen? Was bedeutet das neue Arbeitszeitgesetzt für Sie als Arbeitnehmer und als Arbeitgeber in der Realität? (haju, 5.11.2018)

    • Was heißt es, zwölf Stunden zu arbeiten?
      foto: robert newald

      Was heißt es, zwölf Stunden zu arbeiten?

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