Wieso das Zahnspangenlächeln wieder cool ist

    Kolumne2. November 2018, 07:00
    118 Postings

    Seit einiger Zeit darf mit Brackets und Drähten im Mund wieder gelacht werden

    In dieser Woche soll es um das lästige Drahtgestell im Mund gehen. Für alle, die sich nicht so recht erinnern wollen: Die Zahnspange war irgendwann einmal ein so teures wie hässliches Drahtmonster. Wer Zahnspange trug, fing sich nicht nur Essensreste ein, sondern wurde auch als Drahtbeißer ausgelacht.

    Aber nicht nur das. Wer das ungeliebte Konstrukt aus Brackets und Drähten einmal auf den Zähnen sitzen hatte, hatte auf dem Schulhof nur noch halb so viel Spaß. Lauthals lachen? Na ja. Küssen? Nur im Dunklen. Noch unmöglicher: knutschen mit einem Zahnspangenträger. Zu groß die Gefahr, sich zu verknoten. Als das Model Cindy Crawford als Teenager eine Pepsi-Kampagne mit Zahnspange machte, wurde die noch als lästiges Problem dargestellt.

    Mittlerweile hat sich der Wind gedreht. Seitdem selbst Erwachsene eine tragen (und alle irgendwie Teenager bleiben wollen), hat das jugendliche Image der Spange einen Aufschwung erlebt. Den Mund voller Draht zu haben gilt als cool. Zahnspangen sind so was wie das pubertäre Pendant zu den goldigen Grillz der Hip-Hop-Kultur. Dieser Stimmungsumschwung ist nicht nur den hippen Gestellen zu verdanken, sondern auch dem Zeitgeist. Die Silberdrähte, die einiges mehr als eine Prada-Handtasche kosten, sind längst Statussymbol, das es zu zeigen gilt.

    foto: luca fuchs/ wendy & jim
    Das Label Wendy & Jim setzt in seinen Bildern für das kommende Frühjahr auf ... Zahnspangenlächeln!

    Kaum ein britisches Szenemagazin ist in den letzten Jahren drum herumgekommen, Models mit Zahnspange abzubilden, Popstars wie Gwen Stefani zeigten schon Ende der 1990er ihre Drähte. Designer Shayne Oliver schickte bei Hood By Air vor zwei Jahren Zahnspangenträger über den Laufsteg, die ehemalige "Vogue"-Chefin Carine Roitfeld bildete ein 17-jähriges Model mit Zahnspange auf ihrem eigenen Magazin ab.

    foto: zalando/ bread and butter
    Zalando hat den Models in seinen Kampagnenbildern (für die Berliner Messe Bread and Butter) Grillz verpasst – die sehen fast wie Zahnspangen aus.

    Wegbereiter dieses neuen Selbstbewusstseins: das japanische Modelabel Comme des Garçons. 1988 veröffentlichte das Unternehmen Bilder von Jim Britt, der 1977 seine beiden Töchter mit Zahnspange fotografiert hatte, als Kampagnenbilder.

    Bilder von Jim Britt für eine Comme-des-Garçons-Kampagne im Herbst 1988

    Passenderweise hat Isabella Burley, Chefredakteurin des britischen Magazins "Dazed and Confused", gerade ein Buch mit den legendären Bildern des Fotografen herausgebracht. Wer sich also noch mit dem "Für und Wider Zahnspange" herumschlägt, dem sollte hiermit Mut gemacht werden: Der Trend wird auch noch im kommenden Jahr anhalten. Das prognostiziert zum Beispiel das österreichische Label Wendy & Jim. Im Lookbook strahlt das Model über beide Ohren und zeigt seine Silberdrähte – genau so wollen wir das sehen! (Anne Feldkamp, 2.11.2018)

    Share if you care.