E-SIM: Der große Umbruch startet mit vielen kleinen Problemen

    31. Oktober 2018, 13:16
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    Der SIM-Karten-Nachfolger funktioniert dank iOS 12.1 jetzt mit aktuellen iPhones. Die wichtigsten Fragen und Antworten

    Mit dem Update auf iOS 12.1 hat Apple am Dienstag die Unterstützung für die sogenannte "Embedded SIM" (E-SIM) aktiviert. Mit T-Mobile Austria befindet sich auch ein österreichische Provider in der illustren Liste jener Anbieter, die die E-SIM vom Start weg unterstützen. Vielen Nutzern ist dabei allerdings längst nicht klar, was ihnen der Umstieg auf diese neue Technologie bringen soll – und was es zu beachten gibt. Im Folgenden einige Antworten auf die zentralen Fragen.

    Frage: Was ist die E-SIM?

    Antwort: Die E-SIM ist ein kleiner Chip, der fix im Smartphone verbaut ist und vom Mobilfunker programmiert werden kann, damit die richtige Telefonnummer mit einem Gerät verbunden ist. Ziel ist es – langfristig –, die klassischen SIM-Karten, die manuell in einen dafür vorgesehenen Slot beim Smartphone eingefügt werden müssen, zu ersetzen.

    Frage: Was sind die Voraussetzungen?

    Antwort: Neben dem Provider-Support muss natürlich auch das eigene Gerät eine E-SIM besitzen. Aktuell sind das vor allem die neuesten iPhones – also iPhone Xs, Xs Max und Xr. Aber auch Googles Pixel 3 sowie die Huawei Watch 2 und die LTE-Ausgabe von Microsofts Surface Pro arbeiten mit dem E-SIM-Support bei T-Mobile Austria zusammen. Zudem will der Mobilfunker noch heuer die aktuelle Galaxy Watch von Samsung in das Angebot aufnehmen. Die Apple Watch wird hingegen vorerst in Österreich nicht unterstützt, und das hat einen durchaus guten Grund: Für diese müssen nämlich noch zusätzliche Anpassungen am Mobilfunknetz vorgenommen werden. Das heißt auch, dass importierte Apple Watches auch weiterhin nicht in Österreich funktionieren. Bei T-Mobile betont man aber, dass man diesen Umstand ändern wolle – einen Zeitrahmen dafür kann man aber nicht nennen.

    Frage: Wie läuft die Aktivierung ab?

    Antwort: Die Einrichtung einer E-SIM können die Nutzer selbsttätig vornehmen. Es reicht dabei, sich auf auf der Webseite von T-Mobile Austria mit dem eigenen Account anzumelden. Im Bereich "Vertrag & Tarif" kann man dann einen QR-Code anfordern. Dieser wird dann über die Netzwerkeinstellungen am Smartphone eingescannt, wodurch die eigentliche Einrichtung der E-SIM am Gerät autorisiert wird. Diese Entscheidung sollte aber wohlüberlegt sein: Immerhin wird damit auch umgehend die bisherige SIM-Karte für ungültig erklärt. Wer wieder weg von der E-SIM will, muss sich dann eine neue SIM-Karte besorgen – was entweder mit einem Gang in einen T-Mobile-Shop oder einer mehrtägigen Wartezeit bei einer postalischen Zusendung verbunden ist.

    screenshots: andreas proschofsky / standard
    Der Ablauf einer E-SIM-Aktivierung auf Googles Pixel 3.

    Frage: Wie wechsle ich dann später auf ein neues Smartphone?

    Antwort: Indem einfach wie bei der ersten Einrichtung eine neue E-SIM heruntergeladen wird. Die alte E-SIM wird dabei automatisch für ungültig erklärt. Wer hingegen ein Zweitgerät einsetzt, das keine E-SIM unterstützt, dem ist aktuell generell von der Nutzung der Embedded SIM abzuraten. Immerhin müsste man dann jedes Mal wieder eine neue SIM-Karte besorgen, was das Ganze zu einem äußerst mühsamen Unterfangen macht. T-Mobile rät in solchen Fällen zu einem Tarif mit Multi-SIM-Unterstützung, wo dann auch mehrere E-SIMs und klassische SIM-Karten parallel mit der gleichen Nummer betrieben werden können. Das ist aber natürlich mit zusätzlichen Kosten verbunden.

    Frage: Welche Fallstricke gibt es sonst noch zu beachten?

    Antwort: Ein regelmäßiger Wechsel zwischen mehreren Geräten mit E-SIMs ist ebenfalls nicht zu empfehlen. Zwar will T-Mobile Austria kein fixes Limit für die Ausstellung von E-SIMs festlegen, komme es aber zu einem "exzessiven" Wechsel, werde man die betreffenden Kunden kontaktieren und im Fall des Falles eine Gebühr von fünf Euro für weitere E-SIM-Wechsel verlangen, betont Lev Ratner, Pressesprecher von T-Mobile, gegenüber dem STANDARD. Als Richtschnur spricht der Provider dabei von zehn E-SIM-Profil-Downloads pro Jahr. Das Unternehmen versichert aber, dass man dabei kulant vorgehen wolle, immerhin gebe es viele Kunden, die aus beruflichen Gründen öfters ihr Smartphone wechseln. Ganz allgemein müsse man auch erst sehen, ob dies ein realistischer Wert sei, auch für T-Mobile sei das Ganze noch ein neues Thema, bei dem man Erfahrungen sammeln muss, betont man. Ansonsten verweist man wieder auf den Multi-SIM-Support, für all jene, die mehrere Geräte mit demselben Tarif nutzen wollen.

    Frage: Apple wirbt damit, dass mit all dem auch Dual-SIM-Support einhergeht. Was heißt das?

    Antwort: Das heißt, dass sich die E-SIM parallel zu einer klassischen SIM-Karte nutzen lässt. Auf diese Weise kann man dann zwei Telefonnummern am selben Gerät betreiben – ähnlich wie es bei vielen Android-Smartphones schon jetzt der Fall ist. Das ist etwa auf Reisen beliebt, wo man dank dieses Features auf der eigenen Telefonnummer erreichbar bleibt, aber einen billigen Datentarif eines lokalen Anbieters nutzen kann.

    Frage: Geht der Dual-SIM-Support in Verbindung mit der E-SIM überall?

    Antwort: Leider nein. Zunächst ist das vom jeweiligen Smartphone abhängig. Während Apple die Parallelnutzung auf seinen aktuellen iPhones ermöglicht, lässt sich etwa bei Googles Pixel 3 nur wahlweise die E-SIM oder die Nano-SIM-Karte nutzen – die gerade nicht aktivierte Nummer ist dann einfach nicht erreichbar. Zudem ist der Dual-SIM-Support aber auch vom Willen der jeweiligen Anbieter abhängig, und so blockieren etwa derzeit alle US-Provider den Dual-SIM-Modus in Verbindung mit einer E-SIM. Bei T-Mobile Austria ist das erfreulicherweise anders, hier werden auch andere SIMs zugelassen.

    Frage: Ist mit der E-SIM ein SIM-Lock verbunden?

    Antwort: Nicht automatisch aber er ist theoretisch genauso möglich wie bei einer klassischen SIM-Karte. So könnte dann ein Provider festlegen, dass zwar mehrere eigene E-SIMs auf einem Gerät genutzt werden dürfen, aber jene von Konkurrenten blockiert werden. T-Mobile setzt allerdings mittlerweile generell keinen SIM-Lock mehr ein.

    Frage: Wozu das alles?

    Antwort: Die Smartphone-Hersteller werben natürlich mit Vorteilen für die Kunden: Diese würden sich das Hantieren mit der SIM-Karte ersparen. Theoretisch wäre es auch möglich, dass Provider online Tarife verkaufen und die Nutzer diese gleich einrichten können – womit der Gang in den Shop entfällt. Für die Hardwarehersteller ist der Vorteil hingegen evident: Eine E-SIM verbraucht erheblich weniger Platz im Smartphone als ein SIM-Karten-Slot, was den Entwicklern mehr Freiheiten gibt. Wirklich schlagend wird dieser Vorteil aber natürlich erst bei Smartphones, die exklusiv mit E-SIM ausgestattet sind, was allerdings erst zu erwarten ist, wenn der Provider-Support flächendeckend ist.

    Frage: Wie sieht es mit anderen Betreibern aus?

    Antwort: Bei "3" soll der E-SIM-Support ebenfalls bald folgen: Ab dem 9.11. sollen dann die neuen iPhones sowie alle anderen Geräte, die sich an den offiziellen GSNA E-SIM-Standard halten, unterstützt werden. Prinzipielles Interesse bekundet man auch bei A1, auf einen fixen Termin will man sich aktuell aber noch nicht festlegen. Ganz generell ist davon auszugehen, dass angesichts der Unterstützung am iPhone in den kommenden Monaten weltweit viele Provider E-SIM-Support anbieten werden. (Andreas Proschofsky, 31.10.2018)

    • Langfristig hat die E-SIM (der kleine Chip in der Bildmitte) für die Hardwarehersteller einen nicht zu unterschätzenden Wert: Sie braucht erheblich weniger Platz im Gehäuse als ein klassischer SIM-Karten-Slot.
      foto: t-mobile/marlena könig

      Langfristig hat die E-SIM (der kleine Chip in der Bildmitte) für die Hardwarehersteller einen nicht zu unterschätzenden Wert: Sie braucht erheblich weniger Platz im Gehäuse als ein klassischer SIM-Karten-Slot.

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