"Scharfsinniger Journalismus": Wofür Leser zu zahlen bereit sind

    25. Oktober 2018, 14:23
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    Nützliche Informationen, die Welt besser verstehen, nah an der Identität sein: Anna Careborg vom "Svenska Dagbladet" teilt ihre Erfahrungen mit der Paywall

    London – Die Onlineversion der schwedischen Tageszeitung "Svenska Dagbladet" ist seit 2013 nicht mehr gänzlich gratis. Bereits vor fünf Jahren zog das Unternehmen eine Paywall hoch, für bestimmte Artikel muss ein Abo abgeschlossen werden. Anna Careborg, Head of Premium Content beim "Svenska Dagbladet", teilt nun ihre Erfahrungen mit der Paywall und verrät, welche Inhalte bei einem Premium-Modell besonders wichtig sind.

    In einem Blogeintrag auf der Website der "News Media Association", einem Branchenverband in Großbritannien, führt sie aus. welche vier Arten von Inhalten Leser besonders schätzen.

    Scharfsinniger Journalismus

    Als erste Kategorie führt sie "scharfsinnigen Journalismus" an, der den Lesern hilft, die Nachrichten zu verstehen. Dieses Feld liefere einen große Anzahl von Artikel und viele Leser. Die "Conversion-Rate", also der Anteil der Leser, die deswegen ein Abo abschließen, sei gering, da andere Medien diese Inhalte ebenfalls publizieren würden. Das große Volumen solcher Artikel würde in Summe aber trotzdem viele neuen Abonennten ausmachen.

    Artikel, die für den Alltag nützliche Informationen enthalten, sieht sie als zweites Feld, das es als Anbieter von Premium-Content zu bespielen gebe. Dazu zählen etwa Artikel über Erkenntnisse in den Bereichen Psychologie, Ernährung und Gesundheit. Auch Tipps zu Finanzen oder Immobilien fallen in diese Kategorie. Dieses Feld habe eine große Leserschaft und Conversion-Rate.

    Die Welt besser verstehen

    Als dritten Punkt zählt sie Inhalte auf, die den Lesern helfen, die Welt besser zu verstehen. Als Beispiel nennt sie ausführliche Berichte im "Svenska Dagbladet", die beschreiben, wie Schweden im Jahr 2025 aussehen würde, wenn die rechten Schwedendemokraten an die Macht kommen würden.In diesem Bereich sei die Anzahl der Leser zwar niedriger, die Conversion-Rate aber sehr hoch, da die Inhalte nirgends anders gefunden werden können.

    Als vierten und letzten Punkt führt Anna Careborg Content an, der nah an den Interessen und der Identität des Lesers dran sind. Dazu zählen etwa Film-, Buch- oder Restauranttipps. Die Conversion-Rate sei hier zwar gering, viele bereits zahlende Nutzer würden diese Inhalte aber lesen. Sie seien also nötig, um die Abwanderungsquote zu reduzieren.

    In den letzten Jahren habe "Svenska Dagbladet" alle Artikel eliminiert, die nur von wenigen Menschen gelesen wurden und den Fokus auf die großen Geschichten gelegt, die eine große Anzahl von Abonnenten interessieren. (red, 25.10.2018)

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      foto: apa/dpa-zentralbild/jens kalaene
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