Was bisher über die an Trump-Kritiker versendeten Briefbomben bekannt ist

    25. Oktober 2018, 16:44
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    Kurz vor den Midterm-Wahlen schreckt eine Rohrbombenserie die USA auf. Am Donnerstag tauchten weitere verdächtige Sendungen auf, Donald Trump macht die Medien mitverantwortlich

    Mit dem parallelen Versand mehrerer Sprengsätze wurden mindestens acht prominente Kritiker von US-Präsident Donald Trump ins Visier genommen. Während die Ermittlungen auf Hochtouren laufen, wurden am Donnerstag weitere verdächtige Sendungen bekannt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

    Was genau wurde verschickt?

    Die Sendungen wurden zwischen 22. und 24. Oktober in einfachen braunen Umschlägen mit Luftpolsterfolie verschickt. Als Absenderin stand der (falsch geschrieben) Name der demokratischen Politikerin Debbie Wasserman Schultz darauf. Bei den darin enthaltenen Sprengsätzen handelte es sich nach Angaben des FBI offensichtlich um einfache Rohrbomben. Alle wurden abgefangen, keine davon explodierte. Die beim Sender CNN gefundene Sendung enthielt eine Metallröhre mit Drähten und einen Briefumschlag mit weißem Pulver.

    foto: fbi/handout via reuters
    Der Name der demokratischen Politikerin Debbie Wasserman Schultz wurde auf den Umschlägen falsch geschrieben. Weitere Angaben zu Adressat und Absender wurden unkenntlich gemacht.

    An wen waren die Sendungen adressiert?

    • Milliardär und Philanthrop George Soros war bereits am Montag erster Adressat einer verdächtigen Sendung, die an seinem Wohnort in Bedford im Bundesstaat New York gefunden wurde.
    • Die Briefbombe an Ex-Präsidentschaftskandidatin und Ex-Außenministerin Hillary Clinton wurde Dienstagnacht ebenfalls im Bundesstaat New York sichergestellt.
    • Die Sendung an Ex-Präsident Barack Obama wurde bei einer routinemäßigen Überprüfung in Washington, D.C., abgefangen.
    • Die kalifornische Kongressabgeordnete Maxine Waters erhielt zwei Sendungen, eine an ihr Büro in Washington und eine nach Los Angeles.
    • Die Briefbombe an Ex-Justizminister Eric Holder wurde zurück an die vermeintliche Absenderin retourniert, Debbie Wasserman Schultzs Adresse in Florida (auf dem Umschlag stand allerdings "Florids"), und dort abgefangen.
    • Die Sendung, die an Ex-CIA-Chef John Brennan adressiert war, landete beim Sender CNN, wo er am Mittwoch auftreten sollte.
    • Wie am Donnerstag bekannt wurde, fanden Ermittler am Mittwoch eine Sendung an Schauspieler Robert De Niro in seiner Produktionsfirma in New York City.
    • Zwei verdächtige Sendungen an Ex-Vizepräsident Joe Biden wurden am Donnerstag in Postämtern in Delaware lokalisiert. Die Adresse Bidens war offenbar nicht korrekt angegeben.

    Die Behörden schlossen weitere Sendungen nicht aus. Ein vermeintlich an den demokratischen Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, geschickter Sprengsatz stellte sich als falscher Alarm heraus.

    foto: reuters/files
    Als Absenderin war Debbie Wasserman Schultz vermerkt (links oben), Adressaten waren (von links oben nach rechts unten) unter anderen: Hillary Clinton, George Soros, Barack Obama, Eric Holder, Maxine Waters und John Brennan.

    Was haben die Empfänger gemeinsam?

    Sie sind Demokraten oder Unterstützer der Demokraten. Sie haben sich mehrfach kritisch über Trump geäußert und sind zugleich regelmäßig Ziele verbaler Angriffe des US-Präsidenten.

    Ex-CIA-Chef Brennan sagte über Trump, er werde seinen Platz als "blamierter Demagoge im Mülleimer der Geschichte einnehmen". Trump entzog Brennan wenig später die Sicherheitsgenehmigung.

    Wer könnte dahinterstecken?

    Liberale machen indirekt Donald Trump und seine aggressive Rhetorik verantwortlich. Trump-Unterstützer sprechen von einer Verschwörung der Demokraten, um Stimmen bei den Midterm-Wahlen Anfang November zu bekommen. Die Behörden haben sich noch nicht über Verdächtige geäußert. Der New Yorker Polizeichef James O'Neill sagte, noch sei unklar, ob ein Einzeltäter oder ein Netzwerk dahinterstehe. Er gehe aber davon aus, dass der oder die Täter in den kommenden Tagen gefasst werden.

    foto: apa/afp/getty images/spencer platt
    Die Polizei gab noch keine Details über Verdächtige bekannt.

    Wie reagierte Donald Trump?

    Trump sprach zwar von "abscheulichen Taten" und rief die USA zur Geschlossenheit auf. Bei sich selbst sieht er aber keine Verantwortung für das aggressive politische Klima im Land, stattdessen suchte er die Schuld bei den Medien. "Die Medien haben auch eine Verantwortung, einen gemäßigten Ton anzuschlagen und die endlose Feindseligkeit und die ständigen negativen und oft falschen Attacken und Geschichten zu beenden", sagte Trump. "Sie müssen es beenden."

    cbs news

    Auf Twitter legte Trump am Donnerstag noch nach: "Ein großer Teil der Wut, die wir heute in unserer Gesellschaft sehen, wird von der absichtlich falschen und ungenauen Berichterstattung der Mainstream-Medien verursacht", beklagte der US-Präsident. Diese sei "schlecht und hasserfüllt". Er forderte die Medien dazu auf, "sich zusammenzureißen".

    Der Chef des Senders CNN, Jeff Zucker, hielt dagegen: "Es gibt einen totalen und völligen Mangel an Verständnis im Weißen Haus über die Schwere der fortgesetzten Angriffe auf die Medien." Immer wieder hat Trump die Medien im Land als "Staatsfeinde" bezeichnet und ihnen vorgeworfen, eine Kampagne gegen das Weiße Haus und "das amerikanische Volk" zu fahren.

    Erst in der vergangenen Woche hatte Trump bei einem Wahlkampfauftritt Greg Gianforte aus Montana gelobt. Der republikanische Abgeordnete war zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden, weil er einen "Guardian"-Reporter niedergeschlagen hatte, nachdem dieser ihm wiederholt Fragen zur geplanten Abschaffung von Obamas Gesundheitsreform gestellt hatte. "Jeder Typ, der einen Bodyslam machen kann, ist mein Typ", sagte der US-Präsident.

    Wie reagierten die Demokraten?

    Führende Demokraten kritisierten Trumps Aufruf zur Einigkeit mit Verweis auf frühere Äußerungen des Präsidenten als unglaubwürdig und hohl. Die demokratischen Spitzenpolitiker Nancy Pelosi und Chuck Schumer warfen Trump vor, wiederholt "physische Gewalt" hingenommen zu haben und "die Amerikaner mit seinen Worten und Taten zu spalten". Der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio sprach von einem "Terrorakt, der darauf abzielt, unsere freie Presse und die Anführer unseres Landes durch Gewalttaten zu untergraben".

    Ex-CIA-Chef Brennan warf Trump vor, zu oft Hassgefühle, wenn nicht sogar Gewalt angestachelt zu haben. Angesichts der Angriffe Trumps auf die Medien forderte Brennan ihn auf, aufzuhören, andere verantwortlich zu machen und "in den Spiegel zu schauen".

    Hillary Clinton, die Trump bei der Präsidentschaftswahl 2016 unterlegen war, bezeichnete die Sprengsätze als Ausdruck der "beunruhigenden Zeiten", die die USA durchmachten. Das Land sei durch "tiefe Spaltungen" geprägt. (maa, 25.10.2018)

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