Doch kein Beschluss der Hundehaltungsnovelle im Wiener Landtag

    25. Oktober 2018, 11:32
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    Die FPÖ verzögerte die Abstimmung im Ausschuss, die SPÖ kritisiert eine "mutwillige Gefährdung" von Kindern. Die Reform des Tierhaltegesetzes kommt jetzt in die nächste Sitzung

    Wien – Die Novelle des Tierhaltegesetzes, die unter anderem eine Alkoholgrenze für Halter von Listenhunden vorsieht, wird doch nicht am Donnerstag im Wiener Landtag beschlossen. Mit "fadenscheinigen Tricks" habe die FPÖ im Sonderausschuss vor der Sitzung einen Beschluss unmöglich gemacht, empörte sich die SPÖ. Die Reform könne somit nicht in den Landtag eingebracht werden.

    "Jeder künftige Beißvorfall geht auf das Konto der FPÖ. Ich frage mich, wie man noch ruhig schlafen kann, wenn man Kinder mutwillig gefährdet", erklärte SPÖ-Umweltausschussvorsitzender Erich Valentin "erschüttert". Er kündigte an, dass die Sitzung des Ausschusses unmittelbar nach der Landtagssitzung wiederaufgenommen werden soll. "Denn wir werden keine Minute verstreichen lassen, um die Novelle mit den Verschärfungen zum Schutz der Menschen im Ausschuss und in der Folge im nächsten Landtag zu beschließen."

    Opposition übt Kritik

    Die FPÖ bestätigte das Vorgehen gegenüber der APA: "Das war eine geplante Aktion aus reiner Notwehr", sagte FPÖ-Klubchef Toni Mahdalik. Es sei eine "Missachtung der Oppositionsrechte", den Antrag eine halbe Stunde vor der Landtagssitzung "durchpeitschen" zu wollen: "Deshalb haben wir gesagt, wir verzögern den Beschluss." Die geplante Novelle sei ein "Pfusch mit willkürlicher Rasseliste", kritisierte er. Er forderte eine umfassende Diskussion des Regelwerks, in die auch die Meinung von Hundebesitzerin Eingang finden soll. Inhaltlich sprach er sich dafür aus, alle Hundehalter zum Hundeführschein zu verpflichten, dieser dürfe allerdings keine zusätzlichen Kosten für die Halter bedeuten. Die Verschärfungen alleine für Besitzer sogenannter Listenhunde lehne er ab.

    Auch die ÖVP übte Kritik an der rot-grünen Koalition. "Die Vorgehensweise der Stadtregierung ist völlig unverständlich: Ohne Begutachtungsverfahren und ohne Experten anzuhören, wurde ein Flickwerk vorgelegt", bemängelte der nichtamtsführende Stadtrat Markus Wölbitsch. "Eine der wichtigsten angekündigten Maßnahmen wäre in den heutigen Novellen gar nicht enthalten: die Maulkorbpflicht für 'Listenhunde' an öffentlichen Orten. Das neue Gesetz hätte seinen Zweck nicht erfüllt."

    "SPÖ und Grüne schaffen es nicht, das neue Tierhaltegesetz heute in den Landtag zu bringen", befand auch Neos-Klubobmann Christoph Wiederkehr. Schuld an der Verzögerung ist seiner Ansicht nach nicht die FPÖ, sondern die zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ). Diese habe auf "Biegen und Brechen" die Novelle durchboxen wollen.

    Keine Verhinderung, nur Verzögerung

    Die von SPÖ und Grünen angekündigte Reform des Tierhaltegesetzes enthält unter anderem eine Alkoholgrenze von 0,5 Promille für Listenhundehalter, mehr Kompetenzen für die Hundeführscheinprüfer und höhere Strafen bei Verstößen gegen das Tierhaltegesetz. Die von der SPÖ gewünschte Maulkorbpflicht für Listenhunde ist wegen Bedenken der Grünen nicht Teil der Novelle.

    Dass der Beschluss im Ausschuss verzögert wurde, bedeutet nicht, dass er verhindert werden kann. Rot-Grün kann die Novelle zu einem späteren Zeitpunkt ohne Zustimmung der Opposition absegnen. Geplant ist dies nun bei der nächsten Sitzung des Landtags. (APA, 25.10.2018)

    • Artikelbild
      foto: apa/dpa/julian stratenschulte
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