Echo Dot und Echo Plus: Amazons smarte Lautsprecher im Test

    3. Dezember 2018, 09:55
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    Vor allem beim Dot signifikante Verbesserungen beim Klang – Plus-Modell gut, aber auch mit schwindender Zielgruppe

    Als Amazon vor einigen Jahren die erste Version seines smarten Lautsprechers Echo vorstellte, sorgte dies noch für verblüffte Reaktionen: Warum sollte man sich bloß so ein Gerät in den Haushalt stellen, fragten viele Kommentatoren. Grundlegende Zweifel begleiten dieses Thema zwar bis heute, das ändert aber nichts daran, dass die Popularität smarter Lautsprecher stark im Steigen begriffen ist. Alleine im zweiten Quartal 2018 wurden weltweit 16,8 Millionen derartiger Geräte verkauft. Das mag zwar noch weit von den Absatzzahlen im Smartphone-Bereich entfernt sein, der Trend ist aber beeindruckend: Stellt dies doch eine Verdreifachung im Vergleich zum Vorjahr dar.

    Aufteilung

    Doch noch etwas hat sich im vergangenen Jahr geändert: War Amazon lange der Alleinherrscher in dieser Sparte, hat man mittlerweile ordentlich Konkurrenz erhalten. So sehen einige Marktforscher bei den aktuellen Abssatzzahlen bereits Google an der Spitze, und auch diverse chinesische Hersteller konnten ihre Marktanteile signifikant steigern. Diesem Trend will Amazon aber natürlich nicht tatenlos zusehen, also hat man unlängst eine neue Generation für seinen diversen Echo-Geräte vorgestellt. Zwei davon – Echo Dot und Echo Plus – sollen im Folgenden näher beleuchtet werden.

    foto: andreas proschofsky / der standard
    Neue Echos im Doppelpack: Links der Echo Plus, rechts der Echo Dot.

    Echo Dot

    Der erfolgreichste aller smarten Lautsprecher von Amazon ist der Echo Dot, und das darf auch nicht weiter verwundern. Mit einem Preis von 60 Euro stellt er einen kostengünstigen Einstieg in die Produktsparte dar. Dass Amazon das kleine Gerät regelmäßig mittels Aktionen noch billiger hergibt, schadet dessen Erfolg sicherlich auch nicht. Weniger erfreulich war hingegen, dass der Echo Dot bisher einen ziemlich miserablen Klang hatte. Genau dieses Defizit bessert der Hersteller nun aber aus.

    Das 2018er-Modell des Echo Dot klingt signifikant besser als sein Vorgänger. Die neue Hardware-Generation ist nicht nur lauter, sondern den älteren Geräten auch von den Bässen bis zu den Höhen in allen Bereichen klar überlegen. Dabei mutet die Tonausgabe auch wesentlich klarer an, was sich nicht zuletzt bei gesprochenem Material – also etwa Hörbüchern oder Podcasts – positiv bemerkbar macht. In Summe klingt der neue Echo Dot damit sogar noch eine Spur besser als der direkte Konkurrent aus dem Hause Google – der Home Mini.

    Ein Musikwunder sollte man natürlich trotzdem nicht erwarten, mit einem so kleinen Gehäuse wird ein Gerät nie einen wirklich vollen Bass erzielen können – das ist simple Physik. Der Echo Dot probiert es allerdings redlich, was jedoch auch einen weniger erfreulichen Nebeneffekt hat: Er vibriert recht stark. Direkt am Arbeitstisch sollte man den Lautsprecher also nicht unbedingt positionieren. Eine weitere Ausnahme: Im Testverlauf dröhnte der Echo Dot einmal recht stark, mit einem Reboot ließ sich das aber beheben. Insofern dürfte es sich hierbei wohl um einen Softwarefehler handeln.

    Designfragen

    Ebenfalls signifikant sind die Verbesserungen beim äußeren Design, und hier hat man sich augenscheinlich von der Konkurrenz inspirieren lassen: Wie der Google Home Mini setzt auch der Echo Dot nun auf eine Textilhülle. Lediglich die Oberseite mit ihren Knöpfen für Lautstärke und Co. ist noch aus Kunststoff gehalten. Rein optisch macht der neue Echo Dot damit jedenfalls deutliche Fortschritte.

    foto: andreas proschofsky / standard
    Die Rückansicht des Echo Dot mit 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse und dem Stromanschluss.

    Ein echter Vorteil der Amazon-Hardware ist zudem die Existenz eines Miniklinkenanschlusses. Über diesen – oder Bluetooth – kann ein externer Lautsprecher zur Tonausgabe genutzt werden. Eine interessante Variante, um bestehende Boxen nachträglich "smart" zu machen. Betrüblich ist hingegen ein anderer Umstand: Amazon setzt auf eigene Stromstecker anstatt einfach einen USB-C-Anschluss zu verwenden. Das mag für statisch positionierte Geräte irrelevant klingen, macht es aber aber schwerer, den Dot mittels eines Akkupacks "mobil" zu machen – etwa für den Urlaub.

    Ebenso wichtig wie die Tonausgabe ist die Spracherkennung: Der neue Echo Dot reduziert die Zahl der verbauten Mikrofone von sieben auf vier. Auf die Erkennungsqualität hat dies aber keinen Einfluss, im Test wurden die Eingaben ähnlich gut erkannt wie mit der Vorgängergeneration. Ganz generell muss aber angemerkt werden, dass dieser Bereich aktuell einer der größten Problempunkte von smarten Lautsprechern ist. Solange es im Umfeld leise ist, ist die Spracherkennung meist zuverlässig. Läuft aber nebenbei der Fernseher oder gar die Stereoanlage, muss man Alexa schon recht laut anreden, um noch verstanden zu werden. Das ist aber wie gesagt bei der Konkurrenz auch nicht anders.

    Software

    Fortschritte hat die neue Hardware-Generation auch beim Setup gemacht. Dieses wurde nämlich deutlich vereinfacht, über die Alexa-App funktioniert die Einrichtung nun ziemlich unkompliziert in wenigen Schritten. Allerdings muss man der App dafür auch Zugriff auf den eigenen Standort geben.

    Features

    Die Funktionalität entspricht dem, was man schon von anderen smarten Lautsprechern mit Alexa gewohnt ist. Die Palette reicht vom simplen Musikhören über das Anrufen von anderen Echo-Nutzern bis zur Steuerung von Smart-Home-Geräten. Und natürlich lässt sich all das auch noch über eine Unzahl von sogenannten "Skills" erweitern. Und wer selbst solche Geräte im Einsatz hat, wird auch wissen, dass einiges davon sehr gut funktioniert, anderes derzeit noch Stückwerk ist. Immer wieder stößt man auf Situationen, in denen man Fragen umformulieren muss oder Alexa einen Bandnamen oder eine Radiostation partout nicht erkennen will. Aber auch in dieser Hinsicht haben sich die Konkurrenten in dieser Branche wenig zu schenken: Die Google Homes sind im Alltag genauso frustrierend zu nutzen wie die Echos – nur halt im Detail leicht anders frustrierend.

    Echo Plus

    Der Echo Plus ist so etwas wie der große Bruder des Dot: Die Kernfunktionalität ist weitgehend dieselbe, gleichzeitig bietet das teurere Modell aber einige zusätzliche Möglichkeiten. Der wichtigste Unterschied ist dabei natürlich der Klang: Der Sound ist aufgrund des erheblich größeren Volumens des Plus-Modells natürlich besser als jener des Echo Dot. Im Vergleich zum 2017er-Modell des Echo Plus fällt wiederum vor allem der bessere Bass auf. Mit größeren Konkurrenten wie dem Sonos One oder auch Google Home Max und Apples Homepod kann man klanglich trotzdem nicht mithalten. Diese sind aber natürlich auch erheblich teurer.

    foto: andreas proschofsky / standard
    Der Echo Plus von oben betrachtet. Der blaue Ring zeigt übrigens an, dass Alexa gerade auf Sprachbefehle horcht. Der hellblaue Bereich zeigt, aus welcher Richtung der Befehl kommt.

    Weitere Unterschiede zum Dot: Der Echo Plus besitzt Zigbee-Support, kann also auch als Smart Home Hub genutzt werden. Das bedeutet, dass er viele Smart-Home-Geräte direkt ansteuern kann, und nicht zwingend auf passende Alexa-Skills angewiesen ist. Ein nettes Extra, auch wenn Amazon selbst natürlich lieber hätte, wenn alle Gerätehersteller Alexa selbst integrieren – also ohne Zigbee-Support oder eigene Apps dafür zu brauchen. Das damit verbundene Setup gefällt jedenfalls: Auf Zuruf kann der Echo Plus nach entsprechenden Devices – also etwa smarten Glühlampen – suchen und sie einrichten.

    Erfreulich ist auch, dass das neue Plus-Modell einen Temperatursensor enthält. Etwas mühsam ist allerdings die Abfrage dieser Information geworden: "Alexa, sage die Temperatur im Echo" sein, muss es exakt heißen. Ein simples Fragen nach der Raumtemperatur tut es zumindest derzeit nicht. Interessant ist das Thermometer aber vor allem aus einem anderen Grund: Kann dieses doch auch zu Erstellung von Regeln genutzt werden. So kann man dann beispielsweise automatisch die Jalousien herunterlassen, wenn es an einer Stelle zu warm wird.

    Und dann wären da noch zwei weitere Extras: Der Echo Plus hat weiterhin sieben Mikrofone, was theoretisch eine bessere Spracherkennung ergeben sollte. In der Praxis ließ sich aber wie gesagt wenig Unterschied feststellen. Zudem kann der Echo Plus als externer Lautsprecher für andere Geräte dienen, der Audio-Anschluss funktioniert hier also in beide Richtungen. Und weil es gerade Trend ist, wurde auch der Echo Plus mit einer Textilhülle etwas wohnzimmerfreundlicher gestaltet.

    Verfügbarkeit

    Echo Dot und Echo Plus sind ab sofort direkt bei Amazon zu haben. Der Preis liegt bei 60 Euro für das kleinere Modell und 150 Euro für die größere Ausführung, wobei letzterem eine Philips-Hue-Lampe beigelegt wird.

    Disclaimer

    Zwischendurch noch eine kurze Anmerkung allgemeiner Natur: Die folgende Bewertung blendet bewusst grundlegende Fragen aus. Und zwar aus einem einfachen Grund: Wer prinzipielle Bedenken mit solchen Geräten hat, sollte sich schlicht keines kaufen. Smarte Lautsprecher warten stetig auf die Spracheingaben ihrer Nutzer, die dann anschließend irgendwo in der Cloud verarbeitet und gespeichert werden. Da können die Hersteller noch so oft versichern, dass erst nach dem Keyword (in dem Fall also "Alexa") Kontakt mit den eigenen Servern aufgenommen wird, und dass sich diese Aufnahmen auch löschen lassen. Ein solches Unbehagen ist ein simpler Ausschlussgrund für einen Kauf, immerhin soll das Zuhaus eine Ort sein, an dem man sich wohlfühlt.

    Fazit

    Besserer Klang, besseres Design und der gleiche niedrige Preis: Der Echo Dot stellt eine signifikante Verbesserung für Amazons Echo-Reihe dar – was im Vergleich zur direkten Konkurrenz aber auch dringend nötig war. Wie dem auch sei: Der Echo Dot ist ein hervorragendes Gerät für alle, die an smarten Lautsprechern interessiert sind. Ob man zu diesem oder eher Googles Home Mini greift, hat aktuell mehr damit zu tun, welches Ökosystem man bevorzugt, als mit funktionellen Unterschieden. In dieser Hinsicht haben sich die beiden Welten in Summe derzeit recht wenig zu schenken.

    Etwas moderater fallen die Fortschritte bei beim Echo Plus aus. Die iterativen Verbesserungen gefallen zwar, ein Grund bestehende Echos zu ersetzen, findet sich darunter aber auch nicht. Vor allem aber wird die Nische für den Echo Plus immer kleiner, und das liegt ironischerweise ausgerechnet an den Verbesserungen am Echo Dot. Der Klang des kleineren Modells wird nämlich vielen reichen, auch die Zusatzfunktionen des Plus-Modells benötigen viele Nutzer nicht. Und auf der anderen Seite steht die Realität, dass der Echo Plus zwar einen besseren Klang bietet, aber auch keinen der mit etwa kostspieligeren Konkurrenten mithalten kann. (Andreas Proschofsky, 3.12.2018)

    Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Testgeräte wurden von Amazon für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung gestellt.

    Links

    Echo Dot

    Echo Plus

    Nachlese

    "Alles Alexa": Amazon stellt viele neue Echos und smartes Zubehör vor

    Amazons Vision: Alexa soll künftig überall sein

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