Bundespräsident würdigt verstorbenen Holocaust-Überlebenden Gelbard

    24. Oktober 2018, 12:04
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    Auch Altbundespräsident Fischer zeigt sich betroffen. Trauerbekundungen kommen auch aus der Sozialdemokratie, der Israelitischen Kultusgemeinde und darüber hinaus

    Wien – Der Tod des Holocaust-Überlebenden Rudolf Gelbard hat am Mittwoch Betroffenheit auf allen gesellschaftlichen Ebenen ausgelöst. Österreich verliere "einen wichtigen Zeitzeugen der Schoah, einen wachsamen Mahner vor Antisemitismus und Intoleranz sowie einen engagierten Kämpfer für Demokratie, Humanismus und Rechtsstaatlichkeit", meinte Bundespräsident Alexander Van der Bellen.

    "Seine Offenheit und Menschlichkeit haben dazu beigetragen, dass seine Stimme Gehör und seine Worte Gewicht fanden", betonte Van der Bellen. "In diesem Moment eines so schmerzlichen Verlustes ist es unsere gemeinsame Verpflichtung, das Erbe dieses großen Österreichers zu bewahren. Unser Mitgefühl ist bei seiner Familie und seinen Freundinnen und Freunden."

    Fischer: "Erschütternde Nachricht"

    Auch Van der Bellens Vorgänger Heinz Fischer reagierte auf die "erschütternde Nachricht". Gelbard sei nicht nur zeit seines Lebens ein glaubwürdiger Antifaschist, sondern auch ein genauer Kenner und präziser Kritiker des Kommunismus und Stalinismus gewesen, schrieb der ehemalige Bundespräsident, der auch ein enger Vertrauter Gelbards war.

    Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), Oskar Deutsch, schrieb: "Wir werden Rudi Gelbard als einen erfahrenen und verlässlichen Mitstreiter vermissen. Mit ihm verlieren wir eine herausragende Persönlichkeit und einen engen Freund." Die IKG werde Gelbard stets ein ehrendes Andenken wahren.

    "Wir verlieren einen guten Menschen und lieben Freund. Er war ein konsequenter Antifaschist mit lexikalischem Wissen", schrieb Gerald Netzl, geschäftsführender Vorsitzender des Bundes Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer. "Wir sind mit unseren Gedanken bei seinen Angehörigen und wünschen ihnen viel Kraft für diese schwierige Zeit."

    Trauer bei SPÖ

    Zahlreich waren auch die Reaktionen aus der Sozialdemokratie, Gelbards politischer Heimat. Trauerbekundungen kamen unter anderem aus der Bundespartei, der Wiener SPÖ, dem Parlamentsklub sowie der SPÖ-Delegation im Europäischen Parlament. "Mit Rudolf Gelbard ist ein ganz Großer von uns gegangen. Rudolf Gelbard war ein Aufrechter. Er gehörte zu jenen Ausnahmepersönlichkeiten, die unserem Land nach 1945 zu einem Gewissen verhalfen", sagte die geschäftsführende SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner. Die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) schrieb: "Mit Rudi Gelbard verlieren wir einen starken Antifaschisten, einen unermüdlichen Kämpfer für Humanität und Solidarität, und wir verlieren einen großartigen Menschen."

    Neos und Grüne betroffen

    Nicht nur Sozialdemokraten reagierten mit Betroffenheit, auch die Neos würdigten den Zeitzeugen. Klubobfrau Beate Meinl-Reisinger verneigte sich "mit tiefem Respekt" und schrieb: "Gelbard hat sich sein ganzes Leben lang für Bildung und Aufklärung engagiert, hat mit Schülerinnen und Schülern gearbeitet und ist als Zeitzeuge und Mahner – auch vor der Verharmlosung von FPÖ-Einzelfällen – aufgetreten."

    Für die Wiener Grünen erklärte Sozialsprecherin Birgit Hebein: "Rudi Gelbard war ein Antifaschist, der genau wusste, wovon der sprach, weil er zu den Opfern des Nationalsozialismus gehörte. Er war unbeirrbar in seinem Kampf gegen jede Form von Rechtsextremismus. Dafür bin ich ihm dankbar." Auch Klubobmann David Ellensohn würdigte Gelbards Engagement gegen Faschismus: "Wir werden das, wofür Rudi Gelbard gekämpft hat, auch in die Zukunft tragen und uns seinen unbeirrbaren Geist als Vorbild nehmen. Wir werden seinen Weg fortführen und überall dort unsere Stimme erheben, wo Rechtsextremismus unsere Gesellschaft gefährdet." (APA, red, 24.10.2018)

    • Rudolf Gelbard bei der ersten Rosa-Luxemburg-Konferenz in Wien im März 2018. Der Tod des Holocaust-Überlebenden hat am Mittwoch Betroffenheit ausgelöst.
      foto: robert newald

      Rudolf Gelbard bei der ersten Rosa-Luxemburg-Konferenz in Wien im März 2018. Der Tod des Holocaust-Überlebenden hat am Mittwoch Betroffenheit ausgelöst.

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