Blöd gelaufen: Wandern ohne Pflaster

28. Oktober 2018, 10:00
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Zugegeben, ich hatte die Rauheit der Natur vergessen und ein T-Shirt geopfert – eine Erinnerung ans Erste-Hilfe-Paket im Rucksack

Wenn die Sonne ihre Kraft verliert, die Bäume ihre Blätter bunt färben und das Licht golden ist, ist eine Wanderung das Beste, was man machen kann. Das sage ich als Nichtwandervogel. Meine Kindheit in den Bergen hat mir das stundenlange Gehen über Stock und Stein ehrlich gesagt ein bisschen verleidet.

Doch wenn das Wetter im Griechenland-Urlaub einfach nicht gut genug für den Strand ist, steigt man zum Zeitvertreib eben auf Berge. Griechische Inseln sind im Grunde genommen Steinhaufen. Es ist prachtvoll einsam. Über Eselspfade Landschaften erkunden, das hat seinen Reiz. Und seine Gefahren. Disteln und andere Büsche mit riesigen Dornen scheinen auf felsig-trockenem Boden spitzenmäßig zu gedeihen. Dort ein Stachel, dort ein kratziger Strauch.

Ein Spießrutenlauf wird es, wenn man sie vermeiden will. "Beine heben und drübersteigen", sagt mein Wandergefährte, der das selbst erfolgreich praktiziert. Allerdings: kurze Hose, schlechte Schuhe und ganz offensichtlich dünnhäutig. Ich habe es kommen sehen.

Spitze Steine und Büsche

Als wir versuchten, über Google Maps einen großen Graben zu überqueren und den angeblich dort liegenden Eselspfad wiederzufinden, erwischt mich ein sehr langer Dorn am Oberschenkel. Das Blut schießt raus, rinnt das Bein runter, es bildet sich ein riesiger blauer Fleck, alles in wild-steilem Gelände und ein bissl dramatisch. Fast wäre mir schlecht geworden.

Pflaster! Ist der spontane Gedanke. Allein: Hatten wir nicht. Und weil es nicht zu bluten aufgehört hat, habe ich das T-Shirt zerrissen. Ist auch nicht gerade leicht ohne Schere. Ging aber. Und damit habe ich dann einen Verband gemacht.

Warum die Geschichte? Weil doch gerade die schönste Zeit fürs Wandern ist. Und es auch in hiesigen Breiten dornige Büsche und spitzkantige Felsen gibt und schließlich jeder auch einmal stolpern kann und sich dabei verletzt. Und weil man generell immer von Zeit zu Zeit überprüfen sollte, ob die Ausrüstung passt und das Erste-Hilfe-Paket überhaupt noch vollständig ist. Pflaster zum Beispiel könnten im Wanderrucksack vielleicht noch aus dem alten Jahrtausend stammen. Das ist die Erinnerung zum Überprüfen. Zur Sicherheit. (Karin Pollack, 28.10.2018)

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  • Beim Wandern in Griechenland oder anderswo: Pflaster gehören in jeden Wanderrucksack.
    foto: getty images

    Beim Wandern in Griechenland oder anderswo: Pflaster gehören in jeden Wanderrucksack.

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