Pro & Kontra: Schlummertaste drücken

    Kolumne5. November 2018, 15:11
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    Akt der Selbstbestimmung oder Dysbalance für den körperlichen Rhythmus

    foto: getty images/istockphoto/caldwell

    Pro
    von Michael Steingruber

    Sie zählt zu den weniger angenehmen Kindheitserinnerungen. Ein freundlich leises "Guten Morgen" ließ einen vorerst sanft erwachen, prompt folgte jedoch ein bestimmtes "Aufstehen!". Spätestens wenn das Licht aufgedreht oder sogar die Decke weggezogen wurde, war es vorbei mit der süßen Nachtruhe. Da konnte man noch so oft "Noch fünf Minuten, bitte!" flehen, in der elterlichen Planung der Morgenroutine war keine Zeit für Müßiggang vorgesehen. Damit in der Früh alle im Haushalt lebenden Personen rechtzeitig selbigen verlassen konnten, durfte niemand trödeln.

    Die Zeiten sind vorbei, doch das Erwachsenenleben bietet weniger Freiheiten, als man als Kind denkt. Gerade deshalb gilt es, diese jeden Tag zu zelebrieren. Per Knopfdruck!

    Die Snoozetaste zu drücken ist ein Akt der Selbstbestimmung, eine späte Rebellion. Endlich bekommt man die als Kind ersehnten Extraminuten Schlafenszeit. Dass dafür der Wecker entsprechend früher gestellt werden muss als eigentlich nötig, tut nichts zur Sache. Schließlich ist auch Selbstbetrug Teil des Erwachsenseins.

    Kontra
    von Alex Stranig

    Als Kind hatte ich mir einen Wecker mit der Stimme meines TV-Helden Alf gewünscht. Diesen Wunsch sollte ich kurze Zeit später bitter bereuen. In der Lautstärke eines Presslufthammers knallte die Stimme des zotteligen Außerirdischen jeden Morgen mit den Worten "Kannst dich wieder hinlegen, morgen ist auch noch ein Tag" gegen die juvenil zarte Membrana tympani. Derartige Höllenqualen kann kein Mensch freiwillig zweimal an einem Tag erleben wollen. Selbst Harfenklänge oder Vogelgezwitscher können diesen Wecker-Albtraum nicht erträglich machen.

    Da springt man lieber direkt nach dem ersten Ton motiviert aus dem Bett, um sich barfüßig auf dem kalten Boden zur Waschstätte aufzumachen. Durch das elegische Sich-im-Bett-Wälzen und darauf Hoffen, dass sich fünf Minuten wie eine Stunde anfühlen, bringt man nämlich den eigenen Körper aus der gesunden Balance. Dann schon lieber den Luxuskörper mit Koffein und Zucker schädigen – der Spaß ist exponentiell höher. Jetzt bleibt dem frühen Vogel nur noch zu hoffen, dass der Wurm kein Schlummertastendrücker ist. (RONDO, 5.11.2018)

    Mitreden: Wie geht es Ihnen eine Woche nach der Zeitumstellung?

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