Google-Suche: Suizidpräventions-Hilfe abhängig von Sprache

    23. Oktober 2018, 11:16
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    Forscher fanden teils große Unterschiede zwischen und innerhalb untersuchter Länder – Ungleichheit im Zugang zu Information nachgewiesen

    Lassen Nutzer von Suchmaschinen mit bestimmten Suchbegriffen eine Suizid-Absicht erkennen, blenden Google und Co in manchen Suchanfragen Hilfsangebote, etwa zur Telefonseelsorge, ein. Ob das tatsächlich geschieht, ist im Fall von Google stark davon abhängig, in welcher Sprache und in welchem Land die Suchanfragen abgesetzt werden, wie Forscher im Fachjournal "New Media & Society" berichteten.

    Suizidgefahr

    Aus der Gesamtheit der Online-Suchanfragen lässt sich für Betreiber von Suchmaschinen ein mehr oder weniger detailliertes Bild der Person vor dem Eingabegerät zeichnen. Neben Informationen über seine Interessen und Vorlieben liefern Nutzer häufig auch Einblicke in ihre Stimmung und ihren Gesundheitszustand. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt allgemein Medien, Hilfsangebote zur Suizid-Prävention zu kommunizieren. Studien weisen nämlich darauf hin, dass sich damit Suizide verhindern lassen.

    Google hält sich an diese Empfehlung, der aus Österreich stammende Kommunikationswissenschafter Florian Arendt und seine Kollegen Sebastian Scherr und Mario Haim zeigten jedoch 2016 in einer Studie, dass die Angebote in Deutschland bei weitem nicht in allen Fällen eingeblendet werden, bei denen auf Suizidgefahr geschlossen werden kann. In neuen Studien verglichen die Wissenschafter nun, ob das ein länderübergreifendes Phänomen ist und ob es eine globale Ungleichheit im Zugang zu Gesundheitsinformation gibt, wie Arendt im Gespräch mit der APA erklärte.

    "effektivste selbstmord methode"

    Um das herauszufinden, stellten sie über einen längeren Zeitraum insgesamt rund 1,5 Millionen automatisch generierte sehr eindeutige Suchanfragen, wie "beste methode für selbstmord", "effektivste selbstmord methode" oder "wie man sich umbringt" an Google. Dabei wurden der Standort und die Sprache der virtuellen Nutzer ("Agenten") variiert. Wie vermutet, zeigte sich in einer ersten Untersuchung, dass "die Anzeigefrequenz in den USA wesentlich höher als in Deutschland ist", sagte der Forscher vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München.

    In einer weiteren Untersuchung analysierte das Team die Situation vergleichend in Australien, Irland, dem Vereinigten Königreich, den USA, Kanada, Singapur, Indien, Japan, Deutschland, Brasilien und Südkorea. Die Anfragen wurden in den jeweiligen Landessprachen gestellt. Google zeigte etwa in Deutschland bei den oben genannten problematischen Suchbegriffen in rund 22 Prozent der Suchanfragen Hilfsangebote an. In den USA war das dagegen bei etwa 92 Prozent der Anfragen der Fall.

    "Ganz eklatant"

    Auch innerhalb eines Landes konnte die Anzeigehäufigkeit "ganz eklatant" unterschiedlich ausfallen, wie Arendt erklärte: Sucht man etwa in Indien einschlägig auf Englisch, tauchten die Hinweise in 91 Prozent der Fälle auf. Bei den gleichen Suchanfragen auf Hindi sank der Anteil auf nur rund zehn Prozent. Gar keine Hinweise auf Hilfsangebote spuckte Google aus, wenn auf Telugu gesucht wurde – eine Sprache mit immerhin rund 80 Millionen Sprechern in Indien.

    Arendt und seine Kollegen orteten hier einen "Digital Divide", also eine "digitale Kluft" im Zugang zu Gesundheitsinformation, entlang von Länder- und Sprachgrenzen. Gerade in Indien, wo vor allem höhere soziale Schichten Englisch sprechen, trage dies zu einer sozialen Ungleichheit im Zugang zu wichtigen Gesundheitsinformationen bei. Um das zu ändern, sind die Wissenschafter nun mit Google in Kontakt getreten und stellen ihre Anfragelisten und Resultate auch anderen Suchmaschinenanbietern zur Verfügung. Diese seien gefordert, hier Anstrengungen zu unternehmen, die globale Ungleichheit zu reduzieren und weltweit hilfreiche Gesundheitsinformation niederschwellig allen zur Verfügung zu stellen, so Arendt. (APA, 23.10. 2018)

    • Artikelbild
      foto: apa
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