Yppenplatz-Standler lehnen sich gegen das Wiener Marktamt auf

    22. Oktober 2018, 21:07
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    Die Betreiber wollen sich nicht an die neuen Kernöffnungszeiten an fünf Tagen die Woche halten

    "Früher war das alles hier voll. Mit Standl‘n und mit Leuten", sagt Rosa Tobin und deutet auf den Yppenplatz. Dort reihen sich am Montagnachmittag viele Marktstände aneinander, deren Fenster und Türen geschlossen sind. Seit 51 Jahren wohnt Tobin am Rande des Ottakringer Brunnenmarkts.

    Vor vielen Jahren hätten die Stände den ganzen Tag offen gehabt, erzählt sie. Jetzt sei nur mehr am Wochenende viel los. Der Trend, dass der Yppenplatz als Teil des Brunnenmarktes im 16. Wiener Gemeindebezirk dieses Bild abgibt, soll gebremst werden.

    foto: vanessa gaigg
    Seit mehr als fünf Jahrzehnten kauft Rosa Tobin am Brunnenmarkt ein. Sie ist auch Stammkundin bei Thomas Anderl, der gegen die neue Marktordnung protestiert.

    Denn seit 1. Oktober gilt die neue Wiener Marktordnung, die vorsieht, dass alle Marktstände von Dienstag bis Freitag zwischen 15 und 18 Uhr sowie am Samstag von 8 bis 12 Uhr verpflichtend geöffnet haben müssen. So will die Stadt Leerstand auf Märkten bekämpfen. Standplätze würden dauerhaft als günstige Lagerstätten verwendet werden, wurde kritisiert.

    Doch bisher würden sich nur wenige an die neue Regelung halten, sagt Thomas Anderl, der seit 1987 Bio-Lebensmittel am Yppenplatz verkauft. Weswegen es auch zwischen Dienstag und Freitag nicht viel anders aussehen würde als am Wochenanfang. Denn die neue Regelung funktioniere für kleine, regionale Anbieter einfach nicht, meint der Standbetreiber. "Ich bestelle am Montag die Ware bei meinem Produzenten, die Lieferung erfolgt am Donnerstag. Am Samstagnachmittag sind wir ausverkauft", rechnet Anderl vor.

    foto: vanessa gaigg
    Thomas Anderl (links) betreibt die "Arge Rosenauerwald" und will sich gegen die neue Marktordnung wehren. Nachbar Cris Nessmann (rechts) betreibt die "Kärntnerei Kasnudel". Er kann es sich leisten, länger aufzusperren. Den Protest versteht er trotzdem.

    "Es ist eine schlechte Situation für einen kleinen Betrieb wie uns", sagt auch Matthias Bauer, dessen Familie eine kleine Bäckerei betreibt und von Niederösterreich nach Wien pendelt. Es sei finanziell "einfach nicht stemmbar."

    An die neuen Öffnungszeiten haben sie sich bisher nicht gehalten, weswegen auch schon drei Mahnungen ins Haus geflattert sind. Jetzt droht der Entzug des Standes. Auch Anderl hat schon zwei Mahnungen kassiert.

    Drei Tage, 2,50 Euro Umsatz

    "Märkte können nur überleben, wenn sie mit Supermärkten konkurrieren können", sagt Alexander Hengl, Sprecher des Wiener Marktamtes. Und dies sei eben nur durch Kernöffnungszeiten möglich, die die Einkaufsplanung für die Besucher erleichtern würden. "Wir wollen verhindern, dass die Märkte aussterben."

    Doch genau das würde jetzt passieren, wenn man die kleinen Standler verdränge, kritisiert Anderl, der sich jahrelang für die Einführung einer Fußgängerzone an der "Nordzeile" des Yppenplatzes eingesetzt hat, die jetzt auch kommen soll. Derzeit stehen unter der Woche direkt vor den Marktständen noch reihenweise Autos, die den Zugang erschweren.

    foto: vanessa gaigg
    Sefik Beyti Ölcan verkauft Käse in der Brunnengasse. Seinen Stand am Yppenplatz verwendet er unter der Woche vor allem als Lagerhalle. "Dorthin kommen einfach keine Leute", sagt er.

    Şefik Beyti Ölcan betreibt sowohl in der Brunnengasse als auch am Yppenplatz einen Stand. Letzteren nützt er vor allem als Lager. Wegen der neuen Öffnungszeiten habe er den Stand am Yppenplatz nun aufgesperrt. Innerhalb von drei Tagen habe er einen Umsatz von 2,50 Euro gemacht, erzählt er. "Es kommen einfach keine Leute dorthin."

    "Drei Stunden am Tag müssen einfach drinnen sein", sagt der grüne Marktsprecher Rüdiger Maresch. "Der Feinkostladen in der Stadt schafft das ja auch." Denn ansonsten sei am Markt "tote Hose." Nur so könne der Markt wieder belebt werden. Dass der Markt wiederbelebt werde, wolle er auch, sagt Anderl. Aber das "Tempo", die strengen Kontrollen und die verpflichtenden Vorgaben seien falsch. Die Standler wollen nun eine Unterschriftenaktion starten. (Vanessa Gaigg, 22.10.2018)

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