Nina und Max Hollein: "Online-STANDARD ist Home away from Home"

    Interview22. Oktober 2018, 14:47
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    Nina und Max Hollein sind nach Stationen in Frankfurt und San Franscisco diesen Sommer in New York gelandet sind

    STANDARD: Wie soll das Museum der Zukunft aussehen?

    Max Hollein: "Museum" ist nicht nur ein Ort, den man besucht, sondern vielmehr eine Aufgabe zu Bildung, Vermittlung und Diskussion – weit über den physischen Perimeter des Museumsgebäudes hinaus.

    STANDARD: Geht es in den Bereichen Kunst, Mode und deren Institutionen heute überhaupt noch ohne Social Media?

    Max Hollein: Das kulturinteressierte Publikum ist so facettenreich und diversifiziert, dass es sehr unterschiedliche Kanäle verwendet und braucht, um inhaltlich engagiert und informiert zu bleiben.

    Nina Hollein: Große Modekonzerne können es sich nicht leisten, nicht einen ebenso großen Auftritt in diversen Social Media Kanälen zu haben. Kleinere Betriebsformen setzen vielleicht sogar bewusst auf einen alternativen Weg. Man kann Social Media auch gezielt nutzen, ohne gleich mehrere Millionen Follower zu haben.

    STANDARD: Wird die Freiheit im Netz die Freiheit der Kunst / der Kunstformen weiter einschränken?

    Max Hollein: Kunst wird immer nicht nur alle Möglichkeiten ausnutzen, sondern auch fortwährend erweitern und die Grenzen verschieben.

    STANDARD: Nirgendwo verschmelzen Kunst und Mode so wie in New York. Wie eng ist diese wechselseitige Beziehung mittlerweile?

    Nina Hollein: Die Synergie sieht an der Oberfläche so aus: Die Modewelt sucht dringend Anerkennung im Museum, und die Kunstinstitutionen nutzen die breit gestreute Anziehungskraft der Mode.

    Max Hollein: So wie Malerei, Skulptur oder Film ist auch Mode eine bedeutende künstlerische Ausdrucksform, wobei die Grenzen zwischen diesen Medien zunehmend verschwinden.

    STANDARD: Wien, New York, Frankfurt, San Francisco, New York: Wie schön oder wie anstrengend ist eine globalisierte Lebensform?

    Nina Hollein: Beides stimmt – sehr schön und sehr anstrengend! Ein Umzug als fünfköpfige Familie ist nicht nur ein physischer Kraftakt. Man muss vor allem im Kopf dazu bereit sein, sich neu zu erfinden und in ein fremdes Umfeld einzutauchen. So ein Neubeginn ist durchaus eine berauschende Sache, eine Mischung aus Adrenalin, Sorgen und Glückshormonen. Zu oft möchte man das aber nicht machen. Wir haben uns für unseren Weg immerhin über zwanzig Jahre Zeit genommen.

    STANDARD: Apropos Vision: Wenn man im Metropolitan Museum of Art und in New York gelandet ist, gibt es dennoch etwas, wo man noch hin will?

    Max Hollein: Wir sind gerade erst angekommen, an woanders denken wir jetzt in keinem Fall. New York ist ein guter Ort zum Bleiben.

    Nina Hollein: Und jeden Sommer kommen wir auf Urlaub nach Österreich.

    (Mia Eidlhuber, 22.10.2018)

    Max Hollein, geb. 1969 in Wien, leitet seit Sommer 2018 das Metropolitan Museum in New York City. Der Sohn des Architekten Hans Hollein studierte in Wien Wirtschaft und Kunstgeschichte und war zunächst am Guggenheim-Museum in NY tätig. Hollein leitete 15 Jahre lang die Schirn-Kunsthalle in Frankfurt, später zusammen mit dem Städel-Museum und dem Liebieghaus.

    Nina Hollein, geb. 1971, studierte Architektur in Wien und arbeitete zunächst für verschiedene Architekturbüros (u. a. Albert Speer). Die Designerin und Autorin gründete 2009 ihr eigenes Label (ninahollein.com) und lebt seit dem Sommer – nach den Stationen Frankfurt und San Francisco – mit ihrem Mann Max Hollein und den drei Kindern in New York City.

    Mia Eidlhuber schreibt seit 2004 für den STANDARD, seit 2016 leitet sie das ALBUM.

    • Max und Nina Hollein (er als neuer Chef des Metropolitan Museum of Art und Nina als Modemacherin) müssen immer wieder visionäres Denken beweisen.
      foto: ho

      Max und Nina Hollein (er als neuer Chef des Metropolitan Museum of Art und Nina als Modemacherin) müssen immer wieder visionäres Denken beweisen.

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