Schüler hielt in Frankreich Lehrerin Pistole an den Kopf

    22. Oktober 2018, 15:15
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    Nach der gefilmten Attacke verspricht die Regierung Abhilfe gegen Schulgewalt

    Frankreich – Emmanuel Macron fasste den Vorfall in ein Wort – "inakzeptabel". Der französische Präsident bezog sich auf ein Video, das einen Schüler des Pariser Vororts Créteil in einer eigentlichen Henkerpose zeigt: Der 15-Jährige hält in seinem Lycée Édouard-Branly vor der ganzen Klasse minutenlang eine Schusswaffe an die Schläfe der Lehrerin. Lachend verlangt er von ihr, dass sie ihn als "anwesend" eintrage, obwohl er zu spät in den Unterricht gekommen war. Die rund 50-jährige Lehrerin sitzt auf einem Sessel vor einem Computer und bewegt sich nicht. Ein zweiter Schüler schiebt sich ins Bild und zeigt mehrmals den Mittelfinger. Dann endlich bricht das Video ab.

    Kurz darauf über die sozialen Medien veröffentlicht, löste die Filmsequenz im Nu einen landesweiten Entrüstungssturm aus. Dass sich die verwendete Pistole als Attrappe herausstellte, änderte nichts an der brutalen Wirkung der Videobilder. Die Lehrerin, die von Augenzeugen als schüchtern und "abgestumpft" geschildert wird, informierte die Direktion erst Stunden später, um Klage einzureichen. Der Schüler stellte sich darauf selber der Polizei, die ihn in Untersuchungshaft nahm. Er erklärte, er habe nur "Spaß" machen und die Lehrerin nicht einschüchtern wollen. Seine Eltern meinten am Montag, das Ganze werde "aufgebauscht".

    Das Video der Attacke verbreitete sich im Netz.

    Dreieinhalb Jahre Haft drohen

    Der Schüler wurde vom Unterricht suspendiert und darf das Departement Val-de-Marne vorläufig nicht mehr betreten. Im November wird er einem Jugendrichter vorgeführt. Wenn er sich wie erwartet wegen schwerer Gewaltausübung verantworten muss, drohen ihm dreieinhalb Jahre Gefängnis – das halbe Strafmaß eines Volljährigen. Die Urheber des Videos waren vorerst nicht zu ermitteln.

    Bildungsminister Jean-Michel Blanquer bezeichnete sich als "schockiert und skandalisiert". Er präzisierte, die betroffene Mittelschule von Créteil liege nicht einmal in einer "schwierigen" Banlieue-Wohnzone. An sämtlichen Mittelschulen Frankreichs würden täglich 442 Gewaltakte registriert. Schulexperten erklärten, die verbale und auch körperliche Gewalt im Schulalltag werde schon fast banal. Da sei es sekundär, ob die so stoische Reaktion der Lehrerin dem Schock- oder einem Gewöhnungseffekt zuzuschreiben sei.

    Minister will "Ordnung und Autorität"

    Macron beauftragte seine Regierung, gegen die Schulgewalt "alle Maßnahmen" zu ergreifen. Blanquer sagte, er werde an den Mittelschulen "wieder Ordnung und Autorität" herstellen und sich zu diesem Zweck mit Innen- und Polizeiminister Christophe Castaner treffen. Seit ein paar Monaten komme es gerade auch vor den Schulen zu Schlägereien verfeindeter Banden. Ein Zwölfjähriger war dabei im Oktober umgekommen.

    Der als konservativ geltende Erziehungsminister will auch die Eltern vermehrt einspannen. Wenn sie die Erziehung ihrer Sprösslinge vernachlässigen, sollten sie selber sanktioniert werden, meinte er. Immer wieder kommt es in Frankreich vor, dass Väter und Mütter gegen die Lehrer ihrer Kinder ausfällig oder gar tätlich werden.

    Wie Blanquer in einem Interview erklärte, fühlt er sich durch den Vorfall in Créteil auch bestärkt in seinem Vorgehen gegen Handys an Mittelschulen. Mobiltelefone sind in Frankreich seit diesem Herbst bereits an den Grundschulen sowie am Collège (elf bis 14 Jahre) untersagt. An den Lycées (15 bis 18 Jahre) werden allfällige Verbote den einzelnen Schulrektoren überlassen. "Wir müssen uns fragen, ob die Vorgänge in Créteil nicht begangen wurden, um gefilmt und verbreitet zu werden", meinte Blanquer. "Dagegen werden wir entschlossen vorgehen." (Stefan Brändle, 22.10.2018)

    • Erziehungsminister Jean-Michel Blanquer nimmt den Vorfall zum Anlass, verstärkt gegen Handys an Schulen vorzugehen.
      foto: apa/afp/bertrand guay

      Erziehungsminister Jean-Michel Blanquer nimmt den Vorfall zum Anlass, verstärkt gegen Handys an Schulen vorzugehen.

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