Cyberwar: Das Bundesheer testet elektronische Waffen

    22. Oktober 2018, 09:56
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    Das Gerät stört Funk- und GPS-Signale und soll so Drohnenangriffe abwehren

    Das Bundesheer testet derzeit eine neuartige Drohnenabwehr. Statt Raketen oder Fliegerabwehrkanone soll eine elektronische Waffe Bedrohungen aus der Luft begegnen. Einer größeren Öffentlichkeit wurde das Gerät, das einer Bazooka ähnlich sieht, vergangene Woche auf der IKT-Sicherheitskonferenz des Heeres in Alpbach gezeigt. Die Waffe funktioniert wie ein starker Sender, der Funk- und GPS-Signale elektronisch stört. Diese Signale benötigen Drohnen für ihren Flug; brechen sie ab, stürzen die Drohnen ab oder legen automatisch eine Notlandung ein.

    Unsichtbare Drohnen

    Die Abwehr von Drohnenangriffen ist allerdings keine leichte Aufgabe, da Drohnen unter einer Größe von drei Metern für das Radar des Bundesheers unsichtbar sind. Daher tüftelt das Heer an verschiedenen Möglichkeiten der Drohnenabwehr. Dafür wurde das Projekt "Eldro" ins Leben gerufen.

    foto: bundesheer
    Das Bundesheer übt die Drohnenabwehr.

    Das GPS-Signal kann vergleichsweise einfach gestört oder blockiert werden. Da es zur Navigation nur sehr schwach auf der Erde auftrifft, bedarf es zur Störung der Navigationssysteme am Boden nur eines schwachen Störsignals. Anleitungen zum Bau von Störsendern, sogenannten GPS-Jammern, sind im Netz haufenweise zu finden.

    Iran kaperte CIA-Aufklärungsdrohne

    Wie leicht Drohnen zu kapern sind, zeigte sich 2011. Damals gelang es dem Iran, eine CIA-Aufklärungsdrohne zu erbeuten. Dabei soll eine bekannte Schwachstelle ausgenutzt worden sein. Die Drohne, die mit verschlüsselter militärischer GPS-Kommunikation gesteuert wird, wurde durch eine Art DDOS-Angriff auf dieses Signal gezwungen, auf die einfachere unverschlüsselte Kommunikation umzuschalten, die wiederum vom Iran erfolgreich kontrolliert wurde.

    Einsatz in Syrien

    Welche Stellung Drohnen mittlerweile in der Kriegsführung haben, zeigt der Bürgerkrieg in Syrien. Dort setzen nicht nur die USA, sondern auch der Iran Drohen im Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) ein. Diese Drohnen haben laut iranischen Angaben Panzer, Truppentransporter, Fahrzeuge für Selbstmordanschläge und Kanonen ausgeschaltet und so geholfen, das "Blatt zu wenden". Das iranische Regime unterstützt den syrischen Machthaber Bashar al-Assad.

    Der IS setzt wiederum Drohnen zur Aufklärung ein – meist Geräte, die frei im Handel zu erstehen sind. In den vergangenen Monaten wurden IS-Männer verhaftet, als sie versuchten, in Europa derartige Drohnen zu kaufen und nach Syrien zu transportieren.

    wired
    Wie man Drohnen erlegt.

    Im August sorgte ein gescheitertes Attentat in Venezuela für weltweite Schlagzeilen. Während einer Rede von Präsident Nicolás Maduro explodierten mehrere mit Sprengstoff beladene Drohnen in der Nähe des Staatschefs. Sieben Mitglieder der Nationalgarde wurden dabei verletzt, Maduro selbst blieb unversehrt.

    Bei der IKT-Sicherheitskonferenz in Alpbach traten Sprecher von Rüstungsfirmen ebenso wie von IT-Unternehmen als Vortragende zum Thema "Krieg im Cyberspace" auf. Das Abwehramt, im Bundesheer eine Art Werksschutz, berichtete über "Hacker im Nachrichtendienst". (Markus Sulzbacher, 22.10.2018)

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