B&C-Stiftung stemmt sich gegen "feindliche Übernahme"

21. Oktober 2018, 19:05
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Der Hauptaktionär von Amag und Co will nicht zu Investor Tojner und fordert von der Bank-Austria-Mutter Unicredit Vertragstreue

Wien – Die B&C Privatstiftung, die Mehrheitsanteile an Industriebetrieben wie den Aluminiumkonzern Amag in Ranshofen, den Faserhersteller Lenzing und den Kautschuk- und Gummiverarbeiter Semperit hält, will sich gegen eine "feindliche Übernahme" durch Investor Michael Tojner und die Bank-Austria-Mutter Unicredit wehren. "Ich erwarte, dass sich Bank und Unicredit dazu entschließen, sich an die wirksamen und guten Verträge zu halten", sagt Stiftungsvorstand Wolfgang Hofer zum STANDARD. Er verstehe, dass 100 Millionen und mehr "eine gewaltige Locksumme für Leute sein können, Verträge zu brechen", von einer regulierten Großbank könne er das aber nicht glauben.

Unicredit gab keinen Kommentar "zu Gerüchten und Spekulationen". Investor Tojner soll zuletzt immer wieder an die Stiftung herangetreten sein, um etwaige Beteiligungen auszuloten, man habe ihn aber abblitzen lassen, wird kolportiert. Auch Tojner war zu keiner Stellungnahme bereit.

Wie DER STANDARD am Wochenende berichtete, soll Tojner mit Hilfe der Italiener versuchen, die Kontrolle über die Stiftung zu erlangen. Er bietet der Bank dem Vernehmen nach 100 Millionen Euro für deren Begünstigtenrechte und 150 Millionen Euro für das Recht, den Stiftungsvorstand zu besetzen – das Geld dafür soll aus der Stiftung kommen. Diese Rechte hat die Unicredit in den Augen der B&C Stiftung aber seit 2008 gar nicht mehr, Tojner hat offenbar eine andere Rechtsansicht.

Doppelverwertung

In einer Aussendung bestätigte die 2000 von der Bank Austria (BA) gegründete Industriestiftung die Informationen des STANDARD. Da werde versucht, die der Unicredit im Jahr 2008 durch die B&C Stiftung abgelösten Rechte "ein zweites Mal zu verwerten". Stiftungsvorstand Wolfgang Hofer: "Ja, es gibt diese Versuche von Unicredit und Herrn Tojner. Wir werden alles daran setzen, eine Aushöhlung unserer Betriebe sowie einen Abzug substanzieller Mittel aus der B&C-Gruppe zu verhindern." Unicredit habe seit 2008

Zur Erinnerung: Die BA hat die Stiftung gegründet, als die Bank unter Gerhard Randa an die deutsche HVB verkauft wurde. So blieben die genannten Industriebeteiligungen, aber auch Imperial Hotels Austria AG (inklusive Wiener Hotel Bristol) und Alwa (größtes mitteleuropäisches Jagdgebiete beim steirischen Donnersbachwald; beides ist verkauft) in BA-Nähe. Die Genussrechte (Dividendenrechte) aus den Beteiligungen blieben bei der BA.

Spannungen mit Mailand

Als deren nächste Eigentümerin Unicredit immer begehrlichere Blicke auf die Beteiligungen warf, kam es zu beträchtlichen Spannungen zwischen Wien und Mailand. Und 2008 zum nächsten Deal. Unicredit konnte zwar die Stiftung nicht knacken, machte aber ihre Genussrechte zu Geld. Die B&C Stiftung erwarb sie um 1,2 Milliarden Euro. "Damit hat Unicredit 2008 auf all ihre Rechte verzichtet, die Trennung zwischen Bank und Stiftung war vollzogen", so die Stiftung.

Anders ausgedrückt: Unicredit hat in den Augen von B&C nichts mehr mit der Stiftung zu tun, Tojner könne sie daher auch nicht über diesen Umweg knacken.

Zuletzt setzten allein die börsennotierten Industrieunternehmen der Gruppe 4,2 Milliarden Euro um, machten einen Gewinn von 495 Millionen Euro und beschäftigten in Österreich 5000 Mitarbeiter. (Renate Graber, 22.10.2018)

  • Der Aluhersteller Amag in Ranshofen gehört zu den Perlen im Beteiligungsportfolio der B&C Stiftung. Sie ist ins Visier von Investor Michael Tojner geraten.
    foto: ho / amag

    Der Aluhersteller Amag in Ranshofen gehört zu den Perlen im Beteiligungsportfolio der B&C Stiftung. Sie ist ins Visier von Investor Michael Tojner geraten.

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