Europäische Raumsonde ist unterwegs zum Merkur

    21. Oktober 2018, 10:47
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    Start geglückt, im Dezember soll der Ionen-Antrieb von BepiColombo angeworfen werden – 2025 soll die Sonde am Ziel sein

    foto: apa/afp/jody amiet
    Der Start in Kourou.

    Kourou/Darmstadt – Der erste kritische Phase der Mission BepiColombo zur Erforschung des Planeten Merkur ist erfolgreich verlaufen. Eine Trägerrakete Ariane 5 startete am Samstag um 03.45 Uhr mit der Forschungssonde an Bord vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana. Um 4.21 Uhr bestätigte ein Signal dann, dass sich BepiColombo von der Rakete gelöst hat. Nun dürfte es für die Sonde deutlich ruhiger werden: Sie befindet sich auf einem Flug, der sie in sieben Jahren zum innersten Planeten des Sonnensystems führen wird.

    "Ich bin erleichtert", sagte der Direktor der Europäischen Weltraumorganisation ESA, Johann-Dietrich Wörner, in Kourou, unmittelbar nach dem Start. "Wenn man ehrlich ist, haben wir jetzt erst einen ganz kleinen Schritt geschafft. Es ist die erste Stunde von sieben Jahren."

    Der weitere Fahrplan

    Mitte Dezember wird allerdings noch einmal die Spannung erneut steigen: Dann kommen erstmals die Ionen-Triebwerke der Sonde zum Einsatz. Sollten sie nicht funktionieren, könnte die Mission scheitern.

    Nach ESA-Berechnungen erreicht die 6,40 Meter hohe und 4,1 Tonnen schwere Raumsonde, die zwei Satelliten an Bord hat, den Merkur im Dezember 2025. Genau genommen wird sie schon früher dort sein, allerdings nicht dauerhaft: Unterwegs muss die Raumsonde nämlich neun Mal Planeten passieren, vor allem zum Entschleunigen. Ein Mal wird sie in einem solchen Swingby-Manöver die Erde passieren, zwei Mal die Venus und sechs Mal den Merkur. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in die Sonne fliegen", erläuterte Wörner. "Das heißt, wir müssen die ganze Zeit bremsen."

    Welche Technologie zum Einsatz kommt

    Ist die Sonde erst einmal endgültig am Merkur angekommen, trennen sich die beiden Satelliten von der Sonde und erforschen den Planeten auf unterschiedlichen Umlaufbahnen. Der ESA-Satellit MPO (Mercury Planetary Orbiter), auch "Bepi" genannt, soll die Oberfläche untersuchen – unter anderem mit einem in Münster entwickelten Infrarotspektrometer. Der japanische Satellit MMO (Mercury Magnetospheric Orbiter) oder "Mio" nimmt das Magnetfeld des Planeten ins Visier.

    An Bord ist auch High-Tech aus Österreich. So sorgt etwa Weltraumtechnik "made in Austria" für den Hitzeschutz. "Merkur ist der sonnennächste Planet, daher muss die Sonde extreme Hitze über 450 Grad aushalten", teilte Max Kowatsch, Geschäftsführer der Ruag Space Austria im Vorfeld des Missions-Starts mit. Die am niederösterreichischen Ruag-Standort in Berndorf hergestellte Thermalisolation schützt die Sonde vor den extremen Temperaturen.

    Die Erforschung des Merkur

    Bisher haben nur zwei US-Sonden den sonnennächsten Planeten erkundet: Mariner 10 in den 1970er-Jahren und die Sonde Messenger, die 2011 in eine Umlaufbahn um den Planeten eintrat. Namensgeber der aktuellen Mission ist der italienische Mathematiker Bepi Colombo (1920-1984). Er hatte Grundlagen für eine Flugbahn zum Merkur berechnet.

    ESA-Chef Wörner bezifferte die Gesamtkosten der Mission inklusive Entwicklung und Betrieb auf rund zwei Milliarden Euro. Davon trägt die ESA 1,5 Milliarden Euro. (APA, red, 21. 10. 2018)

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