Geständnis mit Reinwaschung

20. Oktober 2018, 10:39
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Die saudischen PR-Milliarden werden nichts daran ändern, dass Kronprinz Mohammed bin Salman international als der Mörder Jamal Khashoggis gelten wird

Das Erwartete ist eingetreten, Saudi-Arabien hat das zugegeben, was man auch unter Nichtbeachtung aller schrecklichen Details, die die türkischen Medien seit zwei Wochen verbreiten, als sicher ansah: Jamal Khashoggi ist am 2. Oktober im saudischen Generalkonsulat in Istanbul gestorben. Er wurde von saudischen Agenten getötet. Nein, nicht ermordet, sagen die Saudis, es war leider ein Unfall. Er sollte ja nur gekidnappt, pardon überredet werden, nach Saudi-Arabien zu kommen.

Am 5. Oktober, zwei Tage nach der Tat, sagte Kronprinz Mohammed bin Salman in einem Interview, er habe keine Ahnung über den Verbleib Khashoggis, dieser habe das Konsulat wohl wieder verlassen. Damit so ein Irrtum nicht wieder passiert, wurde MbS, wie er allgemein genannt wird, soeben zum Chef der Kommission, die nun die saudischen Geheimdienste neuordnen soll, bestellt. Zynischer geht es nicht mehr.

Es kommt demnach genau so, wie in diesem Medium vor einer Woche in einem Kommentar vorausgesagt: Die Saudis geben etwas zu, MbS wird reingewaschen. Derjenige, der im letzten Jahr alles, was in Saudi-Arabien irgendwie mit Sicherheit zu tun hat, unter seine Kontrolle gebracht hat, wusste von nichts. Wenn man als loyaler MbS-Bewunderer nun nicht – wie der Rest der Welt – glaubt, dass dieser am 5. Oktober log, dann sollte man sich die Frage stellen, ob er vielleicht faul oder unfähig ist. Anders ist es nicht möglich, dass die Entführung eines weltbekannten saudischen Publizisten so einfach an ihm vorbei geplant wird.

Verrechnet

Nein, er ist in der Tat weder das eine noch das andere. MbS hat einfach gedacht, es geht durch, das tut es ja auch bei anderen, etwa beim russischen Präsidenten, der Leute in Europa vergiften lässt und mit der hocherfreuten Außenministerin der Österreichischen EU-Präsidentschaft bei deren Hochzeit Walzer tanzt. Und es wird auch jetzt durchgehen, zumindest einstweilen. Zwar hat US-Präsident Donald Trump etwas gepoltert – er hat gelernt, dass er die Stimmungen unter den Republikanern nicht einfach ignorieren kann –, aber letztendlich werden ihm die saudischen Versicherungen genügen, um seine Waffen weiter an Riad zu verkaufen. Er braucht die Saudis auch als Säule seiner Anti-Iran-Politik. Auch die wirtschaftlich angeschlagene Türkei wird abgefunden werden. Sie hat ja noch immer die Wahrheit in der Hand, legt aber aus mehreren Gründen die Beweise nicht auf den Tisch, sondern leakt an ihre Medien Details, die stimmen können oder auch nicht. Mit dem, was die Saudis jetzt zugegeben haben, passen die türkischen Geschichten über das Ende Khashoggis jedenfalls nicht zusammen.

Wie pragmatisch sich andere Staaten verhalten werden, ob sie die saudische Erklärung akzeptieren, wird man erst sehen. Es geht um big business und die Angst vor hohen Ölpreisen. Aber all die Milliarden, die die Saudis für ihre "Public Diplomacy" – sprich PR und Lobbying – einsetzen, werden die öffentliche Meinung nicht ändern, die an einen direkten Mordauftrag glaubt.

Zwei Entlassungen im Sicherheitsbereich – neben den 18 Personen, die direkt in die schrecklichen Geschehnisse in Istanbul verwickelt waren – reichen direkt in den engeren Zirkel: General Ahmed al-Asiri wird als Vizegeheimdienstchefs, zu dem ihn MbS gemacht hat, entfernt: Da er jedoch Chef der saudischen Cybersecurity bleibt, ist seine Karriere aber wohl noch nicht beendet. Der andere, Saud al-Qahtani, ist eine schillernde Figur, Der Berater des Hofs war besondern auf social media der Wachhund über das Image des Kronprinzen. Dem Twitter-Gedächtnis verdankt man folgenden Tweet, den Qahtani vor zirka einem Jahr abgesetzt hat: "Ich tue nichts auf eigene Initiative, ohne Befehl, ich bin ein Angestellter und Ausführender der Befehle meines Königs und meines Kronprinzen." (Gudrun Harrer, 20.10.2018)

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    foto: imago/kevin dietsch
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