Für wen taugt Linux?

    20. Oktober 2018, 11:31
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    Das freie Betriebssystem ist es mit den Jahren viel benutzerfreundlicher geworden

    Linux gilt vielen immer noch als Plattform für Nerds. Dabei ist es mit den Jahren viel benutzerfreundlicher geworden und längst eine echte Alternative zu Windows. Das Betriebssystem mit dem Pinguin als Maskottchen ist dank schlanker und Ressourcen-schonender Distributionen selbst – oder gerade – für ältere Systeme geeignet. Doch Linux ist nicht gleich Linux, und Einsteiger müssen sich erst einarbeiten.

    Im Dschungel verschiedener Linux-Systeme

    Es gibt einen ganzen Dschungel verschiedener Linux-Systeme, die sogenannten Distributionen. Die Kunst ist es, die richtige für den eigenen Gebrauch zu finden. Einer der größten Vorteile von Linux ist der Preis: Die Distributionen sind für Privatnutzer in aller Regel kostenlos. Ausprobieren kostet also nur Zeit.

    Liane Manuela Dubowy vom Fachmagazin "c't" empfiehlt Einsteigern Ubuntu, OpenSuse oder Linux Mint. Alle ließen sich einfach installieren und brächten gleich eine ordentliche Grundausstattung an Programmen mit. Die Benutzeroberflächen der drei Distributionen seien zudem logisch aufgebaut, leicht zu bedienen und auch anzupassen. Besonders Kenner älterer Windows-Versionen finden sich dort schnell zurecht. Wer eine noch stärkere Windows-Orientierung sucht, sollte die Ubuntu-Variante Xubuntu ausprobieren, die auch keine großen Hardware-Anforderungen ans System stellt.

    Erfahrene Nutzer greifen zu Debian oder Fedora.

    Anlehnung an Windows oder MacOS

    Noch schicker wird es mit Linux Mint, das sich mit seiner Cinnamon-Oberfläche an den neuesten Windows-Versionen orientiert. Wer vom Mac kommt, sollte zum Einstieg in die Linux-Welt Elementary OS ausprobieren. Die Ästhetik und Funktion der Benutzeroberfläche ist hier stark an MacOS orientiert. Dafür sieht es bei der vorinstallierten Software etwas spärlicher aus.

    foto: apa
    Elementary OS.

    Viele Linux-Distributionen sind auch als sogenanntes Live-System verfügbar. Das bedeutet, dass sie ohne Installation direkt von einer DVD oder einem USB-Stick gestartet und dann genutzt werden können. Das bietet für Einsteiger viele Vorteile: Sie können die jeweilige Distribution erst einmal testen und dabei feststellen, ob das System zu ihnen passt und mit der eigenen Hardware harmoniert.

    Office

    Linux-Nutzer sparen nicht nur beim Betriebssystem: Auch die Programme kosten für Privatanwender in aller Regel nichts. Bei den meisten Ubuntu-Distributionen ist zum Beispiel LibreOffice vorinstalliert, ein Open-Source-Konkurrent von Microsofts Office.

    Wer für ein bestimmtes Windows-Programm keine Linux-Entsprechung findet, muss den Umweg über Hilfsprogramme gehen, um die Windows-Software unter Windows weiternutzen zu können. Wine ist so eine Software. "In der Wine-App-Datenbank kann man nachsehen, wie gut die jeweilige Software unterstützt wird", erklärt Dubowy. "Die kommerzielle Wine-Variante Crossover hat sich insbesondere darauf konzentriert, die Unterstützung für beliebte Windows-Software wie Microsoft Office und Quicken zu verbessern."

    Zwei Betriebssysteme parallel

    Wer Linux nutzen möchte, aber dennoch häufig Windows benötigt, kann auch beide Betriebssysteme nebeneinander auf einem Rechner installieren – und dann immer beim Hochfahren auswählen, welches System er starten möchte. Ausführliche Anleitungen sind im Internet leicht zu finden, allerdings sollten sich nur fortgeschrittenere Nutzer an eine Parallelinstallation machen. In jedem Fall ist vorher eine Datensicherung ratsam.

    Ein weiterer Linux-Pluspunkt ist Sicherheit. "Linux-Distributionen sind in der Regel Open Source und durch eine weltweite Community geprüft", sagt Matteo Cagnazzo vom Institut für Internet-Sicherheit in Gelsenkirchen. "Außerdem gibt es mehr Restriktionen für Nutzer-Accounts." Aber auch Linux-Systeme sind nicht unangreifbar. Cagnazzo empfiehlt, das System direkt bei der Installation zu verschlüsseln, um Missbrauch vorzubeugen. Und wie immer und überall müssen auch bei Linux Updates sofort eingespielt werden. Das Gros der Schadsoftware wird zwar für Windows geschrieben, es gibt aber durchaus auch Linux-Viren.

    Vorteil: Community

    Mit Fragen und Problemen sind Linux-Nutzer nie allein. Im Netz gibt es zahlreiche Gruppen, in denen Erfahrungen ausgetauscht und Hilfestellungen gegeben werden. Dazu gehört "Linuxforen.de", wo Einsteiger in fast jedem Bereich Unterstützung finden. Für jede Linux-Distribution bestehen zudem eigene Hilfe- und Diskussionsforen. Eine Anlaufstelle für Ubuntu ist etwa "Ubuntuusers.de". (APA/dpa, 20.10. 2018)

    • Ubuntu 18.10.
      foto: screenshot

      Ubuntu 18.10.

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