Voest-Chef: Weltweit tut uns nur die US-Situation weh

    19. Oktober 2018, 13:59
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    Die Aktie gerät durch US-Sanktionen und Auto-Thema unter Druck. Eder sieht eine überhitzte Autokonjunktur

    Wien/Linz – Weltweit hat der mit 500 Standorten in 50 Ländern vertretene voestalpine-Konzern nur mit der "politischen Situation in den USA" Probleme, nur die tue der Voest "etwas weh" , sagte Generaldirektor Wolfgang Eder am Freitag auf der Gewinn-Messe in Wien.

    "Mit dem politischen Risiko wie jetzt haben wir nicht gerechnet – auch die US-Industrie nicht", meinte Eder in Anspielung auf die Handelskonflikte und Strafzölle. Doch "irgendwann wird man draufkommen, dass das auch zum Bumerang werden kann", meinte der Voest-Chef: "Wenn sich die Politik einmischt, ist das nicht gut. Das sieht man jetzt in Amerika."

    Durch die US-Sanktionen, aber auch durch das Thema Auto, sei der voestalpine-Aktienkurs in den letzten Monaten unter Druck gekommen. Das hohe Auto-Exposure – fast 35 Prozent des Umsatzes – habe den Nachteil, dass man dann von der Konjunktur dieser Branche abhängig sei. In den letzten Monaten sei es "schon einigermaßen mühsam" gewesen, durch US-Drohungen und auch die Schwellenländer-Themen.

    Autofahrer verunsichert

    In Europa seien noch das Dieselproblem und die neuen Autoabgas-Testverfahren dazugekommen, die die Verbraucher verunsichert hätten, so Eder: "Die Dinge haben sich etwas eingetrübt." Er rechne damit, dass es eine gewisse Normalisierung der Autonachfrage geben werde, gewissermaßen ein "soft landing" in den nächsten sechs bis neun Monaten von einer Überhitzung in eine Normalkonjunktur.

    Bei der Errichtung des neuen Edelstahlwerks im steirischen Kapfenberg, einer 350-Millionen-Euro-Investition, sei die voestalpine etliche Wochen vor dem Zeitplan, sodass die Fertigstellung des "modernsten Edelstahlwerks der Welt" wohl schon im ersten Halbjahr 2021 statt im zweiten Halbjahr 2021 stattfinden könne.

    Konkurrenz aus China soll nachlassen

    China biete unheimlich viel Potenzial und werde auch für die voestalpine immer bedeutsamer. China sei allerdings am Weg zu einem ganz normalen entwickelten Land, auch mit Überkapazitäten, die man anpassen müsse. "Man kann die Wirtschaft nicht dauernd mit sieben Prozent wachsen lassen." Der Druck der China-Exporte zu uns werde auch deshalb nachlassen. Langfristig werde China vom Massenproduzenten zu einem qualitativen Produzenten werden – "aber wir bleiben ja auch nicht stehen", meinte Eder.

    Im ersten Quartal 2018/19 hat die voestalpine den Umsatz um 6,7 Prozent auf 3,47 Mrd. Euro gesteigert. Der Konzern zählt 52.000 Mitarbeiter, vier mal so viel wie beim Börsengang 1995. Der Umsatz betrug damals unter einer Milliarde Euro, 2017 waren es 12,9 Mrd. Am 7. November kommen die Halbjahreszahlen. (APA, 19.10.2108)

    • Voest-Chef Wolfgang Eder erwartet sich künftig weniger Konkurrenz aus China.
      foto: reuters / heinz-peter bader

      Voest-Chef Wolfgang Eder erwartet sich künftig weniger Konkurrenz aus China.

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