Lösung für Sammlung Essl: Familie schenkt Albertina ihren Anteil

    Analyse19. Oktober 2018, 16:11
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    40 Prozent der Kunstsammlung gehen als Schenkung an die Republik – der Subventionsbedarf des umstrittenen Deals konnte noch einmal gesenkt werden

    Man muss mittlerweile von einer "Essl-Saga" sprechen, so verworren ist die Geschichte: Das Schicksal der von Baumax-Gründer Karlheinz Essl und seiner Frau Agnes seit den 1970er-Jahren aufgebauten Kunstsammlung beschäftigte bereits drei Kulturminister. Jetzt scheint eine finale Lösung gefunden zu sein: Die Familie Essl schenkt die verbliebenen 40 Prozent der Sammlung der Albertina. 1323 Kunstwerke, der Großteil davon österreichische Kunst nach 1945, gehen damit ins Eigentum der Republik über. Die restlichen 60 Prozent bleiben im Besitz der Haselsteiner Familien-Privatstiftung und als Dauerleihgabe bis zumindest 2044 ebenfalls im Bestand der Albertina.

    foto: bka/andy wenzel blümel albertina
    Gernot Blümel, Karlheinz Essl und Klaus Albrecht Schröder auf dem Weg zu ihrem Schenkungsdeal

    Gezeigt werden sollen die Werke ab nächstem Jahr im Wiener Künstlerhaus, das von Haselsteiner derzeit für bis zu 40 Millionen Euro baulich saniert wird. Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder sprach bei der Verkündigung der Schenkung am Donnerstagabend von einem "zweiten Albertina-Standort", der im Künstlerhaus, in dem auch noch die angestammte Künstlervereinigung Flächen hält, entstehen soll.

    Die Vorgeschichte: 2014 trat Karlheinz Essl an das Land Niederösterreich und den Bund mit dem Wunsch heran, die Sammlung an die öffentliche Hand zu verkaufen – auch um die trudelnde Baumarktkette zu retten. Land und Bund lehnten ab, das Baumax-Imperium ging 2015 Pleite. Im selben Jahr musste Essl auch sein 1999 in Klosterneuburg errichtetes Museum schließen. Als Retter der Sammlung sprang indes Hans Peter Haselsteiner mit einem Kredit ein. Man überführte die Sammlung in eine neu gegründete Besitzgesellschaft, an der Haselsteiner 60 Prozent hält, Essl 40.

    Drozdas umstrittener Deal

    Im Februar 2017 verkündete der damalige Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) stolz, dass die Sammlung Essl als Dauerleihgabe für zumindest 27 Jahre an die Albertina gehen solle. Mindestens 1,1 Millionen Euro Subvention jährlich waren für die Umsorgung der Kunstwerke vorgesehen. Rasch wurde Kritik an dem Deal laut. Denn große private Dauerleihgaben an staatliche Museen sind international zwar üblich, aber umstritten. Der Vorwurf: Private Sammlungen werden mit Steuergeld wertgesteigert und können vom Eigentümer oder dessen Erben später wieder abgezogen werden.

    VP-Kulturminister Gernot Blümel wollte sich mit dem Deal nicht abfinden und hat mit allen Beteiligten noch einmal nachverhandelt: Umfangreiche Dauerleihgaben stünden in der Kritik, sagte er am Donnerstag, Wertsteigerung sei "nicht im Sinne der Republik", außerdem gehe es hier um "sorgsamen Umgang mit Steuergeld".

    Karlheinz Essl und seine Familie konnten schließlich dazu bewogen werden, ihre 40 Prozent in eine Schenkung umzuwandeln. Außerdem erreichte Blümel beim_Albertina-Chef eine Reduktion des Subventionsbedarfs: 800.000 Euro für 2018, 850.000 für 2019, danach werde über eine Erhöhung der Basissubvention für die Al bertina geredet werden. Bei Haselsteiners 60-Prozent-Anteil bleibt hingegen der ursprüngliche Dauerleihgaben-Deal aufrecht.

    "Der Feind einer guten Lösung ist die bessere Lösung", bekannte denn auch Klaus Albrecht Schröder, der demnächst bei Blümel mit einer etwaigen Verlängerung seiner seit 2000 bestehenden Direktion vorstellig werden wird.

    Für die Schenkung musste die Albertina eine komplizierte Realteilung der Sammlung erstellen. Grundlage war eine Wertschätzung des Essl-Anteils, angestellt vom Auktionshaus Im Kinsky, die mit 84,5 bis 91,1 Millionen beziffert wird. Sie mag tendenziell überhöht sein, Schröder aber versichert, dass die Sammlung zwischen Haselsteiner und Essl fair geteilt worden sei: Es fänden sich "40 Prozent bedeutende Werke in der Schenkung und 60 Prozent bedeutende Werke im Haselsteiner-Anteil". In der Sammlung gebe es außerdem Werke von "nicht musealem Wert". Diese habe alle Haselsteiner übernommen, so_Schröder. Sie dienen dazu, Lücken in der Sammlung zu füllen, sprich: Handel zu treiben.

    Die Schenkung indes bleibe zur Gänze unveräußerlich. Erstmals wurde die Liste der Kunstwerke nun auch online zur Einsicht veröffentlicht. Aufrecht bleibt das Angebot der Albertina, mit der Sammlung in einen umfangreichen Leihverkehr zu gehen. Denn moniert wurde von Kritikern, dass die Werke besser in andere Museen gepasst hätten.

    Für Karlheinz Essl kam allerdings nie eine andere Adresse als die Albertina infrage, sei Schröder als seine Vertrauensperson doch der Erste gewesen, der die Sammlung in den 1990er-Jahren im Kunstforum gezeigt hat.

    Deponiert werden die Werke, worunter sich österreichische Avantgarden wie Valie Export, Günter Brus, Hermann Nitsch oder Maria Lassnig sowie Internationale wie Georg Baselitz, Paul McCarthy und Jonathan Meese finden, weiterhin im geschlossenen Museum in Klosterneuburg. Für künftige Nutzungen des Gebäudes gebe es "Überlegungen", sagt Essl. Ein zweites "Essl-Museum" schließt er aber aus: "Unsere Zukunft liegt im Künstlerhaus." (Stefan Weiss, 19.10.2018)

    • Unter den der Albertina geschenkten Werken: Georg Baselitz "Neger – 2. Hadendoa" (1972)
      foto: georg baselitz

      Unter den der Albertina geschenkten Werken: Georg Baselitz "Neger – 2. Hadendoa" (1972)

    • Hermann Nitsch "Kreuzwegstation" (1961)
      foto: bildrecht, wien, 2018

      Hermann Nitsch "Kreuzwegstation" (1961)

    • Jonathan Meese "Der Propagandist" (2005)
      foto: bildrecht, wien, 2018

      Jonathan Meese "Der Propagandist" (2005)

    • Maria Lassnig "Woman Power" (1979)
      foto: 2018 maria lassnig stiftung

      Maria Lassnig "Woman Power" (1979)

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