Viele Hoteliers machten im Sommer einen Bauchfleck

    19. Oktober 2018, 09:00
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    Obwohl das Gästeaufkommen rekordverdächtig hoch war, sieht bei den Ertragskennzahlen manch Hotelier ziemlich nackt aus

    Wien – Der Sommer bleibt die Achillesferse des österreichischen Tourismus. Obwohl die Nächtigungszahlen mit einem Plus von 2,6 Prozent die alte Rekordmarke von 2017 neuerlich umgestoßen haben, hat sich die Gewinnsituation sehr vieler Hoteliers nicht verbessert – im Gegenteil.

    "Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben geht weiter auf", sagte Thomas Reisenzahn, Geschäftsführer der Prodinger Tourismusberatung, dem STANDARD. "Wir haben uns 164 Vier- und Fünfsternbetriebe in Tirol, Salzburg und Vorarlberg angeschaut. Da zeigt sich eindeutig, dass die Erlöse mit der Kostenentwicklung nicht Schritt halten."

    GOP-Marge deutlich gesunken

    Reisenzahn, Mitautor eines soeben im Trauner-Verlag erschienenen Fachbuchs über "Standards der Abrechnung für Hotels und Restaurants (STAHR)", führt als Beispiel den Gross Operating Profit (GOP) an. Diese Kennzahl ist vergleichbar mit dem Ebitda bei Produktionsbetrieben, sie misst den operativen Gewinn, also die Einnahmen des Hoteliers abzüglich aller Aufwendungen.

    Demnach ist die GOP-Marge im untersuchten Zeitraum (Mai bis August) von 20,2 Prozent im Vorjahr auf heuer 16,3 Prozent gesunken. Zum Vergleich: Im Jahresdurchschnitt liegt die GOP-Marge bei etwa 22 Prozent, sie war vor acht Jahren aber auch schon höher – bei 28 Prozent. Und auch im Winter klingeln die Hotelkassen noch immer laut, da liegt die GOP-Marge im Schnitt bei 30 Prozent.

    Niedrigzinsen helfen – noch

    Nicht wenige Betriebe würden die schwachen Sommer- mit den guten Winterergebnissen quersubventionieren, sagt der Geschäftsführer der Prodinger Steuerberatung, Stefan Rohrmoser. Der Sommer sei einnahmenseitig schon seit langem ein Problem. Einzig die Niedrigzinsen verhinderten, dass es nicht lauter krache, sagte Rohrmoser.

    Personal- und Energiekosten deutlich gestiegen

    Reisenzahn verweist auf deutlich gestiegene Personalkosten, Folge eines ausgetrockneten Arbeitsmarkts, insbesondere bei Köchen und Kellnern. Auch die Energiekosten seien zuletzt stark gestiegen, seit Jahresbeginn um acht bis zehn Prozent. Dem stünden meist keine entsprechenden Mehreinnahmen gegenüber, was bei steigenden Zinsen für viele Hoteliers zu einem veritablen Problem werden könnte.

    Wo könnten Hoteliers ansetzen, um ihre Ergebnisse zu verbessern? Reisenzahn: "Bei Provisionen für Vermittlungsplattformen sparen, Gäste nach Möglichkeit direkt ansprechen, Energiecontracting nutzen, Personaleinsatzplanung verbessern. Und auch unterjährig auf die Zahlen schauen."

    Tourismusstrategie

    Die Ergebnisse der Analyse betrachtet Reisenzahn als "Richtschnur, wie es Österreichs Tourismus geht." Es seien zwar nur Betriebe in Tirol, Vorarlberg und Salzburg analysiert worden, auf diese drei Bundesländer entfielen aber mehr als die Hälfte aller österreichischen Nächtigungen.

    Die Bundesregierung will in einer neuen Tourismusstrategie bis kommenden März neue Indikatoren definieren, um abseits von wenig aussagekräftigen Nächtigungszahlen den Puls der Tourismuswirtschaft besser zu messen. (Günther Strobl, 19.10.2018)

    • Nicht nur im Aubad Tulln kann man böse Überraschungen erleben, wenn man die Wassertemperatur nicht vorher prüft. Vielen Hoteliers erging es nach Sichtung der Zahlen heuer ebenfalls so.
      foto: apa / herbert p. oczeret

      Nicht nur im Aubad Tulln kann man böse Überraschungen erleben, wenn man die Wassertemperatur nicht vorher prüft. Vielen Hoteliers erging es nach Sichtung der Zahlen heuer ebenfalls so.

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