Der Presserat schreibt einen Brief an "Heute"

    18. Oktober 2018, 16:13
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    Informationen dürfen nicht "unhinterfragt " übernommen werden, erinnert der Presserat

    "Nationalrat stellt mutmaßliche Diebe" lautete die Schlagzeile in der Gratiszeitung "Heute". Die Geschichte dahinter, erzählt aus der Perspektive des besagten Nationalrates, stellte sich bald als gehaltlos heraus. Anders als von Nationalrat Christian Höbart (FPÖ) behauptet, waren die jungen Männer (Zitat Höbart: "Offenbar Asylwerber"), die er in einem Supermarkt "gestellt" hatte, keine Diebe. Die von Höbart verständigte Polizei konnte nichts Strafrelevantes feststellen.

    "Heute" hat sich ausschließlich auf die Aussage Höbart gestützt und vor der Veröffentlichung des Artikels nicht bei der Polizei nachgefragt, kritisiert der Presserat. In einem offenen Brief an den Chefredakteur der Gratiszeitung, Christian Nusser, hält das Selbstkontrollorgan der österreichischen Presse fest, dass "Informationen unabhängig davon, aus welcher Quelle sie stammen, nicht unhinterfragt bzw. ohne "Re-Check" übernommen werden dürfen". Auch das Wort "mutmaßlich" sei im Kontext des Falles nicht korrekt, "zumal es gar keine Anzeige gegeben hat", ermahnt der Presserat.

    Eine Leserin hat beim Presserat Beschwerde eingelegt, weil der "Heute"-Artikel nach Bekanntwerden des Irrtums "nur halbherzig" geändert wurde, die ursprüngliche Ausrichtung des Artikels sei erhalten geblieben.

    Die Gratiszeitung "Heute" ist kein Mitglied des Presserates und hat seine Schiedsgerichtsbarkeit nicht anerkannt. (red., 18.10.2018)

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