Eine Radrunde von Wien zur Dopplerhütte und zurück

    19. Oktober 2018, 15:00
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    Mit dem Rad unterwegs zum "schönsten Punkt" im Wienerwald

    In Wirklichkeit ist es eine Tragödie: "Schönster Punkt im Wienerwald" steht da auf dem Schild an der Hütte. Schön, wunderschön ist es hier oben am Exelberg, 516 Meter über dem Meer, tatsächlich. Fast so wie von einer Klippe aus über die Weiten des Ozeans schweift der Blick. Der "Ozean" ist das Tullnerfeld. Bei guter Sicht sieht man sogar die Berge und Hügel des Waldviertels, bevor man sich in die Tiefe stürzt: von der Dopplerhütte die Serpentinen hinunter nach Königstetten und weiter nach Tulln.

    Und wo ist die Tragödie? Nun: Die Dopplerhütte ist legendär, aber geschlossen. Und das mindestens seit Beginn der Nullerjahre, obwohl es seit über zehn Jahren immer wieder Aufrufe gibt, das historische Ausflugslokal wiederzubeleben. Radfahrer und Motorradfahrer sind demnach die Hauptklientel auf der traumhaft schönen, kurvigen Straße nach Wien und den nicht minder schönen Serpentinen ins Tullnerfeld.

    Intensiv

    Der Weg ist hier oben also das Ziel – auf dem Fahrrad, vorzugsweise am Rennrad, erlebt man ihn intensiver, unmittelbarer. Egal in welcher Richtung. Ob man also vom Wienfluss ausgehend über Hadersdorf und Mauerbach vorbei an der Kartause und knapp unterhalb des Tulbinger Kogels über Hainbuch hier herauf und weiter über Königstetten zu Österreichs skurrilstem Kreisverkehr (einem aus dem Boden wachsenden Saab-Gripen-Abfangjäger) nach Tulln rollt sowie von dort die Donau entlang über Greifenstein, Kritzendorf und Klosterneuburg zurück nach Wien fährt oder das Ganz in der Gegenrichtung abspult, ist Geschmackssache.

    Und eine Windfrage: Der rund 75 Kilometer lange Klassiker mit seinen 500 Höhenmetern und einem hohen Anteil autofreier Streckenabschnitte ist zwar leicht zu fahren, aber an der Donau und im Tullnerfeld bläst oft heftiger Wind. Ob man ihn lieber von hinten oder von vorne, in der ersten oder zweiten Hälfte der Fahrt spüren will, sollte man sich vorher überlegen.

    So wie die Frage, ob man die 200 Höhenmeter bis zur Dopplerhütte lieber von Königstetten aus über nur drei Kilometer hinaufklettert oder den Anstieg lieber ab Hadersdorf auf rund acht Kilometer gestreckt angeht. Die Abfahrt ist in jedem Fall ein Genuss. Und sie macht Lust darauf, es das nächste Mal in der Gegenrichtung zu probieren. (Thomas Rottenberg, 19.10.2018)

    Weitere Outdoor-Tipps:

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    Service

    karte: der standard

    Strecke: Die Route lässt sch in beide Richtungen fahren. Da der Wind meist donauabwärts weht und die meisten Menschen gerne mit Rückenwind heimfahren, beginnen wir im Wiental.

    Der Radweg den Wienfluss entlang führt an Hütteldorf vorbei bis zu den Hochwasserbecken bei Auhof. Wo er endet, geht es eine kurze Treppe (mit Radschiebeschiene) hinauf und dann – kurz – über grobes Pflaster (Rennräder eventuell schieben!) zur Hadersdorfer Hauptstraße. (Wer partout nicht tragen und schieben will, kann auch bei Hütteldorf aus dem autolosen Wiental über die Bergmüllergasse zur Linzer Straße fahren.)

    Ab Hadersdorf den Schildern nach Mauerbach folgen, dann denen Richtung Tulbinger Kogel, bis Königstetten und Tulln angeschrieben stehen. (Es gibt auch eine Abzweigung zum Tulbinger Kogel selbst: schön, aber heute nicht unser Ziel.) Nach Hainbuch mündet die "Hauptstraße" in die L120: Links geht es zur Dopplerhütte, rechts zurück über die Sofienalpe nach Neuwaldegg und Wien.

    Von der Dopplerhütte nach Königstetten kann man sehr gut Kurvernfahren üben. In Königstetten dann links und immer Richtung Tulln halten: Die lange Gerade am Flughafen Langenlebarn vorbei ist der einzige echt mühsame Teil der Strecke: Der Wind kommt satt von vorne. Und das Wort "Seitenabstand" vergessen Autofahrer auf solchen Raserstrecken gerne.

    In Tulln wird man dann am Ortseingang mit dem Draken-Kreisverkehr belohnt, rollt Richtung Zentrum – und gönnt sich, hoffentlich, am Hauptplatz einen Espresso in der Sonne. Zurück geht es dann mit Rückenwind über den Donauradweg (egal auf welcher Seite, rechts ist der Asphalt aber neu und deutlich schneller) die Donau entlang: Greifenstein, Kritzendorf, Klosterneuburg, Kuchelau und Donaukanalradweg. Fertig.

    Varianten: Eine mögliche Abkürzung führt an der Einmündung in die L120 ("Tullner Straße") nach rechts. Entweder via Sofienalpe die Exelbergstraße hinunter (Ausblick!) zur Marswiese und über Hanslteich, Amundsenstraße und Schottenhof zurück nach Hütteldorf ins Wiental. Oder vor Scheiblingstein nach Steinriegl und den Weidlingbach entlang immer bergab nach Weidling, Josefsdorf und Klosterneuburg zur Donau und nach Wien.

    Wer sich den Weg von Königstetten nach Tulln ersparen will, kann in Königstetten auch rechts abbiegen und kommt über Wolfpassing, St. Andrä und Wördern nach Greifenstein (relativ viel Autoverkehr). Von dort geht es dann am Radweg weiter nach Wien.

    Ausrüstung: Empfohlen wird ein Rennrad. Damit sollte die Fahrt bei durchschnittlicher Kondition in etwa drei Stunden bewältigbar sein. Aber natürlich ist die Strecke auch mit jedem anderen Rad zu bewältigen. Achtung, E-Biker: Hält der Akku 75 Kilometer und 500 Höhenmeter?

    Streckenqualität: hoher Radweganteil (Wiental, Donauradweg) ohne jeden Autoverkehr. Überall Asphalt. Guter Straßenzustand. Von Mauerbach bis Königstetten fährt man zwar auf der Landstraße, aber der Verkehr hält sich in Grenzen. Im Wald wird ein blinkendes Rücklicht auch bei Tag empfohlen – die Licht-Schatten-Wechsel überfordern viele Autofahrer. Verkehrsmäßig zäh ist nur der Part zwischen Königstetten und Tulln.

    Vom Tullner Stadtrand zum Zentrum gibt es einen schmalen, holprigen Radweg, der oft rechts an geparkten Autos und etlichen Einfahrten und Nano-Quergassen vorbeiführt (Nachrang! 10-km/h-Annäherungsregel!). Es wird dringend empfohlen, auf der Fahrbahn zu bleiben. (Auch wenn das manche Autofahrer nicht glauben: Mit dem Rennrad ist das legal.)

    An- und Abreise: mit dem Rad. Optional kann man mit der U4 bis Hütteldorf an und ab Heiligenstadt reisen.

    Gastronomie: Am Hauptplatz von Tulln gibt es einige nette Cafés. In der Sonne sitzen hat man sich hier absolut verdient.

    • Da der Wind meist donauabwärts weht und die meisten Menschen gerne mit Rückenwind heimfahren, beginnen wir im Wiental.
      foto: thomas rottenberg

      Da der Wind meist donauabwärts weht und die meisten Menschen gerne mit Rückenwind heimfahren, beginnen wir im Wiental.

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    • Von der Dopplerhütte nach Königstetten kann man sehr gut Kurvernfahren üben.
      foto: thomas rottenberg

      Von der Dopplerhütte nach Königstetten kann man sehr gut Kurvernfahren üben.

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    • In Tulln wird man dann am Ortseingang mit dem Draken-Kreisverkehr belohnt, rollt Richtung Zentrum ...
      foto: thomas rottenberg

      In Tulln wird man dann am Ortseingang mit dem Draken-Kreisverkehr belohnt, rollt Richtung Zentrum ...

    • ... und gönnt sich, hoffentlich, am Hauptplatz einen Espresso in der Sonne.
      foto: thomas rottenberg

      ... und gönnt sich, hoffentlich, am Hauptplatz einen Espresso in der Sonne.

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    • Zurück geht es dann mit Rückenwind über den Donauradweg (egal auf welcher Seite, rechts ist der Asphalt aber neu und deutlich schneller) die Donau entlang.
      foto: thomas rottenberg

      Zurück geht es dann mit Rückenwind über den Donauradweg (egal auf welcher Seite, rechts ist der Asphalt aber neu und deutlich schneller) die Donau entlang.

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