Militärauftrag: Anonyme Mitarbeiterproteste bei Microsoft und Amazon

    18. Oktober 2018, 10:30
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    Microsoft will dem US-Verteidigungsministerium Clouddienste bereitstellen, Amazon bietet Polizeibehörden Gesichtserkennungssoftware

    Amazon und Microsoft werden zunehmend dafür kritisiert, ethisch fragwürdige Aufträge anzunehmen. Seit Mai ist bekannt, dass Amazon sein Gesichtserkennungstool, "Rekognition", an Polizeibehörden weiterverkauft. Amazon-Gründer Jeff Bezos erklärte dazu nur, dass es wichtig sei, manchmal potenziell unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Microsoft soll schon seit Monaten an einem Auftrag des US-Militärs interessiert sein, bei dem das Unternehmen dem Verteidigungsministerium Clouddienste liefern würde. Dabei seien angeblich zehn Milliarden US-Dollar im Spiel.

    Identität verifiziert

    In beiden Fällen haben sich nun Mitarbeiter der Unternehmen anonym auf der Blogging-Plattform "Medium" zu Wort gemeldet, um das Vorgehen zu kritisieren und Bedenken auszusprechen. Die Seite, welche vor allem im englischsprachigen Raum große Beliebtheit genießt, verifizierte die Identität der Autoren.

    Der Amazon-Mitarbeiter kritisiert, dass Bezos sogar zugab, dass solche Produkte missbraucht werden könne. Statt glaubwürdig zu erklären, wie Amazon das verhindern möchte, habe er stattdessen vorgeschlagen, auf die "Immunreaktion" der Gesellschaft zu warten. Er kritisiert, dass der Schaden zu groß wäre, um ihn rückgängig zu machen, falls Amazon weiter wartet.

    Nicht auf den Text eingegangen

    Der Microsoft-Mitarbeiter erklärte, dass sowohl er, wie auch andere Arbeitskräfte des Unternehmens, finden, dass das, was sie bauen, nicht verwendet werden sollte, um Krieg zu führen. Microsoft reagierte darauf, ohne inhaltlich auf den Text einzugehen. Eine Sprecherin erklärte, dass das Unternehmen zwar keine Möglichkeit habe, die Authentizität des Autors zu verifizieren. Dennoch würde man Mitarbeiter immer ermutigen, ihre Meinung kundzutun.

    Bereits zuvor interne Kritik

    Proteste von Mitarbeitern großer Unternehmen aus dem Silicon Valley gab es im heurigen Jahr zuhauf. So protestierten etwa Mitarbeiter bei Google gegen ein Projekt, welches vorgesehen hätte, dass das Unternehmen das Verteidigungsministerium mit einer künstlichen Intelligenz beliefert. Auch gegen die Pläne, eine zensierte Version der Suchmaschine zu veröffentlichen, gibt es intern massive Kritik. (red, 18.10.2018)

    • Mitarbeiter bei Amazon sprechen sich dagegen aus, dass das Unternehmen Gesichtserkennungssoftware an US-Polizeibehörden verkauft.
      foto: reuters/rossignol

      Mitarbeiter bei Amazon sprechen sich dagegen aus, dass das Unternehmen Gesichtserkennungssoftware an US-Polizeibehörden verkauft.

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