Projekt "Ocean Cleanup" im Nordpazifik ist angelaufen

    Video17. Oktober 2018, 16:36
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    Idee eines niederländischen Schülers hat sich zum großdimensionierten Projekt ausgewachsen

    foto: apa/afp/josh edelson
    Boyan Slat – mittlerweile Unternehmer – hat die Grenzen für Schulprojekte neu definiert.

    Rotterdam/San Francisco – Sieben Jahre ist es her, dass der damals 16-jährige Niederländer Boyan Slat für ein Schulprojekt eine Idee präsentierte, wie sich die Meere von treibendem Plastikmüll säubern lassen könnten. Experten sahen in dem Konzept nach anfänglicher Skepsis Potenzial – und nun ist das von Universitäten, Unternehmen und der niederländischen Regierung unterstütze Projekt "Ocean Cleanup" in großem Stil im Nordpazifik angelaufen.

    Groß ist gelinde gesagt auch der "Gegner": Der sogenannte Great Pacific Garbage Patch gehört zu den fünf größten Strömungswirbeln weltweit, an denen sich gigantische Mengen Plastikmüll sammeln. Auch wenn der Patch gerne als "Müllkontinent" bezeichnet wird, darf man sich darunter allerdings nichts vorstellen, das nach einer künstlichen Landmasse aussähe. Vielmehr handelt es sich um ein Meeresgebiet mit einer extrem hohen Rate an Plastikteilchen jeder Größenordnung, die dort im Wasser treiben. Wissenschafter sprechen von 1,8 Billionen Plastikteilen allein im am stärksten verschmutzten Pazifikgebiet.

    the ocean cleanup

    Diese sollen nun auf recht entspannte Weise eingefangen werden: Von einem Schiff werden kilometerlange Schläuche ausgelegt, die – durch Gewichte stabilisiert – an der Meeresoberfläche treiben und sich langsam durch den Müllteppich fräsen. Die Konstruktion komme einer "künstlichen Küstenlinie" gleich, an der sich der Müll sammelt.

    Die Plastikteilchen bleiben in dem "Vorhang", der von den Schläuchen drei Meter tief ins Wasser reicht, hängen – Meerestiere können laut den Projektbetreibern ungefährdet unter dem Vorhang durchtauchen. Werden die Riesententakel am Ende zusammengeführt, umschließen sie eine gewaltige Müllballung, die von Schiffen zur weiteren Verarbeitung an Land abtransportiert werden kann.

    foto: reuters
    Vor einem Monat ist die Konstruktion aus dem kalifornischen Alameda ausgelaufen, nun ist sie vor Ort und nimmt ihre Tätigkeit auf.

    Testläufe in kleinerem Maßstab wurden in den vergangenen Jahren in mehreren Meeresregionen durchgeführt. Die bislang größte Konstruktion wurde Anfang September aus der Bucht von San Francisco aufs offene Meer geschleppt und nimmt nun den Betrieb auf.

    "Wir sind gestartet", verkündete ein Sprecher des Projekts den Beginn der entscheidenden Phase. Wie lange die Aktion dauern werde und wann mit ersten Ergebnissen zu rechnen sei, konnte vorerst noch nicht gesagt werden. (red, APA, 17. 10. 2018)

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