"Inting Sion": Irre "Amok-Strategie" spaltet "League of Legends"-Community

    19. Oktober 2018, 10:20
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    Spieler laufen mit extrem robustem Helden zigfach in den Tod und haben trotzdem Erfolg

    Für praktisch jedes komplexere Multiplayer-Game finden sich Teilnehmer, die es schaffen, Wege abseits des üblichen "Spielstils" zu finden. Auch das MOBA League of Legends stellt da keine Ausnahme dar. So manch neue Idee entwickelt sich gar zur "Meta", sprich einer als allgemeingültig angesehenen, derzeitigen Strategieempfehlung.

    Ob das bei einer neu gefundenen Methode, dem gegnerischen Team schwere Sorgen zu bereiten, auch passieren wird, bleibt abzuwarten. Die "Inting Sion"-Strategie sorgt jedenfalls für hitzige Diskussionen in der Community.

    Erfolgreich trotz vieler Tode

    "Inting" ist eine Kurzform für "intentional feeding". Ein Vorwurf, der an Spieler gerichtet wird, wenn sie sich mutmaßlich absichtlich töten lassen. In diesem Falle lässt sich die Unschuldsvermutung allerdings verwerfen, denn hier ist das oftmalige Sterben einkalkuliert.

    Zugeschrieben wird die Entwicklung von "Inting Sion" dem Spieler "Midlaner from Hell". Er stellte fest, dass der Hero Sion nicht nur sehr robust ist, sondern mit der Wahl der richtigen Runen im Vorfeld eines Spieles und dem Kauf der richtigen Gegenstände während der Partie ausgesprochen gut dafür geeignet ist, gegnerische Türme einzureißen. Und diese gilt es letztlich zu zerstören, ehe man mit einem Angriff auf den Kern der gegnerischen Basis eine Partie gewinnt.

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    "Inting Sion" in Aktion.

    Prädestinierter Turmzerstörer

    Dabei spielen mehrere Elemente hinein. Sion ist als "Tank" konzipiert, ist also grundsätzlich bereits dafür ausgelegt, viel einstecken zu können. Dazu verfügt eine seiner Fähigkeiten (Soul Furnace) über einen passiven Effekt, der seine maximalen Lebenspunkte beim Töten gegnerischer Helden, Cannon Minions und großer Monster weiter hochschraubt. Und wenn Sion stirbt, steht er kurz danach wieder mit einem schnell schwindenden Lebensbalken wieder auf und kann bis zu seinem endgültigen Ableben schneller angreifen.

    Weiters ist er in der Lage, Wellen gegnerischer Minions schnell zu erledigen. Das beschert ihm nicht nur schnell Geld und Levelaufstiege, sondern lässt ihn auch flotter den gegnerischen Turm angreifen. Solange er in der Reichweite gegnerischer Türme nicht von Gegnern angegriffen wird oder selbst einen Gegner angreift, schießen diese nämlich auf die Minions des eigenen Teams.

    Alleine nicht zu bändigen

    Im Verbund mit passenden Runen (hier im Beispiel-Build: Demolish, Conditioning, Overgrowth), die seine Widerstandskraft und Lebensenergie mit der Zeit noch weiter steigern und seinen Schaden gegen Türme erhöhen, wird ein "Inting Sion" im Spielverlauf zu einem echten Problem für die Gegner.

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    Ein "League"-Youtuber erprobt "Inting Sion".

    Denn sein direkter Gegner auf seiner Bahn der Karte hat in einem Eins-gegen-Eins irgendwann kaum eine Chance, das schnelle Einreißen der Türme zu verhindern, da weder er, noch die Türme besonders viel Schaden bei Sion anrichten. Somit müssen weitere Teamkameraden ausrücken, um den wildgewordenen Tank zu bändigen. Das wiederum lässt Sions Mitspieler mehr Freiraum, sich auf der Karte auszutoben und Vorsprung zu gewinnen. Da Sion selbst kaum Gegner tötet, fällt die Belohnung in Gold auch noch sehr gering aus, wenn er gemeinschaftlich niedergerungen wird.

    Entwickler wollen vorerst nicht eingreifen

    In zig Videos ist nun dokumentiert, wie ein "Inting Sion" auf diese Weise trotz fürchterlicher Kill-Statistik ein Spiel entscheidend zugunsten seines Teams beeinflussen kann und Gegner dieser Taktik einigermaßen hilflos gegenüber stehen. Einige "League"-Fans haben sich auch schon an den Riot Games gewandt und fordern Maßnahmen, da sie einen Missbrauch der Spielmechanik sehen. Andere wiederum halten es für eine unproblematische Spielweise.

    maxim
    Eine Analyse zu "Inting Sion"

    Die Entwickler stehen der Thematik vorerst aber recht gelassen gegenüber. Man verweist darauf, dass auch diese Spielweise ein gewisses Grundverständnis dafür voraussetzt, wie man sie umsetzt. Im Moment sehe man es als "valide Strategie für den Sieg" an, die "nicht bestraft werden sollte".

    Es sei durchaus denkbar, dass bald eine wirkungsvolle Konterstrategie gefunden wird, wie es auch schon bei anderen, ähnlich gearteten Vorgangsweisen war. Daher wolle man abwarten. Sollte sich auf längere Sicht herausstellen, dass es wirklich keine gute Gegenwehr gegen "Inting Sion" gibt, werde man eingreifen. Der Support ist jedenfalls angewiesen, Spieler, die aufgrund dieser Strategie wegen "intentional feeding" gesperrt werden, wieder freizuschalten.

    Spieler suchen Gegenstrategie

    Und die Community ist auch schon eifrig auf der Suche nach Möglichkeiten, dem "amoklaufenden" Moloch etwas entgegen zu stellen. Empfohlen wird unter anderem, ihm auf seiner Lane einen ebenfalls robusten Helden mit gutem "Waveclear" entgegenzustellen, sowie schnelle, gemeinsame Vorstöße auf der mittleren Lane zu organisieren, um mindestens so schnell Türme einzureißen. Das ermögliche es, sich die Kontrolle über einen Großteil der Karte sichern zu können und somit auch Ressourcen für das Ausbremsen von Sion aufwenden zu können.

    Das ist einer von mehreren Vorschlägen, deren Effektivität sich aber erst zeigen muss. Besonders in aus zufälligen Spielern zusammengewürfelten Teams dürfte es um die Ausführbarkeit eher schlecht stehen. Wie lange Riot abwarten möchte, ist nicht bekannt. Die Prioritäten beim Studio dürften aber ohnehin derzeit anders gelagert sein. Denn es laufen die World Championships in Südkorea und bald nach dem Turnier wird auch die Vorstellung eines neuen Champions erwartet. (gpi, 19.10.2018)

    • Derzeit der Albtraum vieler Toplaner: Sion.
      foto: riot games

      Derzeit der Albtraum vieler Toplaner: Sion.

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