"Gute" Schulen haben auch Nachteile

    17. Oktober 2018, 08:15
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    Die Zusammensetzung der Schülerschaft hat Einfluss auf das spätere Leben. Die "ideale" Schule hätte Schüler aus bildungsaffinem Elternhaus und nur mäßige Leistungsdichte

    Eltern neigen vielfach dazu, ihre Kinder an möglichst "guten" Schulen unterzubringen. Allerdings: Der Besuch einer "guten" Schule muss nicht automatisch gut für alle sein, die sie besuchen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung deutscher und US-amerikanischer Forscher, die dafür Daten einer Langzeitstudie auswerteten. Der Besuch einer "guten" Schule kann demnach positive wie auch negative Effekte für den späteren Karriereweg haben. Die Ergebnisse zeigen, dass Schüler an sozioökonomisch "besseren" Schulen zwar von dieser Umgebung profitieren, gleichzeitig aber durch hohen Leistungsdruck Nachteile erleiden können.

    Daten von Eltern und Kindern

    Für ihre im Fachjournal "Psychological Science" publizierte Arbeit zogen die Forscher Daten einer US-Langzeitstudie über Leistungserwartungen, Bildungserfolg, Einkommen und Berufsprestige heran. An dieser nahmen im Jahr 1960 rund 380.000 Highschool-Schüler teil. Elf Jahre später konnten etwa 85.000 von ihnen erneut befragt werden, 50 Jahre später noch 2.000. Dabei wurden etwa die Leistungen der Schüler in Mathematik und Englisch herangezogen sowie die Antworten auf Fragen nach Bildungszielen und dem Berufserfolg ausgewertet.

    Anschließend stellten die Forscher einmal einen Bezug zum Bildungsabschluss der Eltern und einmal einen Bezug zum durchschnittlichen Leistungsniveau der Schule her. Resultat: Erwartungsgemäß stellten Schüler an Schulen, an denen die Elternschaft im Durchschnitt einen höheren Bildungsabschluss aufwies, auch höhere Erwartungen an ihre eigene akademische Karriere, verdienten nach elf bzw. 50 Jahren mehr und hatten angesehenere Berufe als Kinder, die Schulen besuchten, an denen die Eltern nur mittlere oder niedrigere Bildungsabschlüsse hatten.

    Beim Leistungsniveau war es dagegen umgekehrt: Bei hohem Leistungsschnitt erwarteten sich die Schüler nach Berücksichtigung ihres eigenen sozialen Hintergrunds und ihrer Schulleistungen weniger von ihrer akademischen Karriere, arbeiteten in weniger angesehenen Berufen und verdienten sowohl nach elf als auch nach 50 Jahren weniger als Personen, die als Kinder Schulen mit einem niedrigeren Leistungsniveau besucht hatten.

    Erwartungen sinken

    Grund dürften nachteilige Vergleiche mit besseren Klassenkameraden sein, die dazu führen, dass die Kinder ein geringeres Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln. "Der ständige Vergleich mit Mitschülern, aber auch nachteilige Beurteilungen durch Lehrkräfte führen dazu, dass die Erwartungen an die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten sinken, was sich wiederum nachteilig auf den Berufs- und Karriereweg auswirkt", analysierte Studienautor Richard Göllner vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen in einer Aussendung. Lehrer stünden daher vor der tägliche Aufgabe, diesen negativen Effekt bei leistungsstarker Schülerschaft abzumildern.

    In welche Schule Eltern ihre Kinder schicken sollen, sei daher eine schwierige Frage, schreiben die Forscher. Ihre Ergebnisse würden nahelegen, dass die optimale Kombination eine Schule wäre, die einerseits Kinder aus Elternhäusern mit hohem Bildungsabschluss besuchen, an der andererseits aber nur ein mäßiges Leistungsniveau herrscht. "Eine solche zu finden ist aber eine Herausforderung, da es einen relativ starken Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Hintergrund und Leistung auf dem Highschool-Level gibt." (APA, red, 17.10.2018)

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