Kurz-Vertrauter Markus Figl hat mit Fiakern ein Problem

    Kopf des Tages16. Oktober 2018, 18:12
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    Der Bezirksvorsteher der Wiener Innenstadt will die Fiaker aus der City verbannen

    Als Jugendlicher sei er einmal eine Runde mit einem Fiaker durch die Innenstadt gefahren, erzählt Markus Figl. Die Ausfahrt habe nicht zur Firmung stattgefunden, wie es traditionell bei vielen Wienern auf dem Programm steht, aber "das Alter dürfte hinkommen". Bleibenden Eindruck dürfte sie jedoch nicht hinterlassen haben.

    Heute ist Figl Bezirksvorsteher des ersten Wiener Gemeindebezirks und hat als solcher die Verbannung der Fiaker aus der Inneren Stadt angeregt: Sie zerstörten die Fahrbahn, und ihre "Hinterlassenschaften", wie Figl es ausdrückt, "riechen und stinken". Die Reaktionen auf seinen Vorstoß haben ihn überrascht, sagt er. Fiaker und Wien – das sei wohl eine "emotionale Geschichte", analysiert der 44-jährige Jurist.

    Gegen "Habsburg-Disneylands"

    Seit bald drei Jahren ist Figl nun im Amt und setzt alles daran, die Wünsche der Bewohner der City zu erfüllen, nicht die der Touristen. Die Innenstadt dürfe nicht zur "toten Kulisse eines Habsburg-Disneylands" werden.

    Sein Amtsantritt war ein wenig holprig, Vorgängerin Ursula Stenzel wurde in die Enge getrieben, den Rückzug anzutreten. Sie wechselte zur FPÖ, und Figl, ein enger Vertrauter von Bundeskanzler Sebastian Kurz ("Wir kennen und schätzen uns"), rettete der ÖVP mit nur 26 Prozent knapp den ersten Platz.

    Stolz ist er auf die Umgestaltung des Stephansplatzes, die komplikationsfrei über die Bühne gegangen sei. Aktuell liegt ihm die Baustelle am Neuen Markt samt Errichtung einer Garage im Magen. Damit die Beschwerden im Zaum gehalten werden, hat er einen Ombudsmann installiert, der "rund um die Uhr" erreichbar sei.

    Verkehrskonzept ohne Tabus

    Für den nächsten großen Wurf will sich Figl ein Jahr Zeit lassen. Es geht um die Erstellung eines Verkehrsgesamtkonzeptes für den ersten Bezirk, über das die Bewohner in einer Bürgerbefragung auch abstimmen sollen. "Ohne Tabus, alles steht zur Diskussion", sagt der dreifache Vater, der übrigens Großneffe des ehemaligen Bundeskanzlers Leopold Figl ist.

    Eine Citymaut könnte kommen? Er wolle nicht über das "Klein-Klein" sprechen, nimmt er dazu nicht Stellung, sondern "größer denken".

    Dass im Rahmen des Bürgerbeteiligungsprozesses auch über das Ende der Fiaker in der Innenstadt abgestimmt werden könnte, schließt er jedoch aus. Dieses Thema will er offenbar schneller gelöst haben. Auch in anderer Sache ist er gegen Pferde im Bezirk: Herbert Kickls berittene Polizei würde die Straßen ebenso beschädigen. (Rosa Winkler-Hermaden, 16.10.2018)

    • Markus Figl, Bezirksvorsteher der Inneren Stadt, legt sich mit Fiakern an.
      foto: apa/punz

      Markus Figl, Bezirksvorsteher der Inneren Stadt, legt sich mit Fiakern an.

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