Schachingers "Daneben gehen": Skifahren für den Klimawandel

    17. Oktober 2018, 12:00
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    Man kann bei sommerlichen Temperaturen vom Freibad direkt auf die Piste wechseln

    Dies ist ein beinhartes Protestlied: Wir schreiben Mitte Oktober 2018. Letztes Wochenende starteten die Kitzbüheler Bergbahnen bereits zum vierten Mal in 1800 Meter Seehöhe am Hahnenkamm die Wintersaison. Eine 1,6 Kilometer lange Piste wurde dafür von Pistenraupen aufgeschüttet. Schneehöhe ein Meter. Sie besteht zu 80 Prozent aus Kunstschnee und zu 20 Prozent aus in Kitzbüheler Depots vom Frühjahr über den Sommer bis jetzt eingelagertem Naturschnee. Man kann also bei sommerlichen Temperaturen vom Freibad direkt auf die Piste wechseln, ein frühes Fahrvergnügen im Zeichen der mit Anlauf unternommenen Umweltzerstörung.

    Wobei der Begriff Umweltzerstörung in diesem traditionell mehr durch harten als sanften Tourismus bekanntgewordenen Landstrich ohnehin so selbstverständlich schamlos daherkommt wie ein Juchatzer vom Hinterseer Hansi von der Seidlalm herunter.

    Profitieren sollen neben einer zahlungskräftigen Kundschaft vor allem diverse Skiclubs, die intellektuell dazu nicht in der Lage sind, Trainingszeit auf einem Gletscher zu buchen. Lieber wird zwischen den letzten Herrenpilzen der Saison und Kühen hindurchwedelt. Die Tiere haben auf der Alm aufgrund der Witterungslage noch ein paar Ferienwochen extra angehängt, bevor sie ins Tal getrieben werden wie eine Horde fußmaroder Bergwanderer nach einem Jausenbrettl und zwo, dro "Schnapsei" auf der Hütte, damit es den Selchspeck wegputzt.

    Skifahren ist übrigens schon lange kein Volkssport mehr, wie es uns die von der Schule und diversen Liftbetreibern noch immer verordneten Schulskikurse glauben machen wollen. Skifahren ist sauteuer. Zwei Drittel der Österreicher fahren nie Ski. Das mag zum einen daran liegen, dass die Hälfte der Saison ohnehin zu wenig Schnee liegt, weil die Klimawandelroute noch immer nicht geschlossen wurde.

    Zum anderen kann es durchaus auch so sein, dass sich die Leute die absurden Preise für diesen destruktiven Sport schlicht und einfach nicht mehr leisten können. Sie kratzen das ganze Jahr über lieber das Geld für Miete und Leben zusammen, ohne im Winter die Möbel verheizen zu müssen. Crescendo, Schlussakkord! (Christian Schachinger, 17.10.2018)

    • Skifahren bei sommerlichen Temperaturen.
      foto: apa/expa/stefanie oberhauser

      Skifahren bei sommerlichen Temperaturen.

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