Fett, schwanger oder einfach nur weiblich – Köstinger kontert

Blog16. Oktober 2018, 12:24
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Die Umweltministerin Elisabeth Köstinger wehrt sich gegen Hassnachrichten. Gut so – jetzt könnte sie ihren Draht zu den AmtskollegInnen nutzen

Auch Frauen konservativer Parteien wehren sich jetzt öffentlich gegen Sexismus. Das ist großartig, weil es zeigt, dass über gewisse Grenzen des Akzeptablen mehr und mehr Konsens herrscht. Umweltministerin Elisabeth Köstinger sagte der Tageszeitung "Heute", dass zu den üblichen sexistischen Hassnachrichten seit ihrer Schwangerschaft und der Geburt ihres Sohnes noch jene hinzugekommen seien, die über ihren Körper herziehen. Die verbale Belästigung sei "mehr und brutaler geworden", so Köstinger, die jetzt die Nase voll hatte und direkt reagierte.

foto: screenshot/twitter

Und Köstinger fasste via Twitter nochmal zusammen:

"Daumen hoch"-Emoji, keine Frage. Wenngleich der Stolz auf einen gebärfähigen Körper nicht unbedingt das vorrangigste Argument sein sollte, die digitale Klappe zu halte. Denn, gehen wir noch einen Schritt weiter, Bodyshaming sollte in naher Zukunft passé sein – völlig unabhängig von den physischen "Fähigkeiten" einer Frau. Schließlich wollen oder können etliche Frauen nicht gebären, was ebenso für viele eine Einladung für Häme ist. Wenn sie schwanger ist und war, ist sie fett, ist sie es nicht, ist sie keine richtige Frau. Jede Variante provoziert Hassnachrichten, deshalb heißt es auch so schön universal Frauenhass.

Zielscheibe Frau

Aber das weiß Köstinger natürlich auch. "Die Abwertung von Frauen und ihrer Figur nach der Schwangerschaft ist eine von vielen Varianten der Beschimpfung", und diese betreffe nicht nur sie, sagt die Ministerin zu Recht. Letztlich ist es also völlig egal, ob Frauen jünger oder älter sind, liiert oder single, links oder rechts (wobei linke Positionen in Kombination mit feministischen Botschaften nochmals besonders provozieren), groß oder klein, dick oder dünn. Letztendlich entlädt sich der Hass einfach auf die, die sichtbar sind. Und Frauen in der Öffentlichkeit sind besonders präsent – und werden allein dafür angegriffen.

Wie auch Sigi Maurer. In dem Prozess gegen sie zeigten sich neben dem seltsamen Umstand, dass Maurer geklagt wurde, aber nicht klagen konnte nachdem sie üble Nachrichten erhalten hatte, noch weitere deprimierende Absurditäten. Etwa dass von Hassnachrichten Betroffene gemäß einer journalistischen Sorgfaltspflicht (um die einhalten zu müssen, muss man offenbar keine Journalistin sein) beim Hater nachfragen sollten, ob er es war, der die sexistische Gewaltnachricht versandt hat. Kurios, denn immerhin kann man dann mit demselben Argument kommen wie jener Mann, der Maurer wegen übler Nachrede klagte: Ich war es nicht, ein anderer war an meinem PC oder irgendeinem anderen Endgerät und hat "Ja, ich hab' das verschickt" geantwortet.

Aber gut. Elisabeth Köstinger hat nun auch auf das Thema aufmerksam gemacht. Sie hat als Regierungsmitglied immerhin den besten Draht zu ihren AmtskollegInnen im Justizministerium und Frauenministerium, um ihnen auch aus persönlicher Erfahrung die dürftige Gesetzeslage gegen Hass und verbale Gewalt im Netz ans Herz zu legen. Köstinger forderte "bessere Instrumente", die jetzt endlich einmal bessere Gesetze sein sollten. (Beate Hausbichler, 16.10.2018)

  • Elisabeth Köstinger wehrte sich auf direktem Weg und verblieb mit "Alles Liebe für Sie".

    Elisabeth Köstinger wehrte sich auf direktem Weg und verblieb mit "Alles Liebe für Sie".

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